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Kommissionieren Google Glass – Vorfreude ist die schönste Freude

| Redakteur: Robert Weber

Der Internetkonzern Google verschickte in den zurückliegenden Wochen die ersten Testversionen seiner Datenbrille Glass. An der TU München hätten die Forscher gerne ein Exemplar. Sie experimentieren seit Jahren an einer Kommissionierung mithilfe einer Datenbrille. Sie hoffen jetzt auf eine offene Schnittstelle.

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Kann die Datenbrille auch in der Logistik eingesetzt werden? Die TU München würde das gerne ausprobieren.
Kann die Datenbrille auch in der Logistik eingesetzt werden? Die TU München würde das gerne ausprobieren.
(Bild: Google)

Wenn das Gespräch auf die Google-Brille kommt, dann ist Prof. Dr. Willibald A. Günthner ein wenig aufgeregt. Er spricht schneller am Telefon, lacht und der Interviewer spürt die Vorfreude des Materialfluss-Wissenschaftlers am anderen Ende der Leitung. Wenn doch die Amerikaner endlich was schicken würden, mag er sich wohl denken. „Nein, wir haben noch kein Exemplar bekommen, leider“, erklärt Günthner.

Google Glass könnte Pick-by-Vision-Kommissionierung revolutionieren

Dabei könnte er und sein Lehrstuhl für Fördertechnik, Materialfluss und Logistik an der TU München die Datenbrille gut gebrauchen, denn seit mehreren Jahren forschen die Wissenschaftler an einem Pick-by-Vision-System. Die Datenbrille sei das wichtigste Element bei dem Kommissionieransatz, denn sie sei die direkte Schnittstelle zum Benutzer und trage damit entscheidend zur Akzeptanz des Gesamtsystems bei, heißt es in einem Forschungsbericht, der MM Logistik vorliegt. „Unsere Brillen waren immer zu schwer“, gibt Günthner zu.

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Ziel des Projekts der Wissenschaftler ist die benutzeroptimale Informationsbereitstellung mithilfe einer durch den Kommissionierer zu tragenden Datenbrille, in der in Abhängigkeit von Ort, Zeit, Blickfeld sowie dem Stand der Auftragsbearbeitung alle relevanten Daten zur fehlerfreien Durchführung der Kommissionieraufgabe visuell dargeboten werden. Das neuartige Kommissioniersystem soll intuitives und freihändiges Arbeiten ermöglichen, bezüglich ergonomischer und arbeitswissenschaftlicher Aspekte optimal an den Benutzer angepasst sein, über eine einfache Kommunikationsschnittstelle zur Dateneingabe durch den Kommissionierer verfügen, in seiner Anwendung leicht erlernbar sein und den Anforderungen im industriellen Umfeld genügen. Ob das die Google Brille alles leisten kann?

Die Kollegen von unserem Schwestermagazin Elektronikpraxis haben sich die Brille genauer angeschaut. Ergebnis: mehr Durchblick bei der Kommissionierung. Kern von Google Glass ist ein Embedded-System, vermutlich auf Basis von Googles eigenem Mobilbetriebssystem Android. Das ist ein wichtiger Hinweis für Günthner und seine junge Mannschaft, denn sie hoffen auf eine offene Schnittstelle, damit sie ihre Software oder das WMS anbinden können und der Kommissionierer die Datenbrille nutzen kann. Vielleicht kommt die Pick-by-Vision-Lösung auch als App, die schnell installiert ist. Denn sollte Google auf das Smartphonesystem Android setzen, würde nichts gegen eine solche Anwendung sprechen.

Navigationspfeile für den richtigen Weg im Lager?

Ebenfalls in die Brille integriert ist ein WLAN-Modul zum Senden und Empfangen von Daten über das Web. Dadurch kann das Gestell auch im Lager problemlos kommunizieren. Alternativ kann sich Google Glass auch via Bluetooth mit einem Smartphone austauschen und dessen 3/4G-Datenverbindung nutzen. Gesteuert wird Google Glass im Wesentlichen über Spracherkennung mit Kommandos wie „O.k., Glass, take a picture“, etwa um ein Foto aufzunehmen. Dazu ist eine Kamera integriert, die neben Standbildern auch 10 s lange Videos im HD-Format 720p mitschneiden kann.

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