Vertriebsstrategie Finnischer Logistikdienstleister Inex Partners stellt auf Omnichannel-Vertrieb

Von Udo Schwarz

Während des laufenden Betriebes wird in Skandinavien aktuell ein leistungsstarkes Store-Logistik-Zentrum zu einem Omnichannel-Logistikzentrum erweitert. E-Commerce- sowie Click-&-Collect-Aufträge werden in den Vertrieb integriert.

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Großvolumige Artikel werden wegeoptimiert über das Witron-CPS-System kommissioniert.
Großvolumige Artikel werden wegeoptimiert über das Witron-CPS-System kommissioniert.
(Bild: Witron)

Seit April 2012 kommissioniert der finnische Logistikdienstleister Inex Partners, Tochter des Handelsunternehmens SOK, sämtliche General-Merchandise-Artikel am Standort Sipoo mit automatisierten und manuellen Logistiksystemen des Generalunternehmers Witron. Bisher wurden aus der 68.000 Quadratmeter großen Anlage in der Nähe von Helsinki ausschließlich die 1.000 Filialen des Konzerns aus einem wechselnden Sortiment von jährlich über 300.000 verschiedenen Artikeln beliefert. Zukünftig wird auch die Logistik für das schnell wachsende E-Commerce-Geschäft sowie die Abwicklung von Click-&-Collect-Aufträgen integriert. Ziel von SOK/Inex ist es, unterschiedlichste Vertriebswege zentral aus einem Logistikzentrum wirtschaftlich und flexibel abzuwickeln – Filiale, Click-&-Collect, Home-Shopping. Die produktive Nutzung der Lösung ist noch für das erste Quartal 2022 geplant.

Flexible Prozessstruktur entscheidender Faktor

Das Inex-Verteilzentrum in Sipoo gilt als eines der leistungsstärksten Logistikzentren in Nordeuropa, ausgelegt für eine tägliche Kommissionierleistung vom über 1 Million Pickeinheiten – Kleidung, Kosmetik, Sportartikel, elektronische Geräte, DVDs, Gartenartikel und Möbel.

Da viele der Non-Food-Artikel dem Mode- beziehungsweise Musikgeschmack oder dem Wechsel der Jahreszeiten unterliegen – was in Konsequenz einem permanenten Artikelwechsel bedeutet –, waren in den Materialflussprozessen von Beginn an hochdynamische und flexible logistische Strukturen gefordert. Diese hohe Flexibilität für die Belieferung von circa 1.000 Filialen ist jetzt auch ein entscheidender Faktor bei der Erschließung und logistischen Integration weiterer Vertriebswege wie Click-&-Collect und das Homeshopping.

Schneller Durchlauf, sinkende Logistikkosten

Nicht nur der Covid-19-Pandemie geschuldet, steigt der Anteil online bestellter Waren auch in Finnland stetig. Konnten die Onlinebestellungen bis dato noch direkt in der Filiale von den Store-Mitarbeitern manuell kommissioniert und anschließend von dort aus versandt werden, so wurde bei Inex jetzt eine „kritische Masse“ erreicht, die diese Art der Abwicklung nicht mehr wirtschaftlich erscheinen lässt. Auch im Hinblick auf die künftig zu erwartende Zunahme des Auftragsvolumens ist dies von den Mitarbeitern im Shop nicht mehr abzudecken.

Zentrale Abwicklung im Logistikzentrum entlastet Mitarbeiter im Store

Schneller, flexibler und mit deutlich weniger Logistikkosten verbunden ist dagegen die Prozessabwicklung direkt im Logistikzentrum. Hier picken die Mitarbeiter kleinvolumige Artikel mit der teilautomatisierten Goods-to-Person-Lösung DPS (Dynamic Picking System), Pick-by-Light-geführt von Lagerbehältern oder Lagerpaletten in den Versandbehälter. Mit dem teilautomatisierten, Pick-by-Voice-unterstützten CPS (Car-Picking-System) werden großvolumige beziehungsweise schwere Artikel in der Pickgasse von der Lagerpalette oder Layertrays wegeoptimiert in Rollcontainer geschlichtet. Dabei ist es für den Worker nicht relevant, ob es sich um einen Filial-, Home-Shopping- oder Click-&-Collect-Auftrag handelt. Aufgrund des in der Regel niedrigen Artikelvolumens der E-Commerce-Aufträge werden bei der Kommissionierung Behälter gebildet, in welche für mehrere Onlinekunden parallel kommissioniert wird.

Nicht nur Handelseinheiten, sondern auch „Single Items“ können online bestellt werden.
Nicht nur Handelseinheiten, sondern auch „Single Items“ können online bestellt werden.
(Bild: Witron)

Nach Abschluss der Kommissionierung werden zunächst sämtliche DPS-Auftragsbehälter mit Onlinebestellungen in einem automatisierten Order-Consolidation-Puffer zwischengelagert, anschließend mechanisiert auf Paletten gestapelt und mittels Stapler in einen E-Commerce-Sortierbereich gebracht. Dort treffen sie auf die Rollcontainer aus dem CPS-Bereich. Im dann beginnenden Konsolidierungsprozess werden sämtliche klein- und großvolumigen Artikel gescannt und in einem Fachbodenregal manuell der jeweiligen Kundenbestellung zugeordnet, nachfolgend verpackt und für den Versand vorbereitet. Bei Bestellungen von Einzelartikeln entfällt der Konsolidierungsprozess: Sie werden gescannt und direkt von der Kiste in den Karton gepackt. Mittels eines Dienstleisters werden die Bestellungen direkt an die Haustüre der Kunden geliefert. Alternativ dazu kann die Auslieferung auch in Form von Click-&-Collect-Aufträgen an in die Filialen erfolgen.

Hohe Durchgängigkeit bis hin zu den Retouren

Die während des laufenden Betriebs integrierten Abläufe überzeugen dabei mit ihrer Durchgängigkeit. Prinzipiell stehen dem SOK/Inex-Kunden aufgrund der konzipierten Abwicklung sämtliche Artikel aus dem im Jahr bis zu 300.000 Produkten umfassenden General-Merchandise-Sortiment zur Verfügung – nicht nur als komplette Handelseinheit, sondern grundsätzlich ebenso als sogenannte „Single Items“. Die Bildung der Einzelstücke wird dynamisch je nach Bedarf bereits im Vorfeld der Kommissionierung in einem separaten Prozess generiert. Im Logistikzentrum erfolgt darüber hinaus die komplette Abwicklung der Retouren, welche dem Lagerbestand wieder zugeführt werden.

Auf zukünftiges Wachstum ausgelegt

Die Verheiratung der Vertriebswege E-Commerce und Click-&-Collect mit dem Filialgeschäft sowie die Lagerung, Kommissionierung und der Versand aus einem einzigen Logistikzentrum sind auf zukünftiges Wachstum ausgelegt.

Onlinebestellungen mit kleinvolumigen Artikeln werden bei Inex im Witron-DPS-System kommissioniert.
Onlinebestellungen mit kleinvolumigen Artikeln werden bei Inex im Witron-DPS-System kommissioniert.
(Bild: Witron)

So ist aufgrund der sukzessiven Umstellung der 1.000 SOK-Filialen auf den neu integrierten Omnichannel-Prozess sowie durch die Erhöhung der E-Commerce-Aufkommens insgesamt in den kommenden Jahren ein signifikanter Zuwachs zu erwarten. Neben einem weiter zunehmenden Premium-Kundenservice – sowohl in den Stores als auch im Onlinegeschäft – bedeutet dies für Inex eine Vielfalt an weiteren Vorteilen: die wirtschaftliche und flexible Abwicklung für alle Vertriebswege, die Abwicklung mit dem gleichen Logistikpersonal und der gleichen Technologie, was eine schnelle Reaktion bei Schwankungen und Auftragsspitzen (Black Friday) beinhaltet, keine separaten Logistikbereiche und Artikelbevorratung für verschiedene Vertriebswege, eine hohe Nachhaltigkeit im Versandt, et cetera. ■

* Udo Schwarz ist Marketing Manager bei der Witron Logistik + Informatik GmbH, 92711 Parkstein, Tel. +49 9602 6000, info@witron.de

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