Frischelogistik European Food Network im Aufwind

Autor / Redakteur: Frank Zscheile / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

So sehr allerorten die regionale Küche gepriesen wird, so unverkennbar ist auch in der Lebensmittelbranche der Trend zur Internationalisierung. Das European Food Network, gegründet und „orchestriert“ von Dachser, bildet diesen Trend logistikseitig ab. Das Ziel: langfristig das marktführende Netz für Lebensmitteltransporte in Europa zu werden.

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Das 2013 ins Leben gerufene European Food Network ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Food-Logistics-Sparte von Dachser.
Das 2013 ins Leben gerufene European Food Network ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Food-Logistics-Sparte von Dachser.
(Bild: Dachser)

Erst Anfang dieses Jahres konnte der Verbund European Food Network (EFN) mit der spanischen Logifrio einen weiteren wichtigen Partner hinzugewinnen. In Spanien und Portugal ist Logifrio kein Unbekannter: Das Familienunternehmen mit Sitz in Barcelona ist der führende Dienstleister für temperaturgeführte Lebensmitteltransporte auf der Iberischen Halbinsel. Mit 400 eigenen Fahrzeugen und 115.000 m² Warehouse-Flächen beliefert Logifrio über 20.000 Empfänger regelmäßig mit Frisch- und Tiefkühlware sowie im Trockensortiment. Dass man nun Teil des European Food Network geworden ist, ist klar an den Bedürfnissen der Marktes ausgerichtet: Immer mehr europäische Lebensmittelhersteller – auch solche aus Spanien und Portugal – suchen ihre Chancen im Export. Hierfür brauchen sie ein leistungsfähiges Logistiknetzwerk.

Bedarf an gesamteuropäischen Logistikangeboten

Die Gründe für die starke Exportorientierung der Lebensmittelbranche divergieren: Hersteller in Südeuropa sehen sich aufgrund der krisenbedingt schwachen Inlandsnachfrage gezwungen, neue Märkte zu erschließen. In Deutschland wiederum orientiert sich die Branche angesichts des stagnierenden Bevölkerungswachstums und eines gesättigten Marktes verstärkt nach außen. So steigt die Exportquote der deutschen Ernährungsindustrie seit Jahren kontinuierlich an. Sieben EU-Länder sind unter den 15 exportstärksten Nationen der Welt; die Niederlande, Deutschland und Frankreich zählen zu den Top-5-Exporteuren von Lebensmitteln.

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Die Konsequenz: Auch der Bedarf an grenzüberschreitenden Transporten und gesamteuropäischen Logistikangeboten wächst. An den Ausschreibungen multinational tätiger Lebensmittelhersteller lässt sich dies ablesen. Immer seltener werden Transporte und Zentrallagerstrukturen nur landesweit, sondern zunehmend für ganz Europa oder für länderübergreifende Regionen ausgeschrieben. Die Hersteller erwarten von ihrem Dienstleister wie selbstverständlich ausgereifte europäische Logistiklösungen aus einer Hand. So bedeutend die Stellung von Dachser und seinen Partnern in ihren Märkten auch sein mag – für sich allein wäre keiner in der Lage, ein europäisches Netzwerk aufzubauen, das diesen Namen verdient und innerhalb eines überschaubaren zeitlichen Rahmens profitabel arbeiten würde. „Neue Strukturen im Ausland aufzubauen, ist langwierig, risikoreich und teuer“, weiß Alfred Miller, Managing Director Dachser Food Logistics.

Aus diesen Anforderungen heraus entstand 2013 auf der transport logistic in München unter der Ägide von Dachser das European Food Network – für die Kemptener ein Meilenstein in der Entwicklung ihrer Food-Logistics-Sparte. Aus ihrer Industriegutsparte European Logistics konnten sie langjährige Erfahrungen im Aufbau und in der Steuerung eines europäischen Landverkehrsnetzwerkes einbringen.

Online-Statusrückmeldungen und elektronische Ablieferbelege

„Die Idee des European Food Network ist es“, so Alfred Miller, „die regionale Kompetenz und Stärke von seit Jahrzehnten in ihren Heimatmärkten erfolgreichen Food-Spezialisten im Interesse der Gemeinschaft zusammenzuführen.“ So will man den Kunden ein flächendeckendes und leistungsfähiges europäisches Stückgutnetzwerk bieten, in dem Lebensmittelsendungen beliebiger Größe aus jedem Land in jedes Land Europas schnell, effizient und in hoher Qualität befördert werden.

Von anderen Big Playern der europäischen Lebensmittellogistik unterscheidet sich das EFN zum einen hinsichtlich seiner Größe: Mit 13 Partnern und neun Korrespondenten (Unternehmen, die langfristig den Partnerstatus anstreben) werden 29 Länder über regelmäßige Linienverkehre bedient. Damit ist das EFN flächenmäßig das größte Transportnetzwerk für Lebensmittel in Europa. „Ein weiteres Spezifikum ist unser IT-Set-up mit der damit verbundenen Ausstattung der Transportprodukte“, erklärt Alfred Miller. „Die Kunden erhalten auch im Ausland definierte Informationsleistungen zu ihren Sendungen; zu allen grenzüberschreitenden Sendungen sind online Statusrückmeldungen und elektronische Ablieferbelege verfügbar.“ Schließlich betont der Food-Logistik-Experte das Synergiepotenzial der Kooperation. Lebensmittelnetzwerke funktionierten nur ab einer kritischen Masse effizient und profitabel. Da jeder Partner im Netzwerk bereits ein hohes Bündelungspotenzial in seinem Netz aufweise, die lokalen Gegebenheiten bestens kenne und meistere, reise jede neu hinzukommende Importsendung sehr zuverlässig und kostengünstig auf der letzten Meile.

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Grenzüberschreitend standardisierte Transportprodukte

Die Supply Chain des EFN zeichnet sich durch standardisierte operative Prozesse aus und erfordert auch in Einbeziehung der IT, kultureller Unterschiede, firmenphilosophischer Eigenheiten und individueller strategischer Unternehmensziele einiges an integrativer Kraft. Durch ein umfassendes Agreement sind die Partner miteinander verbunden. So soll eine gleichbleibend hohe Qualität bei grenzüberschreitenden Stückguttransporten sichergestellt werden. Ein Kernbestandteil des Regelwerkes ist die Einführung und Weiterentwicklung grenzüberschreitend standardisierter Transportprodukte unter dem Namen „vivengo“. Darunter subsummiert sind drei Produktlinien: „vengospeed“, „vengofix“ und „vengoflex“. Sie stehen für feste Laufzeiten und definierte Informationsservices. Die kürzeste Laufzeit zwischen Abholung in Deutschland und Zustellung in Spanien beträgt demnach zum Beispiel zwei Tage.

Was das eigene Wachstum in den ersten drei Jahren seines Bestehens angeht, sieht sich das EFN auf gutem Kurs. So wuchsen die Exporttonnagen mit Sammelgut im Netzwerk in 2015 im Vergleich zum Vorjahr um rund 15 %.

Internationale Perspektive und intensiver Gedankenaustausch

Gemeinsam ist man stark: Die vorher national tätigen Partner gewinnen durch ihre Mitgliedschaft neue Geschäftsperspektiven und die Möglichkeit, wirklich europaweit tätig zu werden. Vielen von ihnen hatten zuvor in puncto Exportsammelgut bis auf vereinzelte Auslandsrelationen kaum etwas anzubieten. Unter den Partnern findet zudem ein intensiver Gedankenaustausch statt, sodass das Netzwerk durch die vielen Kontakte noch belastbarer wird. Alfred Miller: „Die Partnerschaft ist ein weiterer wichtiger Entwicklungsschritt für uns. Mit der Ausweitung von ,vivengo‘ auf diese Schlüsselmärkte werden wir uns als führendes Partnernetzwerk für innereuropäische Lebensmitteltransporte weiter etablieren.“ ■

* Frank Zscheile ist freier Journalist in München. Nähere Informationen: Dachser SE, 87439 Kempten, Tel. (08 31) 59 16-0, info@dachser.com

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