Flurförderzeuge Einsparpotenziale durch Reifenoptimierung

Redakteur: Volker Unruh

Das Forschungsprojekt Innorad bringt Flurförderzeuge länger ins Rollen. Neue Werkstoffe, Fertigungsverfahren und Radkonstruktionen sollen die Radtechnologie zukunftsträchtiger machen und die laufenden Kosten der Betreiber senken.

Firmen zum Thema

Das Forschungsprojekt Innorad geht den vielfältigen Belastungen, denen Räder und Rollen von Flurförderzeugen ausgesetzt sind, systematisch auf den Grund.Bilder: Still
Das Forschungsprojekt Innorad geht den vielfältigen Belastungen, denen Räder und Rollen von Flurförderzeugen ausgesetzt sind, systematisch auf den Grund.Bilder: Still
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Minimierung der Total Cost of Ownership (TCO) von Flurförderzeugen ist im Interesse jedes Intralogistikers. Der Ersatz verschlissener Räder und Rollen bei Flurförderzeugen kostet Industrie und Handel in Deutschland alljährlich rund 118 Mio. Euro. Zudem muss in diesem Zusammenhang jedes Jahr eine Abfallmenge von nahezu 17000 t entsorgt werden. Was Rädern und Rollen zusetzt, sind normaler Reibverschleiß, thermische Überlastungen durch Reibungshitze und schlagartige Stöße.

Mit dem Forschungsprojekt Innorad sollen Einsparmöglichkeiten zugunsten der Betreiber von Flurförderzeugen ausgelotet werden. Das Ziel: Neue Werkstoffe, Fertigungsverfahren und Radkonstruktionen sollen die Radtechnologie bei Flurförderzeugen zukunftsträchtig sowie Räder und Rollen langlebiger machen. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag, um die laufenden Kosten, den TCO, von Flurförderzeugen zu vermindern.

Das Verbundprojekt wurde Mitte 2006 ins Leben gerufen. Unter der Konsortialführung und Projektkoordination der Kion-Gruppe ist auch deren Premiummarke Still als Forschungs- und Entwicklungspartner an Innorad beteiligt. Außerdem engagieren sich die Jungheinrich AG, die Räder- und Rollenhersteller Räder-Vogel GmbH und Wicke GmbH, der Kunststoffhersteller Bayer Material Science AG und die Robert Bosch GmbH als Anwender.

Die wissenschaftliche Begleitung von Innorad liegt in den Händen des Instituts für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart und beim Lehrstuhl für Maschinenelemente und technische Logistik der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Ganzheitlicher Ansatzes für das System Rad/Laufrolle in Flurförderzeugen uf der Agenda

Laut Maik Manthey, Projektkoordinator Innorad und Leiter Innovationsmanagement bei der Kion-Gruppe, gab es bisher keine wissenschaftlich nachvollziehbaren Verfahren zum Thema Radlebensdauer in der Intralogistik. Das Forschungsprojekt soll mit Hilfe eines ganzheitlichen Ansatzes für das System Rad/Laufrolle in Flurförderzeugen innovative Lösungsansätze finden. Zielkonflikte wie zwischen der Lebensdauer des Rades und des Fußbodenbelags müssten dabei überwunden werden, stellt Manthey heraus. Ansätze für eine Optimierung sieht er genug, etwa durch eine Variation der Felgen- und Bandagengeometrie, der Lagerung, der Radaufhängung, der Werkstoffe oder Fertigungsverfahren.

Dafür sollen reproduzierbare Auslegungs-, Berechnungs- und Testverfahren für verschiedene Einsatzzwecke entwickelt werden. Manthey: „Wir wollen die Lebensdauer der Bauelemente Rad und Laufrolle bei gleichen Produktionskosten um mindestens 20% verlängern, indem auftretender Verschleiß und schlagartige Zerstörung reduziert werden.“ Dabei spielt eine wissenschaftliche Analyse von Still eine zentrale Rolle: sie erfasste den Ist-Zustand der Räder-Lebensdauer. Außerdem wurden aufgetretene Radschäden unter verschiedenen Einsatz- und Belastungsszenarien betrachtet.

Optimierung des Belagmaterials der Felgenkörper

Eine große Rolle bei der Kostenreduktion spielt auch die Optimierung des Belagmaterials der Felgenkörper bei Flurförderzeugen. So ist bei Lagertechnikgeräten Gummi nicht anwendbar. Dort kommt als Belagmaterial der Felgenkörper meist der Kunststoff Vulkollan zum Einsatz. Laut Manthey ist der Kunststoff ein Kompromiss zwischen Dämpfung und Lebensdauer. Denn Vulkollan haftet nicht direkt auf dem Stahlkörper der Felge, sondern nur mit Hilfe eines Haftvermittler-Sprays.

Der Kunststoff klebt am Spray, das wiederum am Felgenkörper haftet. Bayer ist heute jedoch in der Lage, ein neues Vulkollan mit verbesserten thermischen Eigenschaften zu entwickeln. Wenn dieser Vermittler optimiert und in die Praxis überführt werden kann, so Manthey, würde der wirtschaftliche Erfolg in der Logistik folgen.

Das Projekt Innorad teilt sich in mehrere Projektphasen auf: Analyse, Modellbildung, Entwicklung, Verbreitung der Ergebnisse und Transfer des Know-hows auf andere Bereiche. Die Analysephase ist bereits abgeschlossen.

(ID:240899)