Logistikzentrum Effizienzsteigerungsprogramm führt zum Neubau

Autor / Redakteur: Markus Schneider / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

EBM-Papst baut an seinem Standort Landshut gegenwärtig ein neues Logistikzentrum. Der logistische Aufwand durch den Neubau lässt sich nach Berechnungen des Kompetenzzentrums Pull (Produktion und Logistik Landshut) um bis zu 40 % reduzieren. Das Hochregallager wird von SSI Schäfer projektiert.

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Aus der Zusammenarbeit zwischen EBM-Papst Landshut und dem Kompetenzzentrum Pull resultiert der Bau eines neuen Logistikzentrums.
Aus der Zusammenarbeit zwischen EBM-Papst Landshut und dem Kompetenzzentrum Pull resultiert der Bau eines neuen Logistikzentrums.
(Bild: Pull)

Im Oktober 2010 startete die Zusammenarbeit zwischen dem Kompetenzzentrum Pull (Produktion und Logistik Landshut) und der EBM-Papst Landshut GmbH. Im Rahmen des Effizienzsteigerungsprogramms „Fabrik 2012“ wurden die gesamten logistischen Abläufe im Werk unter die Lupe genommen. Ziel des Projektes war es, sowohl die Werksstruktur als auch die logistischen Abläufe für die kommenden Jahre neu zu definieren.

Wertstromanalysen für Produkte mit hohem Volumen und Umsatz

Dazu wurden zunächst die einzelnen Produkte analysiert und Produktsegmenten zugeordnet. Für die umsatz- beziehungsweise volumenstarken Segmente führte das Kompetenzzentrum Pull gemeinsam mit den Mitarbeitern vor Ort Wertstromanalysen durch, um schnell einen Überblick über die Prozessabläufe zu erhalten. Parallel dazu startete die Analyse der aktuellen Werksstruktur mit der Aufnahme der bestehenden Flächenbedarfe sowie der vorhandenen Materialflussbeziehungen und deren Häufigkeit. Bei der Auswertung der vorhandenen Materialflüsse ergab sich aufgrund von gewachsenen Strukturen wie auch wegen der baulichen Situation ein insgesamt sehr hoher logistischer Aufwand.

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Unter Berücksichtigung der Wachstumspläne für die einzelnen Produktsegmente der EBM-Papst Landshut GmbH konnte dieses Bild in die Zukunft projiziert werden. Dies zeigte auf, wie stark der logistische Aufwand mit den bestehenden Strukturen in Zukunft noch weiter ansteigen würde und stellte die spätere Vergleichbarkeit mit dem entwickelten Konzept sicher.

Software zeigt Materialflüsse detailliert auf

Mit der ermittelten Datengrundlage, die im Laufe des Projektes vom Auftraggeber kontinuierlich weiterentwickelt wurde, konnte das Kompetenzzentrum Pull mit der Erstellung der ersten Grobkonzepte beginnen. Dazu wurde die komplette Werksstruktur in der digitalen Layoutplanungssoftware Vis-Table-Touch abgebildet. Der Einsatz der Software ermöglicht die Visualisierung von Materialflüssen mithilfe von Sankey-Diagrammen und die Unterstützung der Anordnungsoptimierung durch mehrere Planungsalgorithmen. Zudem berechnet das Programm für die entwickelte Variante den Transportaufwand, der im Wesentlichen aus der Anordnung der Flächen resultiert.

Die Grobkonzeptvarianten wurden in gemeinsamen Workshops diskutiert. Die Workshops fanden sowohl bei EBM-Papst als auch im Pull-Planungszentrum der Hochschule statt. Durch die aktive Beteiligung aller Entscheidungs- und Kompetenzträger konnte ein partizipativer Planungsansatz umgesetzt werden. Dieser Ansatz ermöglichte eine erhebliche Verkürzung der Planungszeit bei gleichzeitiger Verbesserung der Planungsqualität. Zudem trägt die Beteiligung der später betroffenen Personen zur Akzeptanz der Ergebnisse bei.

Logistischer Aufwand lässt sich um circa 40 % reduzieren

Das aus dem Grobkonzept abgeleitete, umsetzungsfähige Detailkonzept ergab eine Reduzierung des logistischen Aufwandes um circa 40 %. Zudem kristallisierte sich heraus, dass für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Flächenbedarf am Werksgelände in der Hofmark-Aich-Straße nicht ausreichen würde. Diese Erkenntnis gab den Anstoß für den Bau eines neuen Logistikzentrums. Was vor circa 18 Monaten mit einem Effizienzsteigerungsprogramm in Kooperation mit der Hochschule Landshut gestartet wurde, endet jetzt mit einem Neubau.

Das neue, vollständig automatisierte Hochregallager-System der Firma SSI Schäfer verfügt über circa 15.000 Palettenstellplätze und hat eine Höhe von 26 m auf einer Grundfläche von 110 m × 23 m. Mit dem Neubau eines Logistikzentrums im Landshuter Gewerbegebiet Münchnerau gewinnt EBM-Papst Landshut am Werksgelände zusätzliche 1400 m² und reduziert zudem den logistischen Aufwand noch weiter. Im Frühjahr 2013 soll das neue Logistikzentrum, in welches der Landshuter Motoren- und Ventilatorenhersteller 11,5 Mio. Euro investiert, eröffnet werden.

Know-how und praxisnahe Beratung steigern Wettbewerbsfähigkeit

EBM-Papst-Geschäftsführer Stefan Brandl zeigt sich hochzufrieden über die Arbeit mit der Hochschule Landshut. Seinen Worten zufolge hat die Unterstützung durch die Methoden und modernen Planungswerkzeuge des Kompetenzzentrums Pull das Know-how von EBM-Papst ideal ergänzt. Brandl freut sich auf eine weitere Zusammenarbeit. Das Projekt mit EBM-Papst zeigt, dass die Fachhochschule Landshut nicht nur in den Bereichen Lehre und Forschung erfolgreich ist, sondern die Unternehmen der Region auch mit praxisnaher Beratung unterstützt und deren Wettbewerbsfähigkeit mit ihrem Know-how steigert.

* Prof. Dr. Markus Schneider ist Leiter des Kompetenzzentrums Pull an der FH Landshut in 84036 Landshut

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