Internet der Dinge Erleben wir die Revolution der Logistik?

Autor / Redakteur: Werner Rieche / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Lieferverfolgung, Flottenmanagement und effizientere Lieferketten – das Internet der Dinge verspricht viel für Logistikunternehmen. Was Unternehmen beachten müssen.

Firmen zum Thema

Ein Lagermitarbeiter scannt einen Barcode.
Ein Lagermitarbeiter scannt einen Barcode.
(Bild: Thinkstock Photos)

Flugzeuge, Züge, Schiffe und Lkw lassen sich heute bereits in Echtzeit überwachen, ihre Route noch während der Auslieferung dynamisch abändern. Logistikunternehmer, Kunden und Partner gewinnen so mehr Transparenz und Komfort. Dahinter steckt das Internet der Dinge oder Internet of Things (IoT). Dieses Konglomerat aus Sensoren, Maschinen, Netzwerken und Software hilft Unternehmen dabei, Geschäftsprozesse zu verschlanken und zu automatisieren. Sie können ihr Geschäft flexibler gestalten und Auflagen wie die CO2-Deckelung leichter einhalten.

Viele Unternehmen in der Logistikbranche erstellen derzeit Konzepte für entsprechende Anwendungen und Prozesse. Einige sind sogar bereits dabei, das Internet der Dinge aktiv zu nutzen. Ein Beispiel findet sich im Waren- und Paketversand. Hier lässt sich über Sensortechnologien, wie beispielsweise RFID oder Bluetooth, jederzeit die Position der Lieferung nachverfolgen und dem Kunden über ein Online-Portal in Echtzeit anzeigen. In Zukunft könnten Drohnen sogar vollautomatisch die Ware ausliefern. Über GPS- und Höhensensoren, Kameras und Navigationssysteme finden sie selbstständig die Zieladresse, etwa auf Inseln oder anderen abgelegenen Orten.

Sicher unterwegs dank IoT

Ein großes deutsches Logistikunternehmen hat zahlreiche Sensoren an Lkw befestigt, die Geschwindigkeit, Ort und Neigungswinkel des Fahrzeugs in Echtzeit ermitteln. Die Fahrer erhalten auf Basis dieser Daten – ergänzt um Verkehrsinformationen, Wetterdaten oder Treibstoffpreise – aktuelle Empfehlungen zu Fahrweise und Route. Dies erhöht nicht nur die Sicherheit bei schwierigen Strecken, etwa im Gebirge, sondern reduziert auch den Treibstoffverbrauch.

Das Internet der Dinge ermöglicht sogar die Vorhersage von zukünftigen Ereignissen. Im Kontext von Predictive Maintenance, also der vorausschauenden Wartung, werden mittels Sensoren unzählige Informationen gewonnen, die durch Analyse in Echtzeit eine Ermüdung von Material erkennen lassen. Das ermöglicht den Austausch des betroffenen Gerätes noch vor dem eigentlichen Defekt.

Das Internet der Dinge wird oft auf Sensoren beschränkt, dabei spielen die Systeme dahinter eine viel bedeutendere Rolle. Das europäische Forschungsprojekt Synchro-NET leistet hier Pionierarbeit. Insgesamt 19 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern entwickeln eine Plattform zur synchromodalen Optimierung der Logistikprozesse. Die Software AG liefert die Cloud-basierte Architektur und Big-Data-Elemente.

Massive Einsparungen dank Synchromodalität

Die Synchro-NET-Plattform koordiniert Straße, Schiene und Schifffahrt in einem Netzwerk aus Transportmodi und Routen. Dies bricht den klassischen Transportkorridor inter- oder multimodaler Logistik auf und erlaubt niedrigere Kosten, schnellere Umladung und bessere Ressourcennutzung. Die Optimierung der Prozesse berücksichtigt Aspekte wie Slow Steaming (deutlich langsamere Fahrt) und sorgt damit für zuverlässigere Auslieferung bei gleichzeitiger Treibstoffeinsparung. Logistik wird somit nicht nur günstiger, sondern auch grüner.

2019 soll die neue Lieferkette einsatzbereit sein. Auf dem International Logistics and Material Handling Congress 2016 in Barcelona zeigte Synchro-NET bereits die ersten drei Anwender. Dabei zeigte sich auch, dass Slow-Steaming-Konzepte in Kombination mit synchromodaler Logistikoptimierung deutliche Vorteile bringen.

Das Internet der Dinge ist in der Logistik angekommen – die technischen Elemente stehen bereit.
Das Internet der Dinge ist in der Logistik angekommen – die technischen Elemente stehen bereit.
(Bild: © violetkaipa - Fotolia)

Reeder und Logistikunternehmen profitieren von massiver Treibstoffreduzierung um bis zu 25 %, schnellerer Umladung in Häfen und an Bahnhöfen sowie besserer Ressourcennutzung. Knapp ein Drittel (30 %) mehr Verkehr kann von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Kunden haben mehr Kontrolle über ihre Lieferkette, was eine zuverlässigere Nachschuborganisation ermöglicht.

Importeure und Hersteller können ihr Fertigproduktinventar um bis zu 10 % reduzieren. Behörden profitieren dank 12 bis 15 % weniger Lkw-Kilometer vom störungsfreieren Warenfluss durch Kontrollpunkte, weniger Stau auf den Straßen und einer besseren Nutzung der Infrastruktur, was Import- und Exportkontrolle, Polizei und Grenzschutz ebenfalls kosteneffizienter macht.

Integration ist der Schlüssel

Alle drei genannten Beispiele haben gemeinsam, dass verschiedenartige Daten in Echtzeit gesammelt, korreliert und ausgewertet werden, um Entscheidungen schneller zu treffen und Folgeprozesse frühzeitig einzuleiten. Die eigentliche Innovation des Internets der Dinge liegt also in der Integration von Systemen, Anwendungen und Geräten.

Dazu wird eine Integrationsplattform mit unterschiedlichen Technologien und Schnittstellen eingesetzt. In ihr werden auch standardisierte Prozesse festgelegt, die bei einem bestimmten Ereignis ablaufen.

Die Integrationsplattform wird in der Regel mit Echtzeittechnologien wie einer Streaming-Analytics-Plattform verbunden, die auf Basis von Kontextinformationen und aktuellen Ereignissen anhand dynamischer Muster automatisch Entscheidungen trifft und Verantwortliche entsprechend benachrichtigen kann.

Synchromodale Risikoanalyse durch statische Modellierung

Synchromodale Logistikoptimierung in Echtzeit wie beim Beispiel von Synchro-NET benötigt dazu e-Freight-Unterstützung, Slow-Steaming-Schifffahrtssimulation und dazugehörige Kontrollsysteme. Statistische Modellierung sorgt für die synchromodale Risikoanalyse. Hinzu kommt die Grundlage aller Anwendungen im Internet der Dinge: ein universeller Enterprise Service Bus, eine Complex Event Processing Engine für fachliche Rückschlüsse zum Ausgeben von Alarmen und Empfehlungen sowie ein In-Memory Data Management.

Das Internet der Dinge ist in der Logistik angekommen. Die technischen Elemente stehen bereit. Unternehmen können nun von der Konzept- in die Machbarkeitsphase wechseln, inspiriert von einer Zahl an konkreten Beispielen. Dabei sollten sie vor allem auf die Integration aller Elemente achten – dann steht mehr Effizienz, Einsparung und Kundenzufriedenheit nichts mehr im Weg.

Mehr Informationen zum Thema „Big Data“ finden Sie in unserem Beitrag Big Data in der Intralogistik.

* Werner Rieche ist Geschäftsführer der SAG Deutschland GmbH in 64297 Darmstadt, Tel. (0 61 51) 92-31 00, info@softwareag.com

(ID:44399971)