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Logistikdienstleister Franzosen beschließen Lex Amazon

| Redakteur: Robert Weber

Gestern hat der französische Senat, nach der Nationalversammlung, einem Gesetz zugestimmt, das den französischen Buchhandel vor dem Onlinehandel schützen soll. Der 5%-Preisnachlass darf nach Wünschen linker und rechter Politiker nicht mit einer kostenlosen Belieferung verbunden werden. MM Logistik hat nachgefragt.

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Die Lex Amazon im Überblick. Eine Kombination von Rabatt und kostenloser Lieferung gehört der Vergangenheit an.
Die Lex Amazon im Überblick. Eine Kombination von Rabatt und kostenloser Lieferung gehört der Vergangenheit an.
(Bild: Französischer Senat)

Für den Würzburger Buchhändler Werner Beyer ist die Entscheidung aus Paris „der entscheidende Hebel“, um den lokalen Buchhandel zu stärken. Er und drei weitere Würzburger Buchhändler haben deshalb das Bündnis "Lass´ den Klick in Deiner Stadt" gegründet (mehr hier). Viele stationäre Buchhändler sehen in der kostenlosen Lieferung eine Untergrabung der Preisbindung, heißt es in der Branche.

„Das Gesetz zielt nicht darauf ab, den Verkauf von Büchern über das Internet zu behindern, sondern um einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten“, erklärte die französische Ministerin für Kultur und Kommunikation Aurélie Filippetti in einem Interview. Profitieren von dem Gesetzt sollen die rund 3000 unabhängigen Buchhändler in Frankreich, deren Rentabilität laut Zeitungsrecherchen zwischen 0,6 und 2 % liegen.

Geht die kulturelle Vielfalt verloren?

Der Onlineriese Amazon kritisiert das Gesetz. „Jede Maßnahme, um den Preis des Buches im Internet zu erhöhen, schwächt die Kaufkraft der französischen Verbraucher“, zitiert die Tageszeitung „Le Monde“ das Unternehmen. Außerdem leide die kulturelle Vielfalt, behauptet Roman Voog, Chef von Amazon Frankreich. Das berichtet der „Buchreport“. Amazon begründet das unter anderem damit, dass die Plattform auch zahlreiche alte Bücher bevorratet.

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Auch in den sozialen Netzwerken entbrennt eine Diskussion über den Sinn und die direkten Auswirkungen des Gesetzes. Französische Twitternutzer bedienen sich dabei vor allem der Kanäle des Kulturministeriums (@MinistereCC) und des französischen Senats (@Senat_Direct), um ihrem Ärger Luft zu machen oder ihrer Unterstützung zu verkünden. Die Kritiker fragen sich beispielsweise, was der Beschluss für Amazon-Premium-Kunden bedeutet und ob das Unternehmen nicht mit Versandkosten von 5 Cent oder weniger das Gesetz aushebeln könnte.

Das Gesetz ist dumm

Nicht nur Amazon ist enttäuscht über die Politik. Auch andere Versandhändler kritisieren die Politik. „Das Gesetz ist dumm“, erklärte Jacques-Antoine Granjon, Gründer des E-Commerce-Unternehmens Vente Privee, bereits im Herbst das Gesetz im Gespräch mit der deutsche Tageszeitung„Die Welt“ (mehr zum Unternehmen und der Logistik von Vente Privee lesen Sie hier). „Es wird die Leute nicht davon abhalten, weiter Bücher bei Amazon zu kaufen.“ Granjon unterstützt das Argument von Amazon, dass durch die Gesetzgebung die Verbraucher mehr Geld für Bücher ausgeben müssten. „Das Gesetz ist nur für die Regierung gut, denn es spült ihr mehr Einnahmen in die Kassen“, behauptet der Unternehmer.

Rechtlich fragwürdig

Und was sagen deutsche Unternehmen? Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels sieht den Vorstoss der Franzosen kritisch. "Beschränkungen des Verkaufs über das Internet halten wir für problematisch. Der französische Gesetzgeber greift massiv in die unternehmerische Freiheit und in den Wettbewerb im Buchhandel ein. Für die französischen Verbraucher bedeutet das eine deutliche Verschlechterung, da ihnen der Zugang zu versandkostenfreien Angeboten von Print-Büchern verwehrt wird. Zudem führt eine solche Regelung zu einer Schwächung des Print-Marktes gegenüber dem zunehmend erfolgreichen E-Book-Markt. In Deutschland besteht im Buchhandel ein besonderer Schutz durch die Buchpreisbindung, die auch für E-Books gilt. Diese würde aber durch einen Zwang zur Erhebung von Versandkosten für den Onlinehandel mit Printbüchern im Ergebnis unterwandert. Wir halten eine solche Regelung für Deutschland daher für rechtlich fragwürdig und rechnen nicht mit einer entsprechenden Änderung im deutschen Recht", erklärt Stephanie Schmidt, Justitiarin des BVH.

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