Produktpiraterie

Fingerabdruck: Papierstruktur von Verpackungen verrät Produktpiraten

21.05.2010 | Redakteur: Bernd Maienschein

Das Fraunhofer-IPM hat mit Partnern eine kostengünstige Methode zur Echtheitsprüfung von Medikamenten entwickelt, die mit einer speziellen Software und einem optischen Prüfgerät auskommt. Bild: Fraunhofer-IPM
Das Fraunhofer-IPM hat mit Partnern eine kostengünstige Methode zur Echtheitsprüfung von Medikamenten entwickelt, die mit einer speziellen Software und einem optischen Prüfgerät auskommt. Bild: Fraunhofer-IPM

Im Rahmen des Projekts O-PUR hat das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) mit Partnern eine Möglichkeit zur Echtheitsprüfung von Medikamenten mit einer speziellen Software und einem optischen Prüfgerät entwickelt - einfach, kostengünstig und absolut fälschungssicher, wie es heißt.

Die EU-Kommission zeigt sich nach Angaben des Fraunhofer-IPM „äußerst besorgt“ über die hohe Zahl an gefälschten Medikamenten, die beim Patienten landen. Industriekommissar und Kommissions-Vizepräsident Günter Verheugen nennt es sogar ein „Kapitalverbrechen“.

Verblüffend einfache Methode gefunden

Woran erkennt man aber falsche Medikamente? Für diese Fragestellung haben Forscher am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik (IMP) in Freiburg zusammen mit der Hochschule Mannheim eigenen Angaben zufolge eine verblüffend einfache Antwort gefunden: Sie nehmen während der Produktion einen „Fingerabdruck“ jeder Packung auf, anhand dessen sich individuelle Merkmale jeder einzelnen Packung nachweisen lassen.

Auftrag und Trocknung der Druckfarbe erfolgen nämlich aufgrund der Papierstruktur bei jeder Packung geringfügig anders. Ein spezieller aufgedruckter Barcode ermögliche bei Bedarf einen einfachen Abgleich im Internet und damit das sichere Erkennen von Fälschungen, die zwangsläufig eine andere Papierstruktur aufweisen. Eine von der Datenbank als „echt“ erkannte Schachtel gebe dem Patienten die Sicherheit, ein originales Medikament in der Hand zu halten, so das Institut.

Jede Verpackung stellt ein Unikat dar

Durch die Entwicklung wird es möglich, jede einzelne Packung im Herstellungsprozess zu erfassen, zu identifizieren und den abgeleiteten digitalen Code in einer Datenbank zu hinterlegen. Keine leichte Aufgabe, wenn man die hohen Produktivitäten zum Beispiel moderner Offsetdruckmaschinen bedenkt: Hier werden die bedruckten Bögen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 10 m/s vorwärts geschoben, wobei die feinen Papierstrukturen nur Bruchteile von Millimetern groß sind.

Trotzdem erreiche das Verfahren, dessen Leistungsfähigkeit zur Zeit im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekt O-PUR zusammen mit dem Druckmaschinenhersteller MAN Roland nachgewiesen wird, beim Einsatzbeispiel „Bogenoffsetdruck“ einen beeindruckend hohen Sicherheitsstandard - und das bei Kosten, die weit unter denen von nachträglich aufgebrachten Sicherheitsmerkmalen lägen.

„Da wir kein zusätzliches Material aufbringen, sondern den vorhandenen Offsetdruck einfach mitnutzen, könnte man sagen, dass wir die Sicherheit quasi zum Nulltarif liefern“, erklärt Dr. Dominik Giel, Gruppenleiter Optische Mikrostrukturtechnik (OMT) am Fraunhofer-IPM.

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