Explosionsschutz Ex-Schutz-Stapler ohne Kompromisse

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Keine Chance für Funken jeglicher Art, denn der Einsatz von Flurförderzeugen in explosionsgefährdeten Bereichen duldet keinerlei Kompromisse: Stattdessen müssen die Stapler strikt die strengen Sicherheitsauflagen wie die Atex-Norm 94/4/EG für die Gas-Ex-Zonen 1 und 2 sowie die Staub-Ex-Zonen 21 und 22 einhalten.

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Die Flurförderzeug-Hersteller, die entweder als Spezialisten für diese Geräte agieren oder Staplern auf Kundenwunsch Ex-Ausstattung verleihen, zeigen sich, wie die folgenden Beispiele zeigen, für diese Anforderungen bestens gerüstet. Als Komplettanbieter für Flurförderzeuge hat Linde Material Handling (Linde-MH) beispielsweise nicht nur Stapler und Lagertechnikfahrzeuge in einem Traglastbereich von 0,5 bis 52 t im Programm, sondern bietet auch ein umfangreiches Produktprogramm für Anwendungen im Ex-Schutz-Bereich an.

Dazu gehören Elektro-Gegengewichtsstapler mit Tragfähigkeiten von 1,4 bis 3 t, verbrennungsmotorische Stapler mit Tragfähigkeiten von 2 bis 8 t sowie unterschiedlichste Lagertechnik-Fahrzeuge wie Niederhub- und Hochhubwagen, Schubstapler, Schlepper und Kommissionierer. Hinzu kommt eine Vielzahl an kundenspezifischen Lösungen, wie beispielsweise eine ex-geschützte Kabinenheizung für Elektrostapler.

Spektrum an Ex-Schutz-Staplern wird ständig erweitert

„Mit jeder neuen Kundenanforderung und speziellen Produktanpassung erweitert sich das Produktprogramm der ex-geschützten Stapler von Linde“, erläutert Herbert Kunkel, Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Proplan, die exklusiv für Linde-MH Ex-Stapler herstellt. Das Produktprogramm der Ex-Stapler lässt sich in Ausführungen mit Komplettschutz und Fahrzeuge mit Gas-Sicherheitssystem (GS-System) aufteilen.

Fahrzeuge mit Komplettschutz können ständig im Gefahrenbereich arbeiten. Sie können nach den Gerätekategorien 2G, 2D, 3G und 3D produziert und entsprechend in den Zonen 1, 21, 2 und 22 eingesetzt werden. Bau und Kennzeichnung der Geräte erfolgen nach Richtlinie 94/4/EG.

Spezielle Stapler mit Ex-Schutz-Zone 2

Fahrzeuge mit Gas-Sicherheitssystem sind speziell für den Einsatz in Zone 2 (Gerätekategorie 3G) konzipiert. Bei einer potenziell gefährlichen Gaskonzentration im Arbeitsbereich warnt das System den Benutzer und schaltet bei einem weiteren Anstieg den Stapler sicher ab.

Nach Verflüchtigung der Gaskonzentration und Quittieren per Knopfdruck schaltet sich der Stapler automatisch wieder ein. „Das System ist nach der Gerätekategorie 2G zertifiziert, dies ist eine Besonderheit des GS-Systems von Linde“, betont Kunkel.

Dank der permanent von der Fahrzeugbatterie mit Strom versorgten GS-Anlage wird die Umgebung ständig überwacht, auch wenn der Stapler abgeschaltet wurde. So weiß das System genau, wann die Gaskonzentration den Schwellenwert wieder unterschritten hat und der Stapler erneut gestartet werden kann.

Kombination aus Großserien- und Sonderbaugruppen

Ex-Stapler von Linde werden zum einen mit direkt aus der Großserienfertigung von Linde-MH zugelieferten Baugruppen, wie beispielsweise Hubmast, Fahrerkabine, Gegengewicht und Abdeckungen, gefertigt; zum anderen mit Sonderbaugruppen, die von Proplan eigens entwickelt und selbst gefertigt werden oder als Gemeinschaftsentwicklung mit Systemlieferanten entstehen, wie Antriebsachse, Räder und Gabelzinken. Aus den für jeden Kundenauftrag bereitgestellten Serienteilen und den in Ex-Schutz ausgeführten Komponenten wird der Ex-Stapler montiert.

Sicherheit rangiert bei alledem stets als oberste Maxime. „Ein Ex-Stapler ist für uns in erster Linie eine arbeitende Sicherheitseinrichtung“, betont Kunkel. Produktionsstätte und Herstellprozesse der Linde-Ex-Staplerfertigung sind nach ISO 9001:2008 und der Richtlinie 94/9/EG zertifiziert. Jedes ex-geschützte Fahrzeug erhält eine Baumusterprüfbescheinigung und jede ex-geschützte Komponente eine EG-Baumusterprüfbescheinigung.

Angebot an Ex-Schutz-Flurförderzeugen 2010 ausgebaut

Im Jahr 2010 wurde das Ex-Stapler-Programm von Linde-MH um einige Fahrzeuge erweitert. Hierzu zählen der manuelle Handhubwagen M25 EX mit 2,5 t Tragfähigkeit, der Niederhubwagen T16-T20 EX mit 1,6 bis 2,0 t Tragfähigkeit sowie der Hochhubwagen L12 EXi mit 1,2 t Nutzlast.

Jeder Stapler wird für bestimmte, zuvor definierte Gerätekategorien gebaut — so beispielsweise der T20 EX für die Zonen 1 (2G), 2 (3G), 21 (2D) und 22 (3D); zudem gibt es die Ausführung nach Explosionsgruppe II A und II B plus Wasserstoff. Alle Geräte sind für die Temperaturklasse T4 mit einer maximalen Oberflächentemperatur von 135 °C ausgelegt.

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Stapler-Serienmodelle für Ex-Schutz umgebaut

Weitere große Hersteller liefern ex-geschützte Flurförderzeuge auf Kundenwunsch beziehungsweise statten ihre Serienstapler oder ausgewählte Fahrzeuge ihrer Angebotspalette für den Einsatz in Ex-Bereichen aus.

So stellt Toyota Material Handling Europe „ex-geschützte Stapler zwar nicht in Serie her“, stattet aber, wie das Unternehmen meldet, „auf Anfrage Lagertechnikgeräte und Gegengewichts-Fahrersitzstapler mit der vorgeschriebenen Ausrüstung für Einsätze in gefährlichen Anwendungsumgebungen aus.“

Auch Still, Hamburg, rüstet auf Kundenwunsch seine Geräte, wie etwa die Stapler der RX-Reihe, für Einsätze in Ex-Bereichen aus.

Alle Jungheinrich-Serienstapler auch für Ex-Schutz-Zonen 1 und 2

Und Jungheinrich „bietet alle Serienstapler auch für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen an.“ Hierzu zählen die nach Explosionsschutzzonen 1 und 2 klassifizierten brennbaren Gase, Dämpfe oder Nebel sowie, entsprechend der Klassifizierung nach Zone 21 und 22, brennbare Stäube.

Dabei werden, wie das Unternehmen meldet, „alle relevanten europäischen und nationalen Richtlinien und Normen beachtet, sodass die Sicherheit beim Betrieb für Mensch und Maschine immer gewährleistet ist.“ Zudem offeriert Jungheinrich für alle seine explosionsgeschützten Fahrzeuge „Service mit entsprechender Ersatzteilversorgung“.

Ergonomisches und leichtes Handling gefährlicher Güter

Zu den Spezialisten für explosionsgeschützte Flurförderzeuge zählt die Miag Fahrzeugbau GmbH, Braunschweig, die ihre Ex-Produktpalette in einem neuen Design vorstellt. Wie Peter Genschow, Miag, mitteilt, „bieten der Elektro-Geh-Gabelhubwagen Typ EGU XE3 ‚Kompakt‘ EGU und der Elektro-Geh-Gabelhochhubwagen Typ EGI XE3, beide in Drehstromausführung, den Anwendern gegenüber den Vorgängermodellen zahlreiche Vorteile“.

So sind die Bedienelemente ergonomiegerecht gestaltet und in der Schutzart eigensicher EEx i in das Gerät integriert. Die niedrigere Deichselhöhe und die mittige Deichselanordnung ermöglichen leichteres Handling und mit dem Basishub von 130 mm lassen sich „auch größere Schwellen und Bodenunebenheiten problemlos überfahren“.

Drehstrommotoren der Gabelhubwagen in Schutzart EEx e

Zudem sind die Drehstromtechnik-Motoren mit der modellabhängigen Leistung von 1,7 bis 2,5 kW erstmalig in der Schutzart erhöhte Sicherheit (EEx e) ausgeführt, „was bisher im Bereich explosionsgeschützter Flurförderzeuge noch nicht verwirklicht werden konnte“, wie Genschow ausführt. Außerdem wird mit der Umstellung auf die 24-V-Drehstromtechnik „nochmals ein deutlicher Schritt zu größeren Leistungsreserven, besserer Energieausnutzung, geringerem Wartungsaufwand und reduzierter Geräuschemission getan.“

Mit der neuen mikroprozessorgesteuerten Umrichtergeneration lassen sich die Drehstrom-Antriebseinheit mit integrierter Fehlerdiagnoseanzeige, der Batteriestatusmonitor und der Betriebsstundenzähler sehr effizient ansteuern. Die optionale Parametrierbarkeit des Fahr- und Bremsverhaltens ermöglicht die „ideale Adaption an den Fahrer und die speziellen Transport- und Eigenbedürfnisse“. Und zu Servicezwecken gespeicherte Betriebsdaten können jederzeit abgerufen werden.

Vorreiter bei Ex-Schutz-Elektrostaplern bietet umfassendes Spektrum

Ein umfassendes Spektrum an explosionsgeschützten Staplern bietet der ebenso traditionsreiche wie renommierte Hersteller Sichelschmidt, Wetter, der 1966 den ersten Elektrostapler für explosionsgefährdete Bereiche entwickelte und, so das Unternehmen, „als Marktführer in diesem anspruchsvollen Segment der Flurförderzeugtechnik agiert“.

Sichelschmidt produziert Geräte nach Atex-Norm 94/9/EG für die Gas-Ex-Zonen 1 und 2 sowie für die Staub-Ex-Zonen 21 und 22 und zudem auch Ex-Stapler „nach amerikanischen Bestimmungen des Explosionsschutzes – Class 1/Division 1 nach US NRC 500 sowie nach anderen nationalen Ex-Normen“.

Das Geräteprogramm für die Zone 1 umfasst Gabelhubwagen und Breitspurstapler ebenso wie Schubmaststapler sowie Quersitz- und Fahrersitz-Gabelstapler. Der Elektro-Fahrersitzstapler M 700 EEx beispielsweise ist, wie das Unternehmen betont, „als kompakter und kräftiger Dreiradstapler mit leistungsstarkem Drehstrom-Hinterrad für explosionsgefährdete Bereiche universell einsetzbar“. Und, um ein weiteres Beispiel zu nennen, für produktives Arbeiten in Lager-Regalgassen ist der Elektro-Quersitz-Schubmaststapler M 1200 EEx mit Hubhöhen bis zu 7400 mm prädestiniert.

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