Forschung

Emissionen im Güterverkehr messen

| Redakteur: Simone Käfer

Gütertransportketten beinhalten verschiedene Abschnitte. Dabei ist es noch schwierig, die Energieverbräuche aus den einzelnen Abschnitten zusammenzuführen und die Emissionen der gesamten Kette zu berechnen.
Gütertransportketten beinhalten verschiedene Abschnitte. Dabei ist es noch schwierig, die Energieverbräuche aus den einzelnen Abschnitten zusammenzuführen und die Emissionen der gesamten Kette zu berechnen. (Bild: Sophie Punte, SFC)

Verkehrsforscher verbessern Instrument zur Berechnung von Emissionen im Güterverkehr. Die Ergebnisse fließen in eine ISO-Norm ein.

Eine verbindliche, internationale Norm zum Verringern von Treibhausgasen existiert noch nicht. In dem Projekt Learn (Logistics Emission Accounting & Reduction Network) haben Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) mit elf europäischen Institutionen und Unternehmen an der Weiterentwicklung eines Werkzeugs gearbeitet, des Global Logistics Emission Council (GLEC-)Frameworks. Ein Ergebnis von Learn war, das Instrument so weiter zu optimieren, dass das GLEC-Framework in eine allgemeingültige ISO-Norm überführt werden kann.

Bereits 2015 analysierten die DLR-Forscher gemeinsam mit europäischen Partnern im Rahmen des Projekts Cofret bestehende Ansätze und Instrumente zur Emissionsberechnung. Cofret bildete eine Grundlage für die Entwicklung des GLEC-Frameworks for Logistics Emissions Methodologies. „Das GLEC-Framework ist das erste Dokument, das wirklich international anwendbar ist und alle Transportmodi sowie logistischen Knoten für die Berechnung von Emissionen abbildet”, sagt Dr. Verena Ehrler, die Projektleiterin vom DLR-Institut für Verkehrsforschung.

Während der Projektlaufzeit von Learn von Oktober 2016 bis Februar 2019 wurde das GLEC-Framework zunächst in Pilotstudien mit Industriepartnern getestet. Das Team der DLR-Forscher leitete dabei die Entwicklung eines Leitfadens, der notwendige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten für die zukünftige Standardisierung zusammenfasst.

Das Problem: Harmonisierung und Vereinheitlichung der Daten

Nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen fehlt es bislang noch an einheitlichen Richtlinien für den Datenaustausch. Es ist oft schwierig bis unmöglich, die Energieverbräuche aus den einzelnen Abschnitten einer Transportkette zusammenzuführen, denn weder für die Häufigkeit, noch für das Datenformat gibt es eindeutige Vorgaben. Darüber hinaus fehlen auch die notwendigen Schnittstellen für IT-Werkzeuge zur Datenübertragung von einem Partner der Transportkette zum nächsten. Hinzukommt, dass die Feinheit der Datenerfassung bei unterschiedlichen Transportmodi harmonisiert werden muss – eine Herausforderung für die Fachleute, da Lieferketten Containerschiffe, Flugzeuge oder auch Lastenräder beinhalten können.

Die Lösung: Das Dokument als Planungsinstrument

Bislang wurde das GLEC-Framework für den alltäglichen Einsatz und nicht als Planungsinstrument für Logistikketten betrachtet. Die DLR-Forscher sehen hierin allerdings großes Potenzial für die Spediteure. Mit einem zertifizierten Instrument, mit dem Emissionen möglichst exakt eingeschätzt werden können, sind sie in der Lage, ihre Transportketten klimafreundlicher zu gestalten und den Ausstoß von Treibhausgasen in Ihre Planungen einfließen zu lassen.

Erweiterung: Auch Digitalisierung produziert Emissionen

Auch neue Themenbereiche wie die Digitalisierung haben Einfluss auf die Emissionen von Gütertransportketten und müssen in deren Berechnung mit aufgenommen werden. „Datenlagerung und Datentransfer, dies alles produziert auch Emissionen”, sagt Ehrler. Je mehr die Digitalisierung voranschreite, desto dringender müssen auch deren Emissionen in die Berechnungen einbezogen werden. Dementsprechend müsse der Rahmen des Instruments weiter gesteckt werden.

Ein wichtiges Ergebnis für die Wissenschaftler war auch die Überführung des Dokuments in eine internationale, verbindlich geltende ISO-Norm, mit deren Nutzung sich die Anwender verpflichten, einen bestimmten Standard einzuhalten. Damit erhalten sowohl Industrieunternehmen als auch Spediteure einen Überblick über die Emissionen verschiedener Transportwege.

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