Geoinformationssysteme Europäische Weltraumorganisation vermisst die Welt

Autor / Redakteur: Andreas Müller / Jürgen Schreier

Europa macht den Amerikanern das Weltall streitig: Mit den Projekten Copernicus, Egnos und dem Europa-GPS Galileo sammelt die Europäische Weltraumorganisation ESA Daten über unseren Planeten. Einiges soll auch an Kunden verkauft werden, die Europäische Kommission weiß nur noch nicht, wie sie das umsetzen soll.

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Eleftherios Mamais, Space Tec Capital Partners GmbH: „In den Großstädten liefert Galileo ein robusteres Signal.“
Eleftherios Mamais, Space Tec Capital Partners GmbH: „In den Großstädten liefert Galileo ein robusteres Signal.“
(Bild: Müller)

Welche Vorteile hat die Raumfahrt für europäische Bürger? Diese Frage wollte die European Space Expo auf der Hannover-Messe 2013 beantworten. Dabei zeigt sich: Manch eine Raumfahrttechnologie ist auch für bodenständige Menschen geeignet.

Das Projekt Copernicus, einst GMES genannt, sammelt Erdüberwachungsdaten aus Weltraum, Luft, Wasser und vom Boden aus. Diese werden auf Karten, in Berichten und Datensätzen zusammengefasst. Am Ende bieten die Daten EU-Bürgern Informationen über die Umwelt.

„Hier ist es aber dunkel!“

Für die konkreten Anwendungen hat sich die ESA eine lange Liste überlegt, die man sich auf Info-Terminals im sphärischen, Planetariumartigen Veranstaltungszelt ansehen konnte. „Hier ist es aber dunkel!“, bemerkte ein Besucher. Doch immer wieder zieht es interessierte Schülergruppen in das Zelt.

Mit den Copernicus-Daten lässt sich zum Beispiel der Städtebau planen, schließlich ziehen immer mehr EU-Bürger vom Land in die Städte. Man kann die Bodensenkung nachvollziehen und sich detailreich anschauen, wie Venedig untergeht. Auch zur Warnung vor Erdbeben und Vulkanausbrüchen sollen die Copernicus-Daten behilflich sein. Aus politischer Sicht dient das Projekt vor allem den ökologischen Anliegen der EU, denn der CO2-Ausstoß, der Anstieg der Meeresspiegel, die Abholzung der Regenwälder, das Abschmelzen des arktischen Eises und weitere Anzeichen des Klimawandels werden von Copernicus festgehalten.

Egnos ist derweil der „European Geostationary Navigation Overlay Service“. Dabei handelt es sich um eine Reihe von stationären Satelliten, die das GPS-Signal auf einen Meter Genauigkeit verbessern und die Integrität erhöhen. Auch für Egnos haben sich die Veranstalter viele mögliche Anwendungen überlegt. Die Luftfahrt soll dadurch sicherer werden, Landwirte sparen Dünger, weil sie genauer nachvollziehen können, wo sie wie viel Kuhmist abladen. Gefahrenguttransporte lassen sich gezielter nachverfolgen. Die Schifffahrt wird sicherer, die Karten genauer und auch ansonsten ist es einfach GPS, nur besser. Egnos wird bereits von vielen erhältlichen GPS-Empfängern unterstützt und kann kostenfrei verwendet werden.

Bei Galileo handelt es sich um das erste europäische Satellitennavigationssystem. Im Gegensatz zu Egnos möchte es nicht einfach GPS, das von der US-Airforce stammt, verbessern, sondern es ist vielmehr eine Alternative zu GPS. In einem Infoclip erfährt man, dass es unter anderem Landwirten als Kuhfruchtbarkeits-Detektor dient. Kühe laufen nämlich unruhig auf den Feldern umher, wenn sie fruchtbar sind.

Galileo funktioniert viel besser auf der Nordhalbkugel

Eleftherios Mamais von der Space Tec Capital Partners GmbH ist Astrophysiker und vertritt auf der Expo die ESA. Er war in der Europäischen Kommission mit dem Galileo-Projekt betraut. Ihm zufolge geht der Nutzen von Galileo weit über das Kuhfruchtbarkeits-Detektieren hinaus: „In den Großstädten liefert Galileo ein robusteres Signal. Da gibt es ja mit GPS das Problem der Häuser, die das Signal ablenken. Außerdem funktioniert Galileo viel besser auf der Nordhalbkugel, in Schweden und so weiter. Und nur mit Galileo ist SAR möglich, Suche und Rettung. Im Notfall kann man ein Signal schicken und man wird dann gerettet. Das geht mit GPS noch nicht.“ Auf die Frage, ob das denn mit GPS mal gehen wird, so Mamais: „Wahrscheinlich schon. Wenn die NASA sieht, was die Europäer alles Tolles machen, dann ist wohl ein Update fällig.“

Eine echte Konkurrenz stellt die NASA für die ESA ohnehin nicht dar. „Wir kooperieren bei der Astronautenausbildung, bei Raumfahrtmissionen, wir machen viel zusammen. Galileo ist zwar rein europäisch, aber es wird auch daran gearbeitet, Galileo und GPS kompatibler zu machen.“ Bei der Anzahl von Satelliten nehmen sich die beiden Raumfahrtbehörden nichts. „Galileo und GPS funktionieren beide mit je um die 30 Satelliten.“ Trotzdem wies Mamais darauf hin, dass Copernicus mit seiner Datensammlung „wirklich einzigartig“ sei.

Neben den freien, unverschlüsselten Anwendungen der europäischen Satellitennavigation, die jeder mit Smartphones und Navigationsgeräten nutzen kann, sind auch kommerzielle Angebote geplant. „Wie genau das angeboten werden soll, kann ich Ihnen jetzt nicht sagen. Das ist schließlich die Europäische Kommission und wenn die mit Produkten Geld machen möchte, dann ist das politisch heikel.“

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