Hausmesse

Ein Roadster stiehlt allen die Show

| Autor: Bernd Maienschein

Tobias Zierhut (Mitte), Head of Product & Service Marketing bei Linde Material Handling, erklärt die Retrofit-Kits, mit denen auch bestehende Staplerflotten bis zu einem gewissen Grad „aufgemotzt“ werden können.
Tobias Zierhut (Mitte), Head of Product & Service Marketing bei Linde Material Handling, erklärt die Retrofit-Kits, mit denen auch bestehende Staplerflotten bis zu einem gewissen Grad „aufgemotzt“ werden können. (Bild: Maienschein)

85 Baureihen, 250 Gerätetypen, 6000 verschiedene Optionen – es wäre zu einfach, den Flurförderzeug-Hersteller Linde Material Handling auf diese Kennzahlen zu reduzieren. Dass Europas Marktführer weitaus mehr zu bieten hat, zeigt er auf der World of Material Handling im Mai 2016 in Offenbach. Eine Gabelstapler-Hausmesse der Extraklasse.

Sicher zu sein, heißt, gesehen zu werden. Auf diese einfache Formel bringt es ein Werbemittel mit Jalousieeffekt im DIN-A5-Format von Linde Material Handling (Linde-MH), das Besuchern der World of Material Handling beim Betreten der Messelocation ausgehändigt wird. Es zeigt für jeden anschaulich den Unterschied für Staplerfahrer zwischen dem Blick aus der Kabine mit der und dem ohne die aus dem Automobilbau bekannte A-Säule vorn am Stapler. Fahrer des brandneuen „Revolutionary Roadster“ (RR) haben dank oben liegender Neigezylinder und der Montage des Hubmastes direkt am Fahrerschutzdach nur noch den Mast vor sich. Als erster Journalist durfte ich den „Roadster“ in Offenbach fahren – und das gleich auf Zeit. Anfangs ein bisschen nervös angesichts der Zuschauer, habe ich die fünf Paletten mit jeweils einer Box obenauf einigermaßen ordentlich und „in time“ aufgestapelt, hat man mir im Anschluss versichert. Dass die A-Säule komplett fehlte, ist mir in der ganzen Aufregung des Testparcours gar nicht aufgefallen.

Konnektivität ist der Schlüssel

Am Vortag hatte Andreas Krinninger, CFO und seit Anfang 2016 auch Vorsitzender der Geschäftsführung bei Linde Material Handling, in der Auftaktpressekonferenz der WOMH vier grundlegende Trends in der Intralogistik skizziert: Automatisierung, Individualisierung, Digitalisierung und Energiesysteme – um diese Themen drehe es sich in der nächsten Zeit und sie würden die „Logistics 4.0“ ausmachen. Dabei will Krinninger Europas größten Staplerbauer stärker in Richtung Systemlösungen lenken. Er prognostiziert, dass sich der Onlinehandel in den nächsten fünf Jahren verdoppeln wird, die Logistikketten würden immer kleinteiliger und dabei komplexer.

Christophe Lautray, Chief Sales Officer bei Linde-MH, lenkt die Aufmerksamkeit der Journalisten auf den diesjährigen Slogan der World of Material Handling: „Linked Perspectives“ lautet er und soll demonstrieren, dass „der Schlüssel zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Staplern und ganzer Flotten die Konnektivität ist“. Man könne frühzeitig Abnutzung und Beschädigungen erkennen, ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang, und vermeiden, dass es zu teuren Ausfällen komme. Lautray verweist auf die stetig zunehmende Anzahl von Produkten im Linde-Portfolio, die ihre Last automatisch fahren, heben und senken. Dabei sei die Lithium-Ionen-Technik der Brennstoffzelle immer noch einen Schritt voraus. Aber Linde forscht auch in diese Richtung und „Wasserstoff hat jetzt schon hier und da seine Vorteile“.

100-Tage-Geld-zurück-Garantie

Ein wahres Produktfeuerwerk brennt Massimiliano Sammartano ab, Vice President Sales and Services Marketing & Operations beim Aschaffenburger Staplerbauer. An erster Stelle nennt er den Elektro-Gegengewichtsstapler „Roadster“, dessen A-Säule man weggelassen habe. Das biete nur Linde Material Handling. Linde Safety Pilot, ein System, das Fahrer vor Fahrfehlern schützt, gibt es jetzt auch für die Diesel- und Treibgasstapler der Marke und heißt dort Linde Safety Pilot IC trucks. Bald soll die Sicherheitseinrichtung auch für Hochhubstapler verfügbar sein. Und Linde gibt ein besonderes Schmankerl obendrauf: die 100-Tage-Geld-zurück-Garantie für unzufriedene Kunden, mit denen das Unternehmen wohl nicht rechnet. Sammartano verweist außerdem auf die ersten drei- und vierrädrigen Lithium-Ionen-Stapler, die zeitgleich mit der WOMH am Markt eingeführt werden.

Außer den fünf neuen Fahrerstand-Hubwagen und Doppelstöckern, dem Factory Train 500, einem neuen Order-Picker und einem neuen K-Matic-Schmalgangstapler, den man zusammen mit Balyo entwickelt hat, bietet Linde aber auch jede Menge Rüstzeug in Sachen Connectivity. Per Mobile App für Service-Manager beispielsweise kann ein Kunde über sein Smartphone eine Serviceanfrage auslösen, die Pre-Operational Check App überprüft die Gerätefunktionen, bevor der Fahrer überhaupt erst losfahren kann. Beim Umgang mit der „Connect“-Datenbank wählt der Kunde die bevorzugte Übertragungsart seiner Daten.

Li-Ion-Technik hat die Nase vorn

Patrick Ebert, der das Produktmarketing leitet, gibt während des Presserundgangs einiges zum Thema „Energie“ zum besten. In erster Linie wird dabei die Brennstoffzelle gezeigt, Erfahrungen hat man mittlerweile mit Anwendungen bei Mercedes und BMW sammeln können. Klarer Vorteil der Technik gegenüber beispielsweise der Lithium-Ionen-Technik: In drei Minuten ist der Stapler betankt. Technologisch habe man die Technik im Griff, in Sachen Wirtschaftlichkeit müsse man aber „noch schauen“. Deshalb sieht man bei Linde Material Handling die Lithium-Ionen-Technik mittelfristig vorn. Ab sofort bietet Eberts Arbeitgeber Gegengewichtsstapler in 48-V-Technik an, die gerade im Zwei- und Dreischichtbetrieb punkten können. Ebert hebt das dreistufige Sicherheitslevel seiner Stapler hervor: Level 1 liegt auf Zellebene, wo die gleichen Samsung-Zellen wie im i3 und i8 von BMW eingesetzt werden. Level 2 bezieht sich auf die Kommunikation zwischen Stapler und Batterie. Auf Level 3 schließlich wird die Batterie in einen 25 mm starken Stahltrog eingepackt. ■

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