Stanzen Gelungene Verbindung von Blechbearbeitung und Regalsystem

Redakteur: Annedore Munde

Die qualitativ hochwertige Blechbearbeitung ist das eine. Ein effektives Handling der Bleche ist dann das andere. Bei der Betrachtung von Prozessgestaltung und Kosten sind diese beiden Bereiche jedoch nicht voneinander zu trennen. Um deren Verknüpfung optimal zu gestalten, bedarf es einer Vielzahl an Überlegungen.

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Ein Hubbürstentisch sorgt für einen kratzfreien Arbeitsprozess.
Ein Hubbürstentisch sorgt für einen kratzfreien Arbeitsprozess.
( Archiv: Vogel Business Media )

Traditionell sind es die Maschinen von Trumpf, mit denen die Blechlagersysteme von Stopa Hand in Hand arbeiten. Auch bei der BVS Blechtechnik GmbH in Böblingen sind Blechbearbeitungsmaschinen des Ditzinger Unternehmens vertreten, so beispielsweise Trumatic 7000, Trupunch 5000, Trubend 7036, Trulaser Robot 5020 und Trulaser 7025.

Parallel zu diesen findet man in den Produktionshallen des schwäbischen Unternehmens auch Maschinen des japanischen Amada-Konzerns. „Als Blechbearbeiter wollen wir uns nicht auf einen Maschinenhersteller festlegen. Das, was zählt, sind die Kundenanforderungen und die damit deckungsgleichen Möglichkeiten, die wir mit einer bestimmten Anlage realisieren können“, erläutert BVS-Geschäftsführer Harald Steiner.

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Was zählt, sind die Maschineneckdaten

Im vergangenen Jahr entschied sich das Unternehmen für die Investition in eine neue Stanz-Laser-Anlage. Ersetzt werden sollte damit eine altgediente Doppelkopf-Lasermaschine. „Auf der Suche nach der passenden Maschine war die EML-3610 NT von Amada die Anlage, welche unseren Vorstellungen entsprach“, blickt Harald Steiner zurück. Durch die geringe Verformung gibt es insbesondere beim Stanzen dünnerer Bleche viele Vorteile.

Auch das moderne Antriebskonzept durch den Servoantrieb war ein Pluspunkt der Stanz-Laser-Anlage. Neben dem Kern, dem Blechbearbeitungszentrum, war auch die Peripherie ein wichtiges Entscheidungskriterium. „Für eine flexible Fertigung ist ein Werkzeugwechsler einfach zwingend erforderlich“, sagt Steiner. Der PDC II erfüllt jetzt die Anforderungen: Sieben CNC-gesteuerte Achsen ermöglichen je nach benötigter Logik Wechselzeiten zwischen 15 und 42 s und ein integriertes Werkzeugmanagement für maximal 220 Werkzeuge und 440 Matrizen optimiert den Prozess.

„Der Blick für das Ganze braucht den Blick auf das Detail“, sagt Steiner. Wer die vielen Schnittstellen betrachtet, versteht diese Herangehensweise. Schließlich basiert eine moderne Fertigung in der blechverarbeitenden Industrie heute auch auf einer flexiblen Vorratshaltung, welche ohne die kontinuierliche Ver- und Entsorgung der Produktionsanlagen nicht denkbar ist. Ein kontinuierlicher und sicherer Materialfluss ist dabei eine Voraussetzung, um die teuren Anlagen auszulasten.

Eine wesentliche Schnittstelle und gleichzeitig die größte Herausforderung für die BVS war die Verknüpfung mit dem vorhandenen Regalsystem. Das Blechlager von Stopa stammt aus dem Jahr 1995, hat eine Bauhöhe von 5,4 m, 431 Lagerplätze und eine Nutzlast von 1293 t. Es hatte sich bewährt und sollte in den Prozess einbezogen werden. Die Anbindung war für den BVS-Geschäftsführer damit auch die Voraussetzung für die Investition in die Amada-Anlage.

Regalsysteme von Stopa automatisch an Stanz-Laser-Anlage angebunden

Was dann folgte, war ein Prozess, der für alle Beteiligten in dieser Form neu war: Für die blauen Regalsysteme von Stopa wurde erstmals in Deutschland eine automatische Anbindung an ein rotes Blechbearbeitungszentrum Amada EML-3610 NT vorgenommen. Entwickelt und realisiert wurde die Regalsteuerungs-Software von Stopa. In Böblingen ist man zufrieden – Anfang Mai konnte die neue Stanz-Laser-Kombinationsmaschine in Betrieb genommen werden. Zur Komplettlösung gehören neben dem Amada-Blechbearbeitungszentrum und dem automatischen Werkzeugwechsler eine Ein- und Ausgabestation für Rohmaterial, eine Entlade- und Sortiereinheit sowie eine Beladeeinheit. Dass die Schnittstellen aller Komponenten optimal aufeinander eingestellt sind, davon konnten sich Kunden und Geschäftspartner im Mai vor Ort überzeuge.

Die gemeinsam mit der Amada GmbH durchgeführte Veranstaltung „Amada zu Gast bei BVS Blechtechnik“ bot für die etwa 80 Besucher nicht nur die Möglichkeit, bei BVS einmal hinter die Kulissen in der Produktion zu schauen. Der Maschinen- und Werkzeughersteller für die Blechbearbeitung präsentiert mehrmals im Jahr die Funktionsweise seiner Anlagen gemeinsam mit ausgewählten Unternehmen direkt in der Produktion. Detailliert erläutert wurden natürlich eine Reihe von konkreten Merkmalen zur EML, aber auch weitere ausgewählte Automationslösungen von Amada.

„Die EML-3610 NT verfügt als einzige derartige Kombinationsmaschine am Markt über das Prinzip der halbfliegenden Optik“, erläutert Axel Willuhn, Produktmanager Stanz- und Lasertechnik bei Amada. Der Laserkopf folgt berührungslos und kraftfrei der Kontur vorgeformter Teile und schneidet präzise beinahe jede beliebige Kontur. Einsparpotenzial bietet der servoelektrische Antrieb. Er reduziert im Vergleich zu hydraulischen Antrieben den Energieverbrauch um bis zu 60%.

Ein weiterer Vorteil: Durch den Einsatz des neuen Z-Revolvers konnte die Werkzeug-Rüstzeit um etwa 50% gesenkt werden. Für eine qualitätsgerechte Fertigung sorgt ein Hubbürstentisch, mit dem ein kratzfreier Arbeitsprozess realisiert werden kann. Weltweit verkaufte Amada bisher über 1000 Laser-Stanz-Maschinen, europaweit mehrere hundert.

Gewachsene Dimensionen bei Technik, Mitarbeitern und Geschäftsbereichen

Mit einem Mann und einer Maschine ging Harald Steiner 1989 an den Start und gründete die BVS Blechtechnik. Die Entwicklung lief gut, 1995 waren es bereits 70 Mitarbeiter, 2004 dann 120 und heute 160. 1992 wurde mit der Verdreifachung der Produktionsfläche der Grundstock für die automatisierte Produktion gelegt.

1995 kam dann der nächste große Schritt: Mit dem Kauf der Blechfertigung von Hewlett Packard übernahmen die Böblinger auf einen Schlag nicht nur 46 Mitarbeiter. Es erfolgte der Umzug in ein neues Gebäude sowie der Ausbau des Fuhr- und Maschinenparks und die Anbindung einer Stanznibbelmaschine/Stanzlasermaschine an das jetzige Hochregallager. Erweitert wurde auch im Zeitraum von 1998 bis 2001: Es wurde beispielsweise eine neue Montagehalle gebaut und in Betrieb genommen sowie in eine Pulverbeschichtungsanlage und einen High-Speed-Doppelkopflaser investiert.

Informations- und Präsentationssysteme als weiteres Standbein

2002 entschied man sich, mit dem neuen Geschäftsbereich infomedia in die Welt der Kommunikation einzusteigen. Die hier entwickelten Informations- und Präsentationssysteme lassen sich im Baukastenprinzip konfigurieren und funktionieren autark oder in ein Netzwerk eingebunden. Einsatzbereiche gibt es viele: als Infoterminal für Wand und Boden, als Rednerpult und Terminal mit flächenbündigem Monitor und integriertem PC oder als LCD-Flachbildschirm.

2005 hatte die weltweit erste Amada-Biegezelle Astro mit automatischem Werkzeugwechselsystem bei BVS Premiere. „Wir sind seit 19 Jahren mit Amada als Partner unterwegs und in dieser Zeit immer gut betreut worden“, blickt Steiner zurück.

Unterwegs ist der Böblinger mit seinen Leuten auch in China. Die BVC Chenghua (Jinan) Co. Ltd. produziert mit 80 Mitarbeitern Blechteile und Gehäuse für die Automobil- und Medizintechnik sowie die Kommunikations- und Elektrotechnik. Zum Leistungsumfang gehören außerdem die technische Beratung, Entwicklung, Konstruktion und Montage.

Gute Bindung der Mitarbeiter zum Unternehmen

Da, wo der Geschäftsführer für die Technik brennt, hält seine Frau Silvia, die im Unternehmen für Personal und Finanzen verantwortlich ist, an traditionellen Werten fest. „Wir sind ein Familienunternehmen und legen Wert auf eine gute Bindung unserer Mitarbeiter zum Unternehmen“, sagt sie. Dass BVS immer ausgebildet hat und die jungen Menschen dann übernommen wurden, versteht sich für sie von selbst.

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