Konjunktur Für einen Aufschwung gibt es zahlreiche gute Gründe

Autor / Redakteur: Michael Grömling / Peter Steinmüller

Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den größten Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Ob es in diesem Jahr bereits zu einer sachten Erholung kommt, ist gegenwärtig offen. Gleichwohl besteht berechtigte Hoffnung, dass die Weltwirtschaft zum rasanten Wachstum der vergangenen Jahre zurückkehren kann.

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Die Finanzmarktkrise hat mehr und mehr auf die Realwirtschaft durchgeschlagen. Dies wird sich im Jahr 2009 trotz vieler nationaler Konjunkturpakete fortsetzen. Möglicherweise schleppt sich die Weltwirtschaft nach dem derzeitigen Absturz in eine längere Stagnationsphase. Gleichwohl besteht berechtigte Hoffnung, dass sich die hohe Dynamik, die in nahezu allen Weltregionen in den vergangenen Jahren zu beobachten war, wieder einstellen kann.:

  • Die Wohlstandsorientierung der Bevölkerungen in den aufstrebenden Volkswirtschaften — vor allem vor dem Hintergrund der zuletzt realisierten Wohlstandsfortschritte — öffnen den stark auf Vorleistungs- und Investitionsgütern ausgerichteten deutschen Industrieunternehmen gute Chancen.
  • Hinzu kommen Wachstumsimpulse einer wachsenden Weltbevölkerung, die immer mehr in Städten leben wird. Die Weltbevölkerung wird in den kommenden vier Dekaden um rund 50% auf weit über 9 Mrd. Menschen ansteigen. Davon werden 70% in Städten wohnen.
  • Die klimatischen Veränderungen, die im Trend steigende Ressourcennachfrage und die wachsenden Sicherheitsbedürfnisse erfordern beständig industrielle Problemlösungen.
  • Schließlich bieten die allgemeine technologische Entwicklung sowie die steigende Bedeutung von Wissen und Informationen vielen Industrieunternehmen in Verbindung mit unternehmensnahen Dienstleistern eine gute Entwicklungsbasis.

Ein neuer Investitionsboom ist möglich

Die skizzierten Trends stellen Herausforderungen dar, die eine gewaltige Investitionstätigkeit rund um den Globus erfordern. Gerade der vergangene Aufschwung hat gezeigt, welcher Investitionsboom möglich ist (siehe Grafik). Im Zeitraum 2002 bis 2007 haben sich die jährlichen globalen Bruttoanlageinvestitionen nach einer langen Stagnationsphase auf rund 14 000 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppelt. Die Anpassungslasten durch den Klimawandel, durch die Ressourcenknappheit und durch das Bevölkerungswachstum bedürfen in Zukunft vielfältiger industrieller Problemlösungen.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Durch die zunehmende Urbanisierung bestehen bereits heute enorme Knappheitsprobleme im Bereich der Versorgung und Entsorgung. In vielen Städten von Entwicklungsländern ist nur jeder zweite Haushalt an die Trinkwasserversorgung angeschlossen.

Den Blick nach vorne richten

Diese Megatrends werden die industrielle Entwicklung auch in naher Zukunft maßgeblich begünstigen. Gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Wirtschaftskrise ist es notwendig, den Blick nach vorn zu richten und die zukünftigen Potenziale zu sichten. Der Investitionsbedarf ist das eine, die Investitionsmöglichkeiten sind das andere.

Viele der bereits bestehenden Infrastrukturmängel sowohl in den hochentwickelten wie vor allem den aufstrebenden Volkswirtschaften liegen daran, dass keine ausreichenden Finanzierungsmittel für Infrastrukturinvestitionen bereitstehen. Möglicherweise haben in der Vergangenheit solche realwirtschaftlichen Investitionsprojekte gegenüber Finanzmarktinvestitionen den Kürzeren gezogen.

Lässt man eine öffentliche Finanzierung über steigende Steuern oder Schulden außen vor, dann bleiben mittelfristig folgende Optionen: eine Neustrukturierung der Staatsausgaben hin zu öffentlichen Investitionen, eine intensivere Kooperation von Staat und Privatwirtschaft und eine stärkere Privatisierung von Infrastruktur.

Risikoeinschätzung hat sich verändert

Derzeit dürfte für die Finanzierung von Investitionsprojekten erschwerend hinzukommen, dass sich im Gefolge der globalen Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise die Risikoeinschätzung verändert hat. Höhere Risikoprämien und restriktivere Kreditbedingungen werden möglicherweise das globale Investitionsvolumen vermindern. Vor allem Investitionen mit einem stärkeren Risiko dürften auf dem Prüfstand stehen. Aber gerade hier liegt die Chance: Im Vergleich zu reinen Finanzmarktinvestitionen können reale Investitionsprojekte, besonders solche mit einem hohen Infrastrukturcharakter, an Attraktivität als „sicherer Hafen“ gewinnen.

Jedenfalls sollte von den mit dinglichen Sicherheiten gedeckten Investitionsanlagen ein verlässlicherer Renditestrom erwartet werden, als dies bei einer Reihe von Finanzmarktanlagen in der Vergangenheit der Fall war. Die Krise hilft hoffentlich, den Blick auf das Reale neu auszurichten.

Prof. Dr. Michael Grömling leitet das Referat Makroökonomische Grundsatzfragen beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) und ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Internationalen Fachhochschule Bad Honnef/Bonn.

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