Brandschutz Fachgerechte Gefährdungsanalyse mit der neuen ASR A2.2

Autor / Redakteur: Wolfram Krause / Victoria Sonnenberg

Die neu erschienene ASR A2.2 regelt die Ausstattung von Arbeitsstätten mit Feuerlöschern sowie weitere Maßnahmen zum Brandschutz für Bereiche mit erhöhter Brandgefährdung. Arbeitgeber müssen eine fachgerechte Gefährdungs-analyse durchführen, um eine erhöhte Brandgefährdung zu erkennen.

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Bild 1: Richtige Platzierung und Kennzeichnung von Feuerlöschern: Gemäß ASR A2.2 müssen diese leicht erreichbar, gut sichtbar und geschützt, vorzugsweise an Fluchtwegen, Ausgängen, Treppen sowie an Kreuzungspunkten von Wegen, angebracht sein.
Bild 1: Richtige Platzierung und Kennzeichnung von Feuerlöschern: Gemäß ASR A2.2 müssen diese leicht erreichbar, gut sichtbar und geschützt, vorzugsweise an Fluchtwegen, Ausgängen, Treppen sowie an Kreuzungspunkten von Wegen, angebracht sein.
(Bild: bvfa)

Feuerlöscher retten bei frühzeitigem und sachgerechtem Einsatz Menschenleben und helfen, Brandschäden zu minimieren. Regelmäßige Erhebungen des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. zeigen, dass in 85 % aller Fälle ein Feuerlöscher genügt, um einen Entstehungsbrand erfolgreich zu bekämpfen. Voraussetzung dafür ist eine ausreichende Ausstattung mit Feuerlöschgeräten sowie deren regelmäßige Wartung und Instandhaltung, für die der Arbeitgeber verantwortlich ist.

ASR A2.2 maßgebende Regel für Feuerlöschgeräte an Arbeitsstätten

Maßgebende technische Regel für Feuerlöschgeräte in Arbeitsstätten ist die im November 2012 neu erschienene ASR A2.2 „Maßnahmen gegen Brände“. Sie löst die bisherige ASR 13/1,2 „Feuerlöscheinrichtungen“ ab. Wichtigste Neuerungen sind ein flächenabhängiger Grundschutz für alle Arbeitsstätten und eine Gefährdungsbeurteilung zur Ermittlung von Bereichen mit einer erhöhten Brandgefahr. Die ASR A2.2 gibt für diese Bereiche keine bestimmte Ausstattung vor, sondern lässt auf den Betrieb zugeschnittene zusätzliche Maßnahmen zum Brandschutz zu. Dadurch steigt die Eigenverantwortung des Arbeitgebers: Er muss eine fachgerechte Gefährdungsanalyse durchführen, unter Umständen mit externer Beratung.

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Die ASR A2.2 legt für alle Arbeitsstätten einen flächenabhängigen Grundschutz fest. Je nach Grundfläche wird tabellarisch eine bestimmte Anzahl sogenannter Löschmitteleinheiten (LE) bestimmt, für 500 m2 zum Beispiel 21 LE. Die Anzahl an Feuerlöschern hängt von deren Löschvermögen ab und kann aus einer weiteren Tabelle abgelesen werden.

Feuerlöscher mit der Bezeichnung „21A“ deckt sechs LE ab

Ein Feuerlöscher mit der Bezeichnung „21A“ deckt sechs LE ab, es werden also für 500 m2 vier Feuerlöscher dieses Typs benötigt (21:6 mit anschließender Aufrundung). Für den Grundschutz sind nur Feuerlöscher mit mindestens sechs LE zugelassen. Die Feuerlöscher einer Arbeitsstätte müssen in der Lage sein, die vorhandenen, in den Brandklassen A bis F gruppierten Stoffe und Materialien zu löschen.

Ebenso wichtig sind Platzierung und Kennzeichnung der Feuerlöscher. Sie müssen gemäß ASR A2.2 leicht erreichbar, gut sichtbar und geschützt, vorzugsweise an Fluchtwegen, an Ausgängen und Treppen sowie an Kreuzungspunkten von Wegen, angebracht sein. Zudem darf die Entfernung von jedem beliebigen Punkt zum nächstgelegenen Feuerlöscher nicht mehr als 20 m betragen.

In mehrgeschossigen Gebäuden ist in jedem Geschoss mindestens ein Feuerlöscher bereitzustellen. Sind in einem Gebäude Arbeitsstätten verschiedener Arbeitgeber vorhanden, können vorhandene Feuerlöscher gemeinsam genutzt werden.

Bei Gebäuden oder Geschossen mit einer Grundfläche größer als 400 m2 können bis zu einem Drittel der erforderlichen Löschmitteleinheiten durch Wandhydranten ersetzt werden. Hierbei werden einem Wandhydranten 27 LE zugeordnet.

Funktion von Brandschutztüren darf nicht behindert werden

Wandhydranten müssen unter anderem über einen formstabilen Schlauch verfügen und dürfen beim Löschvorgang Rauch- oder Brandschutztüren nicht in ihrer Funktion behindern.

Für Bereiche mit „normaler Brandgefährdung“ – das entspricht einer normalen Büronutzung – ist der Grundschutz ausreichend. Für Bereiche mit „erhöhter Brandgefährdung“ sieht die ASR A2.2 zusätzliche Maßnahmen vor, die jedoch im Gegensatz zur abgelösten ASR 13/1,2 nicht aus einer Verdoppelung oder Verdreifachung der Anzahl an Feuerlöschern bestehen.

Vielmehr ist es Aufgabe des Arbeitgebers, die Bedrohungspotenziale im Unternehmen eigenverantwortlich zu bewerten, die erforderliche Anzahl an Feuerlöschern zu bestimmen und gegebenenfalls weitere Maßnahmen zu ergreifen. Das kann neben mehr Feuerlöschern beispielsweise die Installation von Lösch- oder Brandmeldeanlagen sein.

Feuerlöscher-App ermittelt die Löschmitteleinheiten

Bereiche mit „erhöhter Brandgefährdung“ können nur durch die gesetzlich vorgeschriebene fachgerechte Gefährdungsanalyse sicher identifiziert werden, denn eine erhöhte Brandgefahr ist nicht immer offensichtlich. Sie kann auch bei einer reinen Büronutzung vorliegen, wenn beispielsweise zusätzlich Akten gelagert werden.

Die ASR A2.2 selbst gibt dazu lediglich Hinweise und Beispiele. So sind beispielsweise Branchen aufgelistet, bei denen von einer erhöhten Brandgefährdung auszugehen ist. Für den Fall, dass noch keine Gefährdungsanalyse vorliegt, hat die Fachgruppe Feuerlöschgeräte-Industrie des bvfa einen Leitfaden zur Umsetzung der ASR A2.2 veröffentlicht.

Des Weiteren bietet der bvfa eine kostenlose Feuerlöscher-Rechner-App an. Sie ermöglicht eine Kurzanalyse zur Einstufung der Brandgefährdung vor Ort und ermittelt die Anzahl der erforderlichen Feuerlöscher.

Regelmäßige Wartung der Feuerlöscher ist unerlässlich

In jedem Fall jedoch gilt: Nur mit Feuerlöschern, die im Ernstfall reibungslos funktionieren, kann man einen Entstehungsbrand wirksam bekämpfen und so unter Umständen Leben retten. Eine regelmäßige Wartung – mindestens alle zwei Jahre – ist daher unerlässlich. Die Instandhaltung ist von einer sachkundigen beziehungsweise befähigten Person nach DIN 14406 (4) durchzuführen.

Für die Einhaltung der Fristen zur Instandhaltung und Prüfung ist der Arbeitgeber verantwortlich. Sind alle Instandhaltungsarbeiten und Prüfungen ausgeführt worden, ist davon auszugehen, dass die Funktionsbereitschaft der Feuerlöscher sichergestellt ist.

Die Verantwortung des Arbeitgebers für den vorbeugenden Brandschutz endet nicht bei der Betriebssicherheit und Funktionsbereitschaft des Löschgeräts. Er hat auch die Pflicht zur regelmäßigen Unterweisung und Schulung der Belegschaft für das Verhalten im Brandfall. Wer nie einen Feuerlöscher bedient hat, tut sich im Ernstfall schwer, ihn richtig einzusetzen. Aussicht auf einen raschen Löscherfolg besteht nur dann, wenn die Mitarbeiter im Umgang mit Feuerlöschern geschult wurden.

* Dr. Wolfram Krause ist Geschäftsführer des bvfa – Bundesverband Technischer Brandschutz e.V. in 97070 Würzburg.

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