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Signalsäule mit Funkoption Fehlermeldung in Echtzeit

| Redakteur: Bernhard Richter

Als Weiterentwicklung der „Just-in-Time“-Produktion rückt „Just-in-Sequence“ (JIS) immer mehr ins Blickfeld der Automobilzulieferer und der Beschaffungslogistik. Ein Beispiel hierfür ist das Continental-Werk in Regensburg. Ein Meldesystem von Werma sorgt hier dafür, dass Störungen frühzeitig erkannt werden und der reibungslose Betrieb sichergestellt ist.

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12 Elektroflurförderfahrzeuge sind bei Continental Regensburg mit dem MDE-System ausgestattet. Das Unternehmen reduziert seine Reaktionszeit auf ein Minimum.
12 Elektroflurförderfahrzeuge sind bei Continental Regensburg mit dem MDE-System ausgestattet. Das Unternehmen reduziert seine Reaktionszeit auf ein Minimum.
(Bild: Continental)

Die Globalisierung zwingt die Automobilhersteller dazu, ihre Produktionszeiten und Herstellungskosten immer weiter zu senken und die Abläufe kontinuierlich zu optimieren. Dies wiederum bedeutet für die Zulieferer, dass sie ihre Logistikprozesse überdenken müssen, um die Hersteller bedarfsgerecht mit den benötigten Teilen versorgen zu können. Continental setzt dabei in Regensburg auf das „Just-in-Sequence-Prinzip“, um die benötigten Materialien sequenzgenau in die Fertigung zu liefern. Das von der Fertigung angeforderte Material wird automatisch aus einem der 6200 Stellplätze in dem 60 Meter langen und 30 Meter hohen Hochregallager entnommen. Ein fahrerloses, autonom agierendes Transportsystem soll dabei die Lieferung des Materials vom Logistikzentrum in die Fertigung sicherstellen.

Was geschieht auf dem Weg?

12 automatisch gesteuerte, fahrerlose Fahrzeuge übernehmen in Regensburg auf einer Elektroflurförderbahn den Materialtransport und stellen so eine Versorgung mit Material aus dem Logistikzentrum sicher. Zielkennzahl zwischen der Materialanforderung aus der Fertigung und der Lieferung ist dabei eine Stunde. Die etwa 130 Meter lange Strecke stellt auf dem Transportweg bislang eine Art „Schwarzes Loch“ dar, da hier der Zustand der Flurförderfahrzeuge unbekannt ist. Kommt es auf der Bahn zu einer Störung, dauerte es in der Vergangenheit bis zu zehn Minuten, bis die SPS-Steuerung des Flurförderfahrzeuges diese zurückmeldete. Bei circa zehn Störungen in der Woche belief sich diese Zeit auf mehr als anderthalb Stunden. Die Störgründe können dabei unterschiedlichster Art sein, wie zum Beispiel. Probleme mit der Stromschiene, Abnutzung der Schleifpole oder das Verdecken der Lichtschranken am Transportwagen durch die Anbringung von Auftragspapieren. Mathias Meier, Teamkoordinator Industrial Engineering bei Continental war schon länger auf der Suche, dieses Problem zu beheben. „Da wir das Just-in-Sequence-Prinzip verfolgen, ist jede Minute kostbar, in welcher wir eine Störung auf dem Transportweg früher erhalten.“

Die Be- und Entladung der Flurförderfahrzeuge erfolgt vollkommen automatisch.
Die Be- und Entladung der Flurförderfahrzeuge erfolgt vollkommen automatisch.
(Bild: Continental)

Alternative Lösungen, wie beispielsweise WLAN-Systeme, waren zu kostenintensiv und mit einer aufwendigen Installation durch die IT-Abteilung verbunden. Im Rahmen einer Roadshow wurde Meier auf die Produkte von Werma aufmerksam: „Nach einem ersten Gespräch haben wir ein Testsystem von Werma erhalten und das Meldesystem installiert“, resümiert er. Ende 2014 installierte Continental in Regensburg auf allen 12 Flurförderfahrzeugen, welche für den Materialtransport zwischen Logistik und Fertigung verantwortlich sind, eine Werma-Signalsäule sowie einem Funksender. Das System basiert auf einem Wireless Information Network und funktioniert als kostengünstiges, funkbasiertes Maschinendaten-Erfassungssystem zur Optimierung von Logistik, Fertigung und Montage.

Signalsäule als Funkschnittstelle

Die Schnittstelle dieses Systems ist eine Signalsäule auf jedem Flurförderfahrzeug. Durch den Bajonettverschluss wird jede Signalsäule mit einem Funksender ausgerüstet – eine mechanische als auch elektrische Verbindung der einzelnen Elemente erfolgt über den Verschluss. Der Sender überträgt die Zustände der einzelnen Säulenelemente drahtlos an den Empfänger, der an den USB-Anschluss eines Rechners angeschlossen ist. In Regensburg steht dieser PC eine Etage tiefer, im Büro von Mathias Meier. Wann immer das Signal an einem Flurförderfahrzeug auf Störung geht, bekommt er eine Meldung auf seinem Bildschirm angezeigt. Darüber hinaus erhalten alle Mitarbeiter der jeweiligen Schicht eine Information über die vorliegende Störung auf ihr Mobiltelefon. Die Mitarbeiter können das aufgetretene Problem dann annehmen, bearbeiten und anschließend als „behoben“ quittieren. Der Zeitverlust pro Woche reduziert sich dadurch erheblich. Damit das Funksignal trotz der Distanz zuverlässig übertragen werden kann, befindet sich auf der Gesamtstrecke der Förderbahn ein Repeater, welcher das zu übertragene Signal verstärkt und weiterleitet. Alle übertragenen Informationen werden in der mitgelieferten Datenbank gespeichert. Die Software hat zusätzliche Funktionen wie Analysemöglichkeiten und Auswertungen – sie soll dafür sorgen, dass stets der Zustand des Logistikprozesses sichtbar ist. Die Investitionskosten beliefen sich für das gesamte System auf etwa 4000 Euro. Eine Erweiterung ist problemlos möglich.

Dieser Beitrag erschien zuerst in unserem Schwesterportal http://www.konstruktionspraxis.vogel.de/fehlermeldung-in-echtzeit-a-546963/.

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