Cemat

Gehören einfach zusammen: Industrie 4.0 und Logistik 4.0

| Redakteur: Bernd Maienschein

Auf der Hannover-Messe/Cemat wird der Mensch in den Mittelpunkt der Smart Supply Chain gerückt.
Auf der Hannover-Messe/Cemat wird der Mensch in den Mittelpunkt der Smart Supply Chain gerückt. (Bild/Photo: Deutsche Messe)

Ende April findet – erstmals parallel zur Hannover-Messe – die Cemat statt. Wir sprachen mit Cemat-Messechef Krister Sandvoss über erwartete Synergien beider Messen, die digitale Transformation und den steigenden Druck auf die Logistik.

Herr Sandvoss, seit September 2016 leiten Sie die weltweiten Cemat-Aktivitäten. Sind Sie noch Frequent Traveller oder schon Senator?

Krister Sandvoss: Ich war bereits vorher im internationalen Geschäft der Deutschen Messe AG tätig und damit häufig unterwegs. Dahingehend hat sich durch meine neue Aufgabe nichts verändert. Die globale Ausrichtung und Vernetzung der Cemat-Community sind ein klarer Vorteil für unsere Aussteller. Ich freue mich, dass ich meine internationalen Netzwerke jetzt für die Cemat nutzen und ausbauen kann. Darüber hinaus birgt die neue Nähe zur Hannover-Messe sehr viel Potenzial.

Krister Sandvoss ist seit dem 1. September 2016 bei der Deutschen Messe AG Abteilungsleiter der Cemat Worldwide. Damit verantwortet er neben der Cemat in Hannover die Auslandsmessen der Hannoveraner im Bereich Intralogistik.
Krister Sandvoss ist seit dem 1. September 2016 bei der Deutschen Messe AG Abteilungsleiter der Cemat Worldwide. Damit verantwortet er neben der Cemat in Hannover die Auslandsmessen der Hannoveraner im Bereich Intralogistik. (Bild/Photo: Deutsche Messe)

Neben Ihrer Weltleitmesse, der Cemat in Hannover, sind Sie für die Ableger unter anderem in Asien, Australien und Südamerika verantwortlich. Welche Region macht Ihnen derzeit am meisten Spaß?

Sandvoss: Das kann ich ganz klar mit Asien beantworten. Dort veranstalten wir sowohl die Cemat Asia als auch die Cemat South East Asia. Erstere hat sich seit ihrer Gründung im Jahr 2000 hervorragend entwickelt. Sie ist die mit Abstand größte und bedeutendste Intralogistikmesse Asiens und endete in 2017 mit einem neuen Rekord an Ausstellern und Besuchern. In China haben unsere Aussteller derzeit die größten Wachstumschancen, da auch dort der Automatisierungsdruck groß ist. Nur so kann China die eigene Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer sichern. Ich persönlich freue mich, wenn unsere Kunden auf unseren Messen gute Geschäfte machen.

Der Markt bestätigt es: Industrie 4.0 und Logistik 4.0 gehören eindeutig zusammen.
Der Markt bestätigt es: Industrie 4.0 und Logistik 4.0 gehören eindeutig zusammen. (Bild/Photo: Deutsche Messe)

Zurück nach Hannover: Die Cemat rückt zeitlich und räumlich wieder an ihre einstige Keimzelle Hannover-Messe heran. Heißt das für Sie, dass „Industrie 4.0“ und „Logistik 4.0“ demnächst zusammenwachsen?

Sandvoss: Aus unserer Sicht gehören Industrie 4.0 und Logistik 4.0 eindeutig zusammen und das wird uns vom Markt bestätigt. Durch Industrie 4.0 ist die Intralogistik zu einem sehr wichtigen Schlüsselelement in der Produktion geworden. Je kleiner die Losgröße, je flexibler der Fertigungsprozess – desto anspruchsvoller wird die Materialbereitstellung. Moderne Intralogistik ist bereits Industrie-4.0-fähig. Viele Produkte und Lösungen sind schon digitalisiert und vernetzt, autonome Transportgeräte oder eine intelligente Lagerautomation ermöglichen damit eine effiziente und vor allem flexible Produktionsversorgung. Die digitale Transformation der Logistik, also die Logistik der Zukunft, auch in Verbindung mit der Produktion, können Besucher so nur in Hannover sehen.

Buzzword Digitalisierung, Herr Sandvoss: Logistik und Produktion sind doch schon seit jeher Geschwister, die miteinander arbeiten. Braucht es da eine noch stärkere Vernetzung? Verlieren die einzelnen Disziplinen so nicht ihre Identität?

Sandvoss: Ein klares Ja. Die Disziplinen müssen ihre Identität verändern, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die digitale Transformation wird nicht innerhalb einer Branche diskutiert, sondern mit vielen. Zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit ist die Vernetzung der Supply Chain über Unternehmensgrenzen hinweg notwendig. Es wird künftig mehr traditionelle Logistiker geben, die in neue Geschäftsfelder vordringen – zum Beispiel in die IT über Softwarekompetenz oder als Produzent mit 3D-Druck. Aber auch von außen wächst der Druck auf die Logistik durch neue Wettbewerber, wie zum Beispiel Amazon.

Der Still-Pavillon auf dem Freigelände war während der Cemat 2016 ein angesagter Treffpunkt für viele Besucher.
Der Still-Pavillon auf dem Freigelände war während der Cemat 2016 ein angesagter Treffpunkt für viele Besucher. (Bild/Photo: Deutsche Messe)

Der „Kollege Roboter“ kommt aus den menschenleeren Fabrikhallen heraus. Ist eine Mensch-Roboter-Kollaboration „auf Augenhöhe“ wirklich realistisch, werden dabei mittelfristig nicht eher Arbeitsplätze auf der Strecke bleiben?

Sandvoss: Die Mensch-Roboter-Kollaboration funktioniert bereits, wobei die kognitiven Fähigkeiten des Menschen bisher unerreicht sind. Aber die Entwicklung in der Robotertechnologie schreitet immens schnell voran. Dabei unterstützt der Roboter den Menschen in immer mehr Bereichen. Er fährt bereits autonom durchs Lager und kann einzelne Gegenstände greifen und transportieren. Durch Roboterunterstützung erhöht sich die Effizienz von Prozessen und sichert damit die Wettbewerbs- und Wachstumsfähigkeit von Unternehmen. Im Kern werden sich Aufgaben verschieben und neue entstehen. Natürlich müssen die Menschen bei dieser Entwicklung unterstützt werden, damit sie den Anschluss behalten. Früher gab es Kutscher, heute gibt es Lkw-Fahrer und morgen gibt es wieder neue Anforderungen an diese Berufsgruppe – das ist typisch für den industriellen Fortschritt.

Der Roboter wird aus meiner Sicht in einigen Feldern das Risiko der demografischen Entwicklung deutlich abmildern können. Aktuell übernehmen Roboter eher standardisierte Arbeitsschritte, die für den Menschen körperlich sehr anstrengend, nicht ergonomisch oder gefährlich sind. Der Mensch kann mit dieser Unterstützung Tätigkeiten nicht nur länger ausüben, sondern sich auch kreativen und kognitiv anspruchsvollen Themen widmen. Auf der Hannover-Messe/Cemat werden wir den Menschen in den Mittelpunkt der Smart Supply Chain rücken.

Herr Sandvoss, Sie haben im Claim der Messe das Kernthema, die technisch dominierte Intralogistik, um die eher „weiche“ Disziplin Supply Chain Management ergänzt. Sie wildern damit aber nicht in fremden Gewässern?

Sandvoss: Ganz und gar nicht. Die Intralogistik wandelt sich und damit wandelt sich auch der Marktplatz Messe. Während früher einzelne Produkte verkauft wurden, interessieren sich die Kunden heute dafür, wie sie die Supply Chain optimieren können, dabei spielen Digitalisierung und prozessübergreifende Lösungen eine entscheidende Rolle. Der Zusatz Supply Chain Management war damit überfällig, um den erweiterten Inhalten der Messe gerecht zu werden.

Mit dem VDMA, dem Fraunhofer-Institut und der BVL haben Sie sich wichtige Branchenplayer in den Forenbereich eingeladen. Was können Besucher von diesem Zusammenspiel erwarten?

Sandvoss: Die drei genannten Partner verfügen jeweils über ein großes Netzwerk sowie inhaltliche Expertise. Wir pflegen einen engen Kontakt und haben gemeinsam schon frühzeitig die Forenthemen festgelegt. Die Foren bringen Zugang zu Innovationen und stellen die drängenden Fragen der Branche sowie Zukunftsthemen ins Rampenlicht. Mittlerweile stehen dank des großen Engagements unserer Partner die meisten Inhalte. Ich kann nur empfehlen, einen Blick darauf zu werfen, denn ein Besuch der Cemat lohnt sich schon allein wegen der Foren.

Herr Sandvoss, wir sprechen hier immer nur über industrielle Anwendungen, dabei steckt auch im Handel ein riesiges Automatisierungspotenzial. Hat die Cemat das im Blick (Stichwort „Robotics4Retail“)?

Sandvoss: Wir haben den Handel fest im Blick. Der Effizienzdruck ist auch dort durch das zunehmende Onlinegeschäft beeinflusst. Der Bedarf an neuen Strukturen, Automatisierung und Flexibilisierung steigt. Die Cemat-Aussteller haben für den Handel passgenaue Lösungen im Gepäck. Das flankieren wir mit handelsrelevanten Themen und spezifischen Maßnahmen. In Kooperation mit dem EHI Retail Institute, Köln, veranstalten wir ein Forum zum Thema „Robotics4Retail“ und bieten eine Guided Tour. Mit weiteren Kooperationen, Medienpartnern und Social-Media-Kampagnen sowie auf das Thema Handel zugeschnittenen Inhalten erhöhen wir zusätzlich die Sichtbarkeit und steigern die Relevanz der Cemat für den Handel.

Herr Sandvoss, vielen Dank für das Interview!

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