Regalbediengeräte Drei Bauteile und ein Schlüssel

Autor / Redakteur: Vanessa Lagnach / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Automatische Regalbediengeräte (RBG) spielen in der Lagerlogistik eine wichtige Rolle. Um unterbrechungsfreien Betrieb gewährleisten zu können und unerlaubten Zutritt von Personen zu verhindern, sind sie mit Schutzumzäunungen abgesichert. Die Bedienung dieser RBG erfolgt außerhalb der Umzäunung an einem Bedienpanel.

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Sicherheitssystem für Hochregallager: Die Multifunctional Gate Box (MGB) basiert auf der Transpondertechnologie zur Absicherung von Schutzeinrichtungen.
Sicherheitssystem für Hochregallager: Die Multifunctional Gate Box (MGB) basiert auf der Transpondertechnologie zur Absicherung von Schutzeinrichtungen.
(Bild: Euchner)

Zur Inbetriebnahme oder Störungsbeseitigung kann das Betreten der Anlage notwendig sein. Hierfür ist ein Umschalten der Betriebsart von „Automatikbetrieb“ in „Handsteuerung“ notwendig. Jede Betriebsart verfügt über eine oder mehrere Sicherheitsfunktionen, die den Bediener bei seiner Arbeit schützen. Mit der Änderung der Betriebsart Automatikbetrieb zu Handsteuerung wird von einer Sicherheitseinrichtung auf eine andere umgeschaltet. Durch eine fehlerhafte und unsachgemäße Umschaltung können Risiken für einen Bediener entstehen.

Alle drei Schlüsselschalter werden zentral bedient

Um die Betriebsartenwahl bei automatischen Regalbediengeräten normen- und gesetzeskonform umzusetzen und die Anforderungen der EN 528:2008 zu erfüllen, werden folgende drei Bauteile benötigt:

  • ein Schlüsselschalter plus Starteinrichtung am Bedienpanel außerhalb des Arbeitsbereichs der Anlage,
  • ein Sicherheitssystem für die Absicherung der Zugangstür mit integriertem Schlüsselschalter und Fluchtentriegelung an der Zugangstür zur Anlage (zum Beispiel das Sicherheitssystem Multifunctional Gate Box MGB von Euchner) und
  • ein Schlüsselschalter plus Starteinrichtung am Regalbediengerät innerhalb des Arbeitsbereichs der Anlage.

Und zuletzt als zentrales Element noch ein Schlüssel, mit dem alle drei Schlüsselschalter bedient werden. Durch das nachfolgend beschriebene Zusammenspiel zwischen Schlüssel und Schlüsselschalter wird die von der Norm geforderte sichere Betriebsartenwahl erreicht.

Von „Automatik“ zu „Handsteuerung“ und wieder zurück

Die Schlüsselschalter am Bedienpanel und am Regalbediengerät fungieren dabei jeweils als Betriebsarten-Wahlschalter. Im Automatikbetrieb stehen beide Schlüsselschalter auf der Betriebsart „Automatik“ und der Schlüssel steckt im Schlüsselschalter des Bedienpanels. In dieser Stellung kann der Schlüssel am Bedienpanel nicht abgezogen werden. Zudem ist das Sicherheitssystem MGB an der Zugangstür verriegelt und zugehalten und verhindert dadurch einen unerlaubten Zutritt in die Anlage während deren Betrieb.

Ist jedoch ein Betreten der Anlage notwendig, zum Beispiel zur Inbetriebnahme oder Störungsbeseitigung, muss die Anlage in die Betriebsart „Handsteuerung“ („Manuell“) umgeschaltet werden. Dazu wird der Schlüssel am Bedienpanel in die Stellung „Handsteuerung“ gedreht und abgezogen. Die Anlage muss dadurch zum Stillstand kommen.

Mit dem Schlüssel wird als Nächstes der Schlüsselschalter am Sicherheitssystem in die Stellung „Tür öffnen“ gedreht. Nur in dieser Stellung lässt sich das Sicherheitssystem öffnen. Allerdings wird die Tür von der Steuerung noch so lange zugehalten, bis die Anlage zum Stillstand gekommen ist. Nach Öffnen der Tür wird der Schlüssel wieder von der MGB abgezogen und die Bedienperson kann die Anlage betreten.

Als letzter Schritt wird mit ebendiesem Schlüssel der Schlüsselschalter am Regalbediengerät auf die Stellung „Handsteuerung“ umgeschaltet. In dieser Stellung lässt sich der Schlüssel am Regalbediengerät nicht abziehen. Somit stehen nun beide Schlüsselschalter – am Bedienpanel und am Regalbediengerät – auf der Betriebsart „Handsteuerung“ und die Anlage ist bereit, mit der Starteinrichtung am Regalbediengerät gestartet zu werden.

Für die Rückkehr zur Betriebsart „Automatik“ müssen die beschriebenen Schritte in umgekehrter Weise erfolgen: den Schlüssel am Regalbediengerät auf „Automatik“ drehen und abziehen, die Zugangstür mit der Multifunctional Gate Box schließen sowie abschließend den Schlüssel in den Schlüsselschalter des Steuerstands stecken und diesen auf die Betriebsart „Automatik“ stellen.

Und wie sieht es eigentlich mit der Sicherheit aus?

Die EN 528:2008 fordert für eine Reihe von sicherheitsbezogenen Teilen und Sicherheitsfunktionen einen Performance Level (PL) nach EN ISO 13849-1. Unter anderem für

  • Umschalten der Betriebsart (Betriebsartenwahlschalter): PL c auf der Ebene der sicherheitsbezogenen Teile;
  • Funktion zur Überwachung des Zugangs durch die Schutztür: PL b;
  • Stoppfunktion: PL d

auf der Ebene der Sicherheitsfunktionen. Grundsätzlich muss die Bewertung der vollständigen Sicherheitskette bis hin zur sicheren Abschaltung des Regalbediengeräts durch den Konstrukteur durchgeführt werden.

Beim Umschalten der Betriebsart wird von einer Sicherheitseinrichtung auf eine andere umgeschaltet und Sicherheitsfunktionen können deaktiviert und stattdessen andere aktiviert werden. Da durch eine fehlerhafte und unsachgemäße Umschaltung Risiken für einen Bediener entstehen können, muss die Betriebsartenwahl einen Performance Level nach EN ISO 13849-1 entsprechend der Risikobeurteilung der Maschine/Anlage erfüllen.

Für die geforderte Bewertung müssen die gesamte Umschaltung und alle daran beteiligten Komponenten einbezogen werden. Wird indes der Betriebsartenwechsel wie hier beschrieben umgesetzt, sind die normativen Vorgaben eingehalten und die Erfüllung der damit verbundenen Anforderungen ist gewährleistet.

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Die Starteinrichtung als sicherheitsbezogenes Teil und die Zugangsüberwachung als Sicherheitsfunktion muss der Konstrukteur bewerten.

Die Steuerung muss sicherstellen, dass die Anlage zum Stillstand kommt, sobald der Schlüsselschalter am Bedienpanel in die Stellung „Handsteuerung“ gedreht wird. Spätestens beim Öffnen der Zuhaltung an der Schutztür muss eine Stoppfunktion ausgeführt werden. ■

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Transpondertechnik
Multifunctional Gate Box

Die Multifunctional Gate Box (MGB) ist ein modulares Sicherheitssystem, basierend auf der Transpondertechnologie für die Absicherung von Schutzeinrichtungen. Es besteht aus einem Griffmodul und einem Zuhaltemodul, in dem Funktionen wie Verriegelung, Zuhaltung und Fluchtentriegelung integriert sind.

Aufgrund des modularen Aufbaus lassen sich weitere Funktionen und Taster, zum Beispiel Schlüsselschalter, Tasten für Start, Stopp oder Not-Halt, ganz nach den Bedürfnissen ergänzen. Somit können alle benötigten Funktionen an der Schutztür in der MGB integriert werden und müssen nicht separat montiert und verdrahtet werden. Die MGB ist mit einem sehr robusten, industrietauglichen Gehäuse ausgestattet und verfügt über einen integrierten Türanschlag aus Metall sowie eine integrierte Montageplatte. Die Montage kann an links und rechts angeschlagenen Türen sowie an Schiebetüren erfolgen. Die Zuhaltekraft von 2000 N verhindert wirkungsvoll ein unbeabsichtigtes Öffnen der Schutzeinrichtung. Neben der Standardversion sind auch Ausführungen für den Einsatz bei Profinet/Profisafe sowie Ethernet/IP vorhanden. Alle Produkte der Baureihe MGB erfüllen die Anforderungen aller relevanten Normen, wie zum Beispiel der EN ISO 13849-1 und der EN ISO 14119.

* Vanessa Lagnach ist Gruppenleiterin Marketing bei der Euchner GmbH + Co. KG in 70771 Leinfelden-Echterdingen, Tel. (07 11) 75 97-0, info@euchner.de

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