Fördern Fördertechnik löst viele Probleme

Autor / Redakteur: Rainer Burckart / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

In der Industrie, der Lebensmittelhygiene und der Medizin sorgen kreative Anwendungen der Fördertechnik für mehr Lebensqualität. Fördertechniksysteme zählen dort zu den am meisten individualisierten Vorrichtungen, denn bei verketteten Produktionsprozessen müssen häufig spezifische Einzelanforderungen berücksichtigt werden.

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Über 1 Mio. Steppbettdecken und 2,5 Mio. Kopfkissen mit Daunen und Federn werden bei Behr pro Jahr hergestellt. Jetzt war eine neue Nähereihalle notwendig, die Keiper mit einer Anlage für den Warenfluss in die benachbarte Verpackungshalle ausstattete. Bild: Keiper
Über 1 Mio. Steppbettdecken und 2,5 Mio. Kopfkissen mit Daunen und Federn werden bei Behr pro Jahr hergestellt. Jetzt war eine neue Nähereihalle notwendig, die Keiper mit einer Anlage für den Warenfluss in die benachbarte Verpackungshalle ausstattete. Bild: Keiper
( Archiv: Vogel Business Media )

Innovative Transport- und Fördertechniksysteme für zahlreiche Industriebereiche bilden seit rund 50 Jahren das Schwergewicht im Entwicklungs- und Konstruktionsprogramm der Ludwig Keiper GmbH in Obermoschel. Dazu zählen auch fördertechnische Spezialitäten und Anwendungen auf dem Lebensmittelsektor und in der Veterinärmedizin. Für ein Unterwasser-Laufband als Rehabilitationsmaßnahme für gelenkgeschädigte Hunde beispielsweise wurde Keiper von der rheinland-pfälzischen Regierung mit dem Innovationspreis ausgezeichnet.

Fördertechnik muss oft Einzelanforderungen berücksichtigen

Fördertechniksysteme zählen zu den am meisten individualisierten Anwendungen in der Industrie, denn bei den Verkettungen von Produktionsprozessen müssen sehr häufig auf relativ kurzen Förderstrecken spezifische Einzelanforderungen berücksichtigt werden, wie beispielsweise bei dem Bettwarenhersteller Richard Behr GmbH in Kaltenkirchen (Schleswig-Holstein). Seit über 30 Jahren konfektioniert das Unternehmen Steppbettdecken und Kopfkissen mit Daunen und Federn, die über Versender, Discounter und Supermärkte vertrieben werden. Im Ausland stattet Behr hauptsächlich internationale Hotelketten aus. Jährlich fertigt das Unternehmen über 1 Mio. Decken und rund 2,5 Mio. Kopfkissen.

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Das Hallenensemble auf dem Betriebsgelände wurde jetzt durch eine rund 2000 m2 große Halle ergänzt, in der Decken und Kissen nach dem Befüllen vernäht werden. Da sich der Verpackungsbereich in einer Nachbarhalle befindet, musste eine übergreifende Materialflussverbindung mit Anschluss an die dort bereits bestehende Fördereinrichtung geschaffen werden.

Förderanlage mit Steigungen von über 35°

In der neuen Nähhalle konzipierte Keiper die Förderanlage wegen des notwendigen Freiraums für den Staplerverkehr hängend, mit Steigungen von über 35°, unter der Hallendecke. Außerdem musste die Förderstrecke durch die Brandmauer in die Nachbarhalle geführt werden. Dafür war eine aufwendige Brandschutzeinrichtung mit automatisch schließenden Schutz- und Abtrennklappen notwendig, verbunden mit einer Nebelsprühanlage, um im Notfall innerhalb von Sekunden der Luft den Sauerstoff zu entziehen und dadurch die Flammen zu ersticken.

Bedingt durch die vielen unterschiedlich bedruckten Verpackungsmaterialien, die das Unternehmen laut Firmenchef Jürgen Habertag ständig auf Lager haben muss, hat der Brandschutz bei Behr eine sehr große Bedeutung, was sich auch im finanziellen Aufwand niederschlägt. Bisher hat Behr über eine halbe Million Euro für die entsprechenden Maßnahmen ausgegeben.

Solche extensive Schutzeinrichtungen müssen die Keiper-Fördertechnikspezialisten nicht berücksichtigen, wenn sie ein Reifenlager mit einem Senkrechtkettenförderer (LK-Reifenlift) für die vertikale Etagenlagerung ausstatten. Lediglich bei größeren Transporthöhen muss aus Sicherheitsgründen ein Fangkorb angebracht werden, denn immerhin kann die verschleißarme Stahlgliederkette alle Reifen bis in eine Höhe von über 25 m bringen. Die Liftaufgabe der Reifen kann manuell oder teilautomatisiert erfolgen.

Förderer für manuelle und teilautomatisierte Bedienung

Für den manuellen Aufgabeprozess ist der Förderer mit einer klappbaren Reifen-Aufnahmevorrichtung ausgerüstet. Bei der teilautomatisierten Aufgabe, die besonders bei schweren Lkw-Reifen eingesetzt wird, greifen die Kippmitnehmergabeln bei laufender Kette den bereitstehenden felgenlosen Reifen und transportieren ihn senkrecht nach oben. Auf der entsprechenden Lageretage sorgt eine Ausklinkmechanik für ein schonendes Abstreifen des Reifens auf den Lagerboden.

Fördertechnik eignet sich auch zum Eierkochen — besonders, wenn eine große Menge Eier auf einmal schnell gekocht werden muss. Weil dafür alle traditionellen Methoden nicht ausreichten, suchte eine Großküche bei Maschinenbauern nach entsprechenden Lösungen. Der Entwicklungsvorschlag von Keiper war eine fördertechnische Eierkochanlage.

Förderanlage lässt Eier wunschgerecht kochen

Dazu werden die Eier auf einem Drahtgliedergurt über einem trog-ähnlichen Wasserkocher durch den heißen Dampf des kochenden Wassers geführt. Da die Geschwindigkeit des Förderbandes regulierbar ist, können die Eier wunschgerecht weich, wachsweich und hart gekocht werden.

Viel Aufmerksamkeit für die Nutzung der Fördertechnik bei der Qualitätssicherung von Lebensmitteln erzielte Keiper mit seiner Inspektionsanlage für Fischprodukte. Als die Presse über den Befall von Speisefischen mit Nematoden (Fadenwürmern) berichtete, stürzte die gesamte Fischwirtschaft in ihre größte Krise. Große Abbildungen der Nematoden lösten bei den Konsumenten Gefühle von Ekel aus, verdarben ihnen den Fischappetit und ruinierten den vormals so guten Ruf dieses Lebensmittels. Die Fischindustrie fiel in ein tiefes Umsatz- und Ertragsloch.

Förderanlage mit transparentem PVC-Band hilft bei Lebensmittelsicherheit

Einen Ausweg aus diesem Dilemma konnte Keiper mit seiner Fischfilet-Durchleuchtungsanlage aufzeigen. Keiper baute eine Förderanlage mit einem transparenten PVC-Band, das über eine Batterie von Lichtstrahlern geführt wurde. Dabei konnten alle auf dem Band liegenden Fischfilets schnell auf einen etwaigen Parasitenbefall inspiziert werden.

Fördertechnik hilft nicht nur für gesunde Lebensmittel, sie kann auch für mehr Gesundheit sorgen. Speziell bei Hunden, die weltweit täglich physiotherapeutisch in Tierarztpraxen und Veterinärkliniken behandelt werden. Dabei wird bei postoperativen Behandlungen nach orthopädischen Eingriffen oder Gelenk- und Rückenmarkserkrankungen von Hunden der Keiper-„Water-Walker“ eingesetzt.

Das ist ein Unterwasser-Laufband, mit dem eine geschwächte Muskulatur schonend wieder aufgebaut wird, da die Unterwassertherapie das Eigengewicht des Tieres bis zu 90% reduziert. Außerdem wird damit gleichzeitig auch Arthrose, Verschleiß oder Muskelverhärtungen vorgebeugt.

Millimetergenaue Einstellung der Arbeitshöhe möglich

Das Wasserbecken lässt sich in jedem Raum aufstellen, da es mit den Maßen 1750 mm × 790 mm × 200 mm (L × B × H) durch handelsübliche Türrahmen passt. Alle Metallbauelemente inklusive der Bodenplatte bestehen aus poliertem, nicht rostendem Edelstahl (V4A), die Scheiben aus einem gegen Wasch- und Reinigungsmittel resistenten Spezialaquariumglas.

Die Laufbandkonstruktion aus gekantetem Edelstahlblech vermittelt im Wasserbecken einen schwerelos schwebenden Eindruck. Lediglich an einer Seite ist eine Spindelhubvorrichtung zum Heben und Senken des Laufbands angebracht. Die Arbeitshöhe lässt sich millimetergenau einstellen.

Fördertechnik wird immer vielfältiger

Der stufenlos regelbare Laufgurt ist aus einem rutschfesten Material und für den dauerhaften Unterwassereinsatz testiert. Durch den Antrieb über einen in der Gurtrolle integrierten Trommelmotor entfallen Antriebsketten, Riemen und Ölhydraulik. Die dazu eingesetzte 24-V-Technik ist sowohl für den Menschen als auch für das im Wasser trainierende Tier vollkommen gefahrlos.

Die Einsatzvielfalt von Fördertechniksystemen wird sich in Zukunft noch verstärken, da die Anforderungen nach schnellen und effizienten Lösungen in weitestgehend allen Lebensbereichen zunehmen werden. Schon heute wirken sich die kontinuierlich weiterentwickelten Anwendungsmöglichkeiten hilfreich bei der Gestaltung von Lebens- und Arbeitsqualität aus.

Dipl.-Wirtsch.-Ing. Rainer Burckart ist Geschäftsführer der Ludwig Keiper GmbH & Co. KG in 67823 Obermoschel

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