Hebetechnik

Geschichten aus dem Mittelstand

| Autor / Redakteur: Benedikt Hofmann / Bernd Maienschein

Den Schwerpunkt dieser neuen Strategie legte der Unternehmenslenker auf den Industriebereich, der für Haacon ein sehr heterogener ist. Er reicht von einfachen Spindelwinden und Zahnstangenwinden über handbetriebene Seilwinden bis hin zu anspruchsvolleren Produkten, die auch elektrisch angetrieben sind. Ein zu der Zeit völlig neues Thema für das Unternehmen.

„Mitte der 2000er haben wir dann auch damit begonnen, eine eigene Steuerungskompetenz für unsere Produkte und Projekte aufzubauen. Dazu gehören beispielsweise elektrisch betriebene und von uns entwickelte Verstelleinrichtungen für Montage- und Servicebühnen in Flugzeughangars“, erklärt Lotz. Eine Entscheidung, die sich gelohnt hat, wie die Zeit zeigen sollte. Der Bereich Industriehebetechnik hat sich in den vergangenen zehn Jahren gut entwickelt. Der Umsatz wurde verdoppelt und es ist mittlerweile der größte Bereich des Unternehmens. Allerdings benötigt man für dieses Projektgeschäft auch eine höhere technische Ingenieurkapazität, sowohl im Außendienst als auch in der Entwicklung im Haus und bei den Projektbearbeitern. Um dem gerecht zu werden, investierte Haacon in den eigenen Personalbestand, eine Strategie, die das Unternehmen immer noch verfolgt.

Vieles kann selbst gefertigt werden

Hier treffen wir einen neuralgischen Punkt, mit dem viele kleinere Mittelständler seit einigen Jahren zu kämpfen haben. Wenn ein Unterangebot an Fachkräften und die Lage in einem ländlichen Raum zusammenkommen, wird die Personalbeschaffung plötzlich zu einem kritischen Wachstumshemmnis. Diese Situation hat sich in den letzten Jahren noch verstärkt. Haacon versucht dem zu begegnen, indem man beispielsweise mit Personalberatungsagenturen zusammenarbeitet. Außerdem sollen nicht nur die finanziellen Aspekte, sondern auch die besonderen Arbeitsumstände eines kleinen mittelständischen Unternehmens, zu denen auch ein hoher Freiheitsgrad gehört, die qualifizierten Kandidaten überzeugen, wie Lotz erklärt: „Wir sind kein Großunternehmen. Bei unserer Größe ist es nötig, dass der Mitarbeiter Spaß an seiner Arbeit hat. Das ist dann gegeben, wenn er einen gewissen Grad der Selbstverwirklichung in der Erledigung seiner Aufgabe erreichen kann.“

Geht man mit offenen Augen durch die Fertigung bei Haacon, fällt eines direkt auf: die große Fertigungstiefe oder besser die Fähigkeit dazu. Wie andere auch, hat das Unternehmen diese Strategie auf den Prüfstand gestellt. Häufig ist es einfach nicht mehr sinnvoll, das ein oder andere Bauteil selbst zu fertigen. Allerdings machte man bei Haacon mit Lieferanten nicht immer die besten Erfahrungen. Dabei konzentrierten sich die weniger guten Erfahrungen dem Geschäftsführer zufolge auf die zwei Punkte Qualität und Lieferzeiten.

Für kleine Losgrößen aus dem Baukasten anbieten

Gerade im für Haacon mittlerweile so wichtigen Industriebereich dominiert das Projektgeschäft, was mit kleineren Losgrößen einhergeht. Dies versucht das Unternehmen durch ein Baukastensystem zum Teil aufzufangen. „Mit diesen kleinen Losgrößen, die einen hohen Qualitätsanspruch haben, sind wir nicht der attraktivste Kunde für Zulieferer und Lohnfertiger. Außerdem mussten wir neben dem Preis natürlich auch die Lieferzeiten in unsere Kalkulation miteinbeziehen. Dem gegenüber steht, dass wir mit unserer eigenen, vorhandenen Fertigung in der Lage sind, verhältnismäßig schnell, flexibel und mit der von uns kontrollierten Qualität auf die Märkte und die Kundenanforderungen zu reagieren. In der Abwägung aller Punkte haben wir dann beschlossen, dass das Gesamtpaket besser bei uns aufgehoben ist“, stellt Lotz klar.

Gerade dem Punkt Qualität kommt bei einem Unternehmen wie Haacon eine besondere Bedeutung zu, da es nicht nur darum geht, den Ansprüchen der Kunden, sondern auch den Sicherheitsauflagen zu entsprechen. Diese sind natürlich besonders hoch, wenn sich im Bereich der gehobenen Lasten – oder sogar unter diesen – Menschen aufhalten müssen.

Blick in die Zukunft

Durch vorausschauendes Handeln und die nötige Flexibilität hat sich Haacon also trotz nicht immer einfacher konjunktureller Vorzeichen sehr positiv entwickelt. Allerdings begeht Lotz nicht den Fehler, deshalb in Euphorie zu verfallen, denn er sieht weiterhin große Herausforderungen für sich und sein Unternehmen: „Die Rahmenbedingungen für einen Betrieb unserer Größe mit 150 Mitarbeitern in Deutschland werden immer schwerer. Ein Grund hierfür sind die Energiekosten. Hier haben wir in den letzten zehn Jahren eine Steigerung um fast 100 % erfahren.“

Diese Kostensteigerung durch die Anpassung der Preise widerzuspiegeln, ist gerade in einem internationalen Umfeld nicht immer leicht. Auch die steigende Zahl der Normen und Vorschriften, die in den Ländern der Europäischen Union durchaus unterschiedlich interpretiert und umgesetzt werden, machen das unternehmerische Handeln nicht leichter. Doch wer Lotz und sein Team erlebt hat und die Lösungen und Innovationen des Unternehmens kennt, weiß, dass man sich um die „Kleinen“ in der Provinz trotzdem keine Sorgen machen muss. Denn das hat die „Hidden Champions“ dieses Landes ja schon immer ausgezeichnet: Lösungen da zu finden, wo andere nur Probleme sehen, und Ideen zu verwirklichen, die andere für unmöglich hielten. ■

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