Krantechnik

Wenn der Bus an die Decke geht

| Autor: Bernd Maienschein

Im Modell: Als regionales Aushängeschild mit starkem vertrieblichen Fokus dient das „KranHaus“ ABUS in erster Linie dazu, Aufträge zu erzeugen.
Im Modell: Als regionales Aushängeschild mit starkem vertrieblichen Fokus dient das „KranHaus“ ABUS in erster Linie dazu, Aufträge zu erzeugen. (Bild: ABUS)

Archimedes, Da Vinci und Newton sind klangvolle Namen, derer sich ABUS für die Räume im Konferenzbereich seines brandneuen „KranHaus“ bedient. Doch bevor man diese Ebene des Neubaus und die Kranwerkstatt darüber erreicht, führt der Weg zuerst einmal durch die Kranhalle im Erdgeschoss – das eigentliche Herz des „KranHaus“ im Gummersbacher Ortsteil Herreshagen, einem von vier Produktionsstandorten des Unternehmens im Oberbergischen Kreis.

Fragt man Michael Bühne, Sohn des ABUS-Senior-Chefs Lothar Bühne, nach der Motivation für den Bau der neuen Location, so ist die Antwort ebenso klar wie eindeutig: „Das ,KranHaus‘ ist ein regionales Aushängeschild mit starkem vertrieblichen Fokus. Sein Ziel ist es, Aufträge zu erzeugen“, so der für den Vertrieb zuständige Junior-Chef. Klar, das „KranHaus“, allen voran mit seiner 1600 m² großen Kranhalle, ist kein reiner Selbstzweck, sondern will weltweit Besucher und Interessenten ins Bergische Land lotsen, um ihnen vor Ort die Vielfalt der 35 dort ausgestellten Krane fühlen und erleben zu lassen.

Dass dieses Ansinnen gute Aussichten auf Erfolg hat, beweisen die nackten Zahlen: ABUS als einer von nur noch sechs deutschen Kranbauern beliefert alle Branchen und exportiert seine Hebezeuge in 55 Länder, wobei die Crane-Kits im Ausland zusammengebaut werden. In Europa sind etwa 1100 Mitarbeiter beschäftigt, die zusammengenommen 500 Stunden Kranberatung am Tag leisten. Auch dabei steht der Kunde im Fokus allen Trachtens. „Das Thema Kundengewinnung muss für uns jeden Tag im Vordergrund stehen“, sagt Michael Bühne. Dabei sei auch der Service gar nicht hoch genug zu bewerten. „Kundenzufriedenheit wird über professionellen Service erzeugt.“ Und das „KranHaus“ soll in naher Zukunft nicht nur als Showroom, sondern auch für die Durchführung verschiedenster branchen- und industriebezogener Events dienen.

Schweißerlebnis im Kastenträger

Auf der Tour durch die Kranhalle kann der aufmerksame Betrachter viele technische Details erleben, die man bei ABUS als Alleinstellungsmerkmal identifiziert. Da ist zum einen der Kastenträger, das „Rückgrat“ des Krans, der mit maximal 3 m Höhe eine absolute Kernkompetenz der Gummersbacher ist. Das Besondere bei ABUS: Die sechs Schweißnähte werden in einem eigenständigen Schweißvorgang gleichzeitig gezogen – so vermeidet man Verzug. Wie gleichmäßig das geschieht, wird einem in absoluter Dunkelheit im Inneren des Kastenträgers vorgeführt.

Eine weitere Neuerung ist im Gegensatz zur zweistufigen die stufenlose Fahrgeschwindigkeit der Kransteuerung. Die zweistufige „ABULiner“-Steuerung hätte aber nach wie vor ihre Daseinsberechtigung, heißt es. Überhaupt sieht man bei ABUS die Steuerung als zentrales Element einer Krananlage. „ABUControl vs. Kranelektrik 3.6“ ist dann auch die Devise einer Ausstellungsstation. Dabei werden zwei verschiedene Elektronikkomponenten verglichen.

Flexibel wie bei einer Ziehharmonika

ABUS-Geschäftsführer Dr. Eckhard Bube formuliert bei seinem Vortrag zur neuen State-of-the-Art-Kransteuerung „ABUControl“ als Ziel von Industrie 4.0 die hochflexible Serienproduktion von kundenindividuellen Produkten. Ganz diesem Credo folgend, sind sämtliche Komponenten der ab sofort für alle Laufkranarten aus Gummersbach lieferbaren Steuerung steckbar. Die zentrale Recheneinheit ist eine SPS, systemintern wird das Ganze über ein Bussysteme und Bluetooth geregelt. Etwas salopp: Der Bus geht sozusagen an die Decke. Zur Visualisierung und Steuerung der Intelligenz von „ABUControl“ dient die Software „Kran OS“.

Auf der Dachterrasse des „KranHaus“, im dritten Stock, kann man die Dimensionen des Neubaus und der noch freien Flächen erkennen, die sich die Gummersbacher Kranbauer gesichert haben. Und genügend Platz ist auch in Sachen Service wichtig: Wenn ein Kunde anruft und seinen gewünschten Liefertermin kurzfristig verschieben möchte, kann ABUS das relativ flexibel handhaben. Denn weil genügend Platz zum Zwischenlagern schon fertiger Krane vorhanden ist und die Mitarbeiter bei Eilaufträgen auch schon einmal die ein oder andere Sonderschicht fahren, können die Kranbauer die Lieferzeit ihrer Hebehilfen, wie bei einer Ziehharmonika, flexibel verlängern oder verkürzen.

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