Lagertrends

Ein Jahr des Übergangs – Logistik in der produzierenden Industrie

| Autor / Redakteur: Robert Weber / Robert Weber

Gildemeister investierte 2012 in seine Prozesse und unterstrich damit die Bedeutung der Logistik im Konzern.
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Gildemeister investierte 2012 in seine Prozesse und unterstrich damit die Bedeutung der Logistik im Konzern. (Bild: Weber)

Auf die Logistik warten 2013 viele Herausforderungen. Einerseits die sich abkühlende Konjunktur und die damit verbundene Diskussion um Bestände – und andererseits: Wie reagiert die Branche auf die Industrie 4.0? Wir blicken zurück auf 2012 und wagen gleichzeitig eine Prognose für das kommende Jahr.

Rüdiger Kapitza steht umringt von Fachjournalisten und Hörfunkreportern inmitten des neuen Forschungsbereichs von Deckel Maho in Seebach. Sogar der MDR ist da. Die Fragen prasseln auf ihn nieder und der Ostwestfale beantwortet sie: Kurzarbeit? Kein Thema. Auftragsbücher? Voll.

Gildemeister kann mit besserem Materialfluss die Durchlaufzeit halbieren

Doch viel lieber will der Vorstandsvorsitzende von Gildemeister jetzt los, will den Gästen die Zukunft der Produktion, des Materialflusses von Werkzeugmaschinen zeigen, so wie es sich zumindest die Bielefelder vorstellen. Gildemeister setzt auf die Nestmontage. Das bedeutet: Vier Mitarbeiter arbeiten an drei Standplätzen und können sich so auch gegenseitig unterstützen. Dadurch könne man Materialflüsse besser organisieren und durchgehende Prozesse schaffen. Deckel Maho konnte durch das neue Montagekonzept die Durchlaufzeit bereits halbieren.

Rund 18 Mio. Euro flossen in Entwicklung, Montage und Logistik in Thüringen. Nach einem Jahr Bauzeit steht der neue Gebäudekomplex mit 10.500 m² und einem Hochregal am Hang und der Vorstand ist stolz. Das Beispiel Gildemeister verdeutlicht: Trotz E-Commerce-Boom, auch in der produzierenden Industrie, waren 2012 neue Materialflusskonzepte und Logistikrezepte gefragt. Zugegeben – Amazon und Co. waren die Megaprojekte der Intralogistiker 2012, aber auch die Anlagen- und Maschinenbauer haben in Logistikimmobilien investiert. Konnte nach dem Einbruch von 2009 das Neubauvolumen 2011 bereits deutlich zulegen, liegt die Bautätigkeit jetzt wieder bei über 65.000 m² pro Jahr. Jüngstes Beispiel: eben Gildemeister.

Nach der Krise stecken die Logistiker wieder zurück

Dazu kommt: Ein Großteil der produzierenden Industrie hat in der letzten Krise die Logistik und den Materialfluss für sich wieder entdeckt, wenn denn genügend Logistiker und Supply-Chain-Manager an Bord waren – der Fachkräftemangel schlägt voll durch. Prozessexperten sind Mangelware, vor allem für kleine Unternehmen. Die Vorstände und Geschäftsführer wissen aber: Wer Bestände minimieren und die Wertschöpfungsketten stabil halten kann, ist und bleibt wettbewerbsfähig. Deshalb war 2012 ein Jahr des Übergangs, der Konsolidierung im Lager, ein Jahr ohne die ganz großen Pläne, Strategien und Visionen für den Warenfluss – der Vertrieb stand im Fokus, vor allem zum Ende des Jahres. Im kommenden Jahr könnte das schon wieder ganz anders sein, denn die Logistiker im Unternehmen werden oft erst dann wahrgenommen, wenn die Krise an das Firmentor klopft.

Ein anderer Besucher im nächsten Jahr werden sicher die Gewerkschaften sein. Allen voran die IG Metall. Anfang 2012 starteten die Metaller ihr Engagement bei den Logistikdienstleistern in der Automobilindustrie. Für die Gewerkschaft steht fest: „Die Automobilindustrie ist der gravierendste Ansatzpunkt.“ Mittelfristig werden auch Logistikdienstleister im Anlagen- und Maschinenbau oder in der Elektroindustrie in den Fokus der Gewerkschaft rücken. Das Ergebnis: Die Logistik könnte teurer werden.

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