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Interview Experten-Know-how in fünf Industrien

| Autor / Redakteur: Bernd Maienschein / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Leuze electronic, „the sensor people“, stellt Sensoren für die industrielle Automatisierung her. In allen Marktsegmenten ist man – bereits mehrere Jahre hintereinander – zweistellig gewachsen. Wir sprachen mit Industry Manager Intralogistik Matthias Göhner über die Erfolgsfaktoren und welche Branche ihm zurzeit am meisten Spaß macht.

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Mit dem Sicherheits-Laserscanner RSL 400 mit Messwertausgabe will Leuze electronic neue Maßstäbe für die zuverlässige Navigation von fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) setzen.
Mit dem Sicherheits-Laserscanner RSL 400 mit Messwertausgabe will Leuze electronic neue Maßstäbe für die zuverlässige Navigation von fahrerlosen Transportfahrzeugen (FTF) setzen.
(Bild: Leuze)

Leuze electronic wächst. Neue Strukturen und Prozessänderungen sind die Folge. Auch die Vertriebsorganisation des Sensorherstellers verändert sich: sie wird größer und internationaler. Der Bedarf an Fachkräften mit unterschiedlichsten Qualifikationen in allen Unternehmensbereichen steigt stetig – lokal, national und global. Neue Produktionslinien werden gebaut, die Logistik wird erweitert. 22 eigene Standorte und 42 Vertriebspartner sorgen weltweit dafür, dass Kunden nirgends auf die Kompetenzen der „sensor people“ verzichten müssen.

Bei Leuze hat man eine genaue Vorstellung davon, wie die Zukunft aussieht, und entwickelt dafür innovative Sensorlösungen, denn intelligente Sensoren sind die Basis für Industrie 4.0 beziehungsweise das Industrial Internet of Things (IIoT). Die Sensoren des Unternehmens können schon heute ihre Daten über OPC UA in alle Ebenen der Automatisierungspyramide oder direkt in die Cloud senden. Dort können diese Daten für weitere Analysen und Services, die die Microsoft-Azure-Cloud-Dienste bieten, genutzt werden. Wir haben mit Matthias Göhner über den Logistikanteil des Wachstums und über Kooperationen wie die seines Arbeitgebers mit Microsoft gesprochen.

Herr Göhner, Industrie 4.0 und (Intra-)Logisik 4.0 – Henne oder Ei, was war zuerst da? Und kann das eine überhaupt ohne das andere?

Die Themen Prozessoptimierung, beispielsweise zur Optimierung des Warenflusses oder zur Perfektionierung des Ein-/Auslagerns, sowie die voreilende Wartung sind so alt wie die Intralogistik selbst. Mit „Industrie 4.0“ wurden alle Themen unter ein Dach gebracht. Es ist der Versuch, damit eine gemeinschaftliche technische Basis zu schaffen, über die alle benötigten Daten abgerufen werden können (Cloud-Technologie und OPC UA). Sehr häufig werden die oben angesprochenen Themen individuell und in unterschiedlichen Ausbaustufen bereits angewendet – lange bevor der Begriff Industrie 4.0 aufkam.

Matthias Göhner
Matthias Göhner
(Bild: Martin Sigmund)

Die „sensor people“ sind 2017 in allen Marktsegmenten zweistellig gewachsen. Welchen Anteil daran verzeichnet die Logistik – als Kunde, aber auch im eigenen Unternehmen?

Leuze electronic hat sich auf fünf Industrien fokussiert. Über 50 Jahre Erfahrung und eine enge Beziehung zu unseren Kunden haben uns in diesen Branchen zu echten Experten gemacht. Die Intralogistik ist eine von ihnen, wenn nicht sogar die wichtigste. In diesem Marktsegment wächst Leuze electronic besonders stark. Die Belieferung unserer Kunden stellt unsere interne Logistik vor große Herausforderungen. Es müssen meistens in kurzer Zeit große Mengen an Sensoren geliefert werden. Um dies bewerkstelligen zu können, müssen die Prozesse – von der Fertigung bis hin zur Lagerlogistik – sehr flexibel gestaltet und an die Kundenwünsche angepasst werden können.

Was genau versteckt sich hinter dem Slogan „Smart Sensor Business“? Sensoren sind heute doch von Haus aus schon smart …

„Smart“ bezieht sich bei uns nicht allein auf unsere Sensoren… „Smart“ bedeutet für uns viel mehr.

Smart Sensor Business ist unser Kundenversprechen und ein echtes Differenzierungsmerkmal zu unseren Marktbegleitern. Für unsere Kunden ist uns wichtig, dass sich all unsere Sensoren einfach und intuitiv bedienen lassen, einfacher als ihre Vorgängermodelle oder vergleichbare Geräte am Markt. Man könnte diesen Entwicklungsanspruch auch mit „smart product usability“ umschreiben. Darüber hinaus meint smart für uns, dass wir für unsere Kunden starke Partner und echte Experten mit tiefgreifendem Applikations-Know-how sind, welches wir über die Jahre gemeinsam mit unseren Kunden aufgebaut und weiterentwickelt haben. Smart ist für uns auch, Nähe zu bieten. Das heißt, unseren Kunden weltweit einen bestmöglichen und zu jedem Zeitpunkt passenden Service zu bieten und ganz individuell auf deren Wünsche und Bedürfnisse einzugehen. Und letztendlich bedeutet smart für uns auch, zusammen mit unseren Kunden und strategischen Partnern an zukunftsfähigen Technologien zu arbeiten, um Daten und Informationen global verfügbar zu machen.

Ihr Unternehmen hat den „German Brand Award 17“ in Gold geholt. „Nice to have“ oder ziehen Sie konkreten Nutzen aus dem Award?

Wir sind stolz darauf, dass wir für diesen Award vom Rat für Formgebung nominiert wurden und ihn letztendlich auch gewonnen haben. Im Übrigen wurden wir 2018 erneut als Winner in der Kategorie „Industry Excellence in Branding – Industry, Machines & Engineering“ ausgezeichnet. Letztendlich ist dieser Preis und vor allem die Jurybegründung für den Award-Gewinn für uns ein Indiz und Bestätigung dafür, dass unsere stringente Kommunikationsarbeit unter Einbindung unserer eigenen Mitarbeiter vom Markt erkannt, angenommen und verstanden wird und wir hier auf dem richtigen Weg sind.

Vom logistischen Standpunkt aus gesehen sind Sie gleich in drei Branchen aktiv: in der Verpackungstechnik, beim Material Handling/der Robotik sowie allgemein in der Intralogistik. Welche Disziplin macht im Moment am meisten Spaß?

Um genau zu sein, hat sich Leuze electronic auf fünf Industrien spezialisiert. Das sind zum einen die Verpackungstechnik und Intralogistik, der Bereich Werkzeugmaschinen, die Automobilindustrie und die Laborautomation. Das sind die Branchen, auf denen unser Fokus liegt. In ihnen haben wir über die Jahre ein hohes Experten-Know-how aufgebaut und entwickeln mit unseren Kunden gemeinsam auch ganz individuelle, kundenspezifische Lösungen. Als Industry Manager für Intralogistik liegt mein klarer Schwerpunkt demzufolge ganz klar in diesem Bereich :-)

Einen kamerabasierten Codeleser wie den DCR 200i in nur 3 min in Betrieb nehmen? Fast nicht vorstellbar …

Kein Werbeslogan, sondern wahr! Grundlage für einen solchen Erfolg ist, dass man schon vor der Produktentwicklung genau definieren muss, was das neue Produkt leisten und wie es sich von den Geräten der Marktbegleiter oder seinem Vorgängermodell abheben soll. So und durch kreatives Denken können echte Innovationen entstehen und dann Funktionen zur Verfügung gestellt werden, welche die Inbetriebnahme des Sensors deutlich vereinfachen. An einem konkreten Beispiel festgemacht: ein Wizard, der den Bediener durch das Set-up des Produktes ähnlich wie bei der Inbetriebnahme eines TV-Gerätes führt.

Mit der Datenübertragungs-Lichtschranke DDLS 500 für Regalbediengeräte und Hallenkrane wollen Sie Maßstäbe setzen. Was genau macht dieses Device so interessant?

Wir wollen keine Maßstäbe setzen, sondern wir haben dies konkret getan! Durch die integrierte Laserausrichthilfe und die patentierte „Ein-MannAusrichtung“ ist die DDLS 500 sehr einfach und schnell ausgerichtet und in Betrieb genommen. Durch diese Funktionen spart der Kunde Zeit und damit auch Geld während der Inbetriebnahme eines Regalbediengerätes. Maßstäbe setzt die DDLS 500 auch in puncto Diagnose. Sie ist weltweit die einzige optische Datenübertragung, auf die direkt via Interface und „WebConfig“ zugegriffen werden kann, um Diagnosedaten abzurufen. In Verbindung mit Profinet hat der Anwender die Möglichkeit, die DDLS 548i als Teilnehmer „sichtbar“ zu machen und so Diagnosedaten direkt an die Steuerung zu übertragen.

Wird in Zukunft eigentlich mehr auf Kooperation bei der Entwicklung gesetzt, wie beispielsweise bei der Entwicklung des Barcodelesers BCL 348i zusammen mit Microsoft?

Generell suchen wir vor jeder neuen Entwicklung den engen Kontakt zum Kunden. Kooperationen mit strategischen Partnern wie Microsoft sind für uns sehr wichtige Richtungsgeber. Ziel dabei ist es immer, genau das zu entwickeln, was der Markt benötigt, und zu erfahren, was unsere Kunden in Zukunft von einem Sensor erwarten. Diese Informationen bekommt man nur durch eine enge, langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Kunden. Davon profitieren am Ende immer beide Seiten. Die Kooperation mit Microsoft zeigt, dass wir mit unserer Technologie ganz vorne dabei sind und unsere Produkte und Technologie gut für die Zukunft vorbereitet sind.

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