Drohnen Ersetzen Drohnen bald Intralogistiklösungen?

Autor / Redakteur: Klaus-Dieter Rosenbach / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Es summt und surrt, nicht nur in der Natur, sondern auch zunehmend im Lager. Die technische Weiterentwicklung von Drohnen gewinnt an Fahrt, immer mehr Praxistests laufen. Erobern die Fluggeräte also die Intralogistik? Oder noch gewagter: Lösen Drohnen möglicherweise etablierte Intralogistiklösungen ab?

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Intralogistik lebt von innovativen Technologien aus unterschiedlichen Bereichen. Deshalb ist es nur logisch, über den Einsatz von Drohnen nachzudenken.
Intralogistik lebt von innovativen Technologien aus unterschiedlichen Bereichen. Deshalb ist es nur logisch, über den Einsatz von Drohnen nachzudenken.
(Bild: Fraunhofer-IML)

Für einen konkreten Anwendungsfall sind Drohnen keine abstrakte Lösung mehr: Für Inventuren eignen sich die Fluggeräte sehr gut, weil sie autonom und weitestgehend unabhängig vom Lagerbetrieb agieren können. Vor allem, wenn der Bestand in Block- oder Palettenlagern erfasst werden soll, sparen sie Zeit und Aufwand. Die BLG Logistics Group testet erfolgreich Drohnen für die Inventur. Auch das Projekt Inventairy vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik (IML) beschäftigt sich intensiv mit diesem konkreten Einsatzbereich. Die Drohne als „fliegendes Auge“ für die Inventur ist auch deshalb so praktikabel, weil sie für diesen konkreten Einsatzzweck keine Lasten trägt. Das funktioniert natürlich nur, wenn Lager und Lagereinrichtung dafür baulich geeignet sind.

Das deutlich komplexere Feld – und hier kommen wir in den originären Aufgabenbereich der Intralogistik – ist der Materialfluss, das Handling von Waren und Teilen. Vor einiger Zeit war zu lesen, dass Audi in seinem Werk in Ingolstadt bereits im vergangenen Jahr Drohnen zur Fertigungsversorgung getestet hat.

Nur wenig Nutzlast vorstellbar

In puncto Schnelligkeit bei Nachbestellungen für die Produktion schlägt die Drohne Stapler, FTS und Fahrrad. Doch auf der Navigations- und Steuerungsebene gibt es gerade in einer Fertigungshalle zahlreiche Herausforderungen. Hinzu kommt die Nutzlast, die von der Drohne bewegt werden kann. Im Kleinteilebereich schaffen Drohnen heute durchaus ein Gewicht von bis zu 2 kg. Wir sprechen hier in der Fertigungsversorgung also eher von Schrauben und Muttern und weniger von Bauteilen, die so bewegt werden könnten. Was die Zuladekapazität betrifft, sind Drohnen heute deshalb noch keine Alternative.

Es stellt sich dennoch die Frage: Wenn Drohnen selbst zu einer Intralogistiklösung werden, wie lässt sich dies aus Herstellersicht nutzen? Könnten etablierte Intralogistikanbieter damit ihr Produktportfolio erweitern? Bei gewissen Anforderungen ja, aber nicht bei allen. Neben dem Einsatz für Inventurtätigkeiten ist auch eine Ausweitung auf die letzte Meile zumindest vorstellbar. Wenn die Intralogistik das Päckchen versandfertig bis zum Hallentor bewegt, warum dann nicht gleich direkt mit der Drohne bis zum Endkunden? Nicht zu vergessen die Materialversorgung der Produktion, ähnlich dem Beispiel von Audi. Auch dies könnte eine sinnvolle Erweiterung sein, wenn das zu bewegende Material entsprechend klein, leicht und handlich ist. Für größere und vor allem schwere Lasten sind etablierte Lösungen aus dem Bereich Flurförderzeuge, Förderbänder oder Krane immer noch die bessere und vor allem wirtschaftlichere Lösung.

Herausforderung Sicherheit

Besonders hinderlich für diese Vision sind aus heutiger Sicht die Sicherheitsvorschriften, die nicht für Drohnen im konkreten Einsatzbereich Intralogistik ausgelegt sind. Für den Außenbereich gilt allgemein eine ganze Reihe von Rechtsgrundlagen für Drohnen: Luftverkehrsgesetz, Luftverkehrsordnung, Luftverkehrs-Zulassungsordnung, Arbeitsschutzgesetz, Bundes-Datenschutzgesetz, Betriebssicherheitsverordnung, Arbeitsstättenverordnung und Batteriegesetz. Beim Einsatz innerhalb von Gebäuden – also beispielsweise in der Produktion oder im Lager – gibt es hingegen keine gültige Rechtslage. Hier ist, anders als im Außenbereich, keine Aufstiegserlaubnis durch die Luftfahrtbehörden notwendig. Allerdings herrscht Unsicherheit, weil es Vorgaben der Berufsgenossenschaften gibt, die den Aufenthalt von Menschen unter Lasten untersagen. Deshalb sind Drohnenentwickler und Anwender im Gespräch mit den Genossenschaften.

Fazit: Insgesamt ist die Drohne als Intralogistiklösung noch Zukunftsmusik und alles andere als marktreif. Aus heutiger Sicht wird sie die etablierten Intralogistiklösungen nicht verdrängen. Sie könnte sich jedoch durchaus zu einer sinnvollen Ergänzung und Erweiterung des Produktportfolios entwickeln. Intralogistik lebt seit jeher davon, innovative Technologien aus unterschiedlichsten Bereichen für Logistikprozesse nutzbar zu machen. Darum ist es nur logisch, über den Einsatz von Drohnen für die Intralogistik zumindest nachzudenken und die Weiterentwicklungen in diesem Bereich zu beobachten. Die Zukunft der Intralogistik liegt in der Autonomisierung. Drohnen könnten definitiv ein Aspekt davon sein, aber keine entscheidende Lösung.

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* Dr. Klaus-Dieter Rosenbach ist Vorstandsvorsitzender des VDMA-Fachverbands Fördertechnik und Intralogistik und als Mitglied des Vorstands verantwortlich für Logistiksysteme bei der Jungheinrich AG, 22047 Hamburg, Tel. (0 40) 69 48-0, info@jungheinrich.de

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