Barcode-Etikettierung Elektronisch lesbare Auszeichnungen machen hochwertige Automotive-Produkte sichtbar

Autor / Redakteur: Stefan Gerats / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Rückverfolgbarkeit von Produktchargen ist in der Autoindustrie unverzichtbar, um teure Rückrufaktionen zu vermeiden. Die Gerhardi Kunststofftechnik GmbH hat ihre Warenfluss- und Bestandskontrolle so weit verfeinert, dass sie Material vom Eingang bis zur Lkw-Ladekante jederzeit lokalisieren kann. Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Warenauszeichnung mit Hilfe von Barcodeetiketten-Druckern.

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Gerhardi-Produkte begegnen einem immer dann, wenn man in ausgewählte Modelle von Audi, BMW, Daimler-Chrysler, Saab, Volvo oder Volkswagen einsteigt: Mit rund 660 Mitarbeitern fertigt das Unternehmen in seinem Stammhaus im nordrhein-westfälischen Lüdenscheid und in den Werken in Ibbenbüren und Werdohl Interieur- und Exterieurteile für Fahrzeuge an – vom verchromten Kühlergrill bis zur Einstieg-Zierleiste. Dabei kommen eine der modernsten Flächenlackieranlagen in Europa, über 40 Spritzgussmaschinen mit einer Schließkraft von 80 bis 2300 t und drei computergestützte Galvanik-Linien rund um die Uhr zum Einsatz.

Rund 2000 Behälter mit fertigen Produkten verlassen täglich allein das Lager in Ibbenbüren. Doch gerade bei den Lagerbuchungen sah Gerhardi angesichts der hohen Ansprüche seiner Kunden Verbesserungspotenzial: Mit einer eindeutigen, unverwechselbaren Behälterkennzeichnung sollte die Chargenverfolgung erleichtert und die Basis geschaffen werden, um auf eine chaotische Lagerführung beziehungsweise eine lagerplatz- und behälterorientierte Lagerung umzustellen.

Damit würde sich sicherstellen lassen, dass Behälter ohne Verwechslungen befüllt werden und die Versandabwicklung schneller durchlaufen können. Positiver Nebeneffekt für Gerhardi: Durch eine einfachere Standortbestimmung aller Waren würde der Automobilzulieferer mit nur einer Inventur pro Jahr auskommen und eine verlässlichere Dispositionsgrundlage für die Produktionsplanung haben.

Fraunhofer-Institut bietet Hilfe

Diplom-Informatiker Peter Löffler ist bei Gerhardi zuständig für die zentralen Anwendungen. Er erhielt die Aufgabe, den Warenfluss und die Bestandskontrolle mit Hilfe von Ident-Technologie zu optimieren. Dazu wurde zunächst eine Ist-Soll-Bestimmung in den drei Bereichen Produktion, Lager und Versand vorgenommen, um Kosten und Nutzen eines solchen Projekts abwägen zu können. Fachliche Unterstützung erhielt Gerhardi dabei vom Fraunhofer-Institut.

Der Schlüssel für mehr Transparenz im Warenfluss: Jeder Behälter muss unmittelbar am Ort der ersten Befüllung ausgezeichnet werden. Die grundsätzlichen Informationen für eine solche Kennzeichnung hatte Gerhardi durch den Einsatz des speziell für die Automobil-Zuliefererindustrie entwickelten ERP-Systems Infor XPPS bereits parat. Laut Löffler war der entscheidende Faktor die Möglichkeit, direkt am Stapler mobil Informationen ausdrucken zu können.

Robuste Winzlinge für den mobilen Einsatz

Bei der folgenden Marktrecherche unter Druckeranbietern waren zwei Kriterien ausschlaggebend: Die Printer mussten den rauen Einsatzbedingungen auf den Staplerfahrzeugen gewachsen und gleichzeitig so klein sein, dass sie den Fahrer nicht behindern. Zudem wollte Gerhardi ein Modell, das bereits auf breiter Basis in der Industrie zum Einsatz kommt und dadurch für wirtschaftliche Stabilität und langfristige Unterstützung durch den Hersteller steht.

Die Empfehlung eines Partners machte Gerhardi auf die Drucker von Zebra Technologies aufmerksam: Die mobilen QL-Drucker sind eigens für den Einsatz in Lagern konstruiert und lassen sich über WLAN, Bluetooth oder IrDA vernetzen. Da Gerhardi bereits 18 Access-Points auf dem Ibbenbürener Werksgelände installiert hatte, die einen Funkzugriff auf das Firmennetzwerk ermöglichen, bot sich hier die Möglichkeit, die neuen Drucker drahtlos anzusprechen.

Gerhardi entschied sich für zwei Zebra-Modelle: Der QL 420 (Bild 1) mit 4 Inch Druckbreite liefert Ausdrucke mit Wareneingangsinformationen und Prüfmerkmalen. Bei Gerhardi gefertigte Artikel erhalten einen schmaleren Ausdruck aus dem QL 220, der eine Kurzversion der Fertigungsinformationen enthält (Bild 2). Insgesamt schaffte Gerhardi zehn Drucker für das Ibbenbürener Werk an, das als Pilot für die anderen Standorte gilt.

Qualität der Zebra-Hardware überzeugte

Nach dem ersten Einsatz war Löffler von der Qualität der Zebra-Hardware überzeugt. Auch die Thermodirekt-Technologie stellte sich als gute Entscheidung heraus: Die Gerhardi-Mitarbeiter können den QL 420 und den QL 220 nutzen, ohne sich um den Wechsel von Farbbändern kümmern zu müssen.

Bei Einführung musste Gerhardi eine kleine Hürde nehmen: Zuvor waren stationäre Drucker in den Lagerbereichen im Einsatz, die über einen Druckgenerator der Firma Intermate angesprochen wurden, der seinerseits mit Informationen aus dem ERP-System für das richtige Layout der Formulare sorgte. Für die Ansteuerung der Zebra-Drucker aus der eingesetzten AS/400 heraus musste die Firma Intermate einen neuen Druckertreiber entwickeln.

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Gerhardi hat mit den Zebra-Druckern in Kombination mit den mobilen Terminals und Scannern jetzt die Hardware, um die Materialien in behälterorientierten Lagern mit Hilfe des XPPS-Systems zu verwalten. Das Material wird am Wareneingang erfasst und geprüft. Für Behälter mit Rohstoffen wird mit den Zebra-Druckern ein Etikett erstellt. Das ERP-System schlägt einen freien Lagerplatz vor und gibt Material nach dem First-In-First-Out-(Fifo-)Prinzip an die Produktion aus. Bei Zukaufteilen wird ähnlich verfahren.

Material wird automatisch richtig zugeordnet

Vom Zukaufteilelager werden die Behälter in das WIP-(Work-in-Process-)Lager überführt, wobei die Chargenzuordnung erhalten bleibt. Auch hier erfolgt die Abbuchung nach dem Fifo-Prinzip. Eigenfertigungsteile gelangen in ein konventionelles Pufferlager. Per Stapler werden die Teile von dort ins Versandlager transportiert – dazu wird zuvor wiederum ein Behälteretikett erstellt und angebracht. Materialeinsatz-Chargen werden dem Eigenfertigungsteil automatisch zugeordnet.

Für das Ibbenbürener Werk bedeutet diese Transparenz auch Mehrarbeit. Wo früher von einer Palette Zukaufteile mit einem Schlag 3000 Einheiten zugebucht wurden, muss heute jeder einzelne Behälter mit einem Aufkleber versehen werden. Das Gleiche gilt für die Erstellung von Teilen: Um einen Behälter zu erfassen, muss der Gerhardi-Mitarbeiter die Warenbegleitkarte scannen, ein neues Behälteretikett drucken und in die Begleittasche am Behälter packen.

Die Vorteile werden sichtbar, wenn man die gesamte Lagerführung betrachtet: Dank der durchgängigen Kennzeichnung gibt es jetzt nur noch eine Jahresinventur, die innerhalb von Stunden statt zuvor in drei Tagen abgeschlossen werden kann. Das bedingt auch, dass die Bestellung von Material viel exakter geplant und rechtzeitig weitergegeben werden kann. Zudem gibt es keine Zweifel mehr bei der Chargenverfolgung – ein entscheidendes Wettbewerbskriterium im Umgang mit den anspruchsvollen Kunden im Automobilumfeld.MM

Stefan Gerats ist Sales Manager Central Europe bei Zebra Technologies Europe Ltd., 40670 Meerbusch

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