50 Plus Hans lernt dank Weiterbildung immer mehr

Autor / Redakteur: Claudia Treffert / Jürgen Schreier

Nicht erst seit dem Bildungsgipfel hat das Thema lebenslanges oder besser lebensbegleitendes Lernen Konjunktur. Warum es sich für Unternehmen lohnt, eine „alternsgerechte“ Personalpolitik aufzubauen und in die Weiterbildung gerade ihrer älteren Mitarbeiter zu investieren, verdeutlichen wir an konkreten Beispielen.

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Weiterbildung gilt in Deutschland als Schlüssel für die Zukunft, als unverzichtbar und extrem wichtig. So stimmten 2006 bei einer Eurobarometer-Umfrage zur europäischen Beschäftigungs- und Sozialpolitik 62% der Befragten im Alter zwischen 15 und 64 Jahren der Aussage zu, dass „regelmäßige Weiterbildung die Beschäftigungsmöglichkeiten verbessert“. Immerhin noch 50% meinten, dass regelmäßige Fortbildung die Menschen besonders effektiv in Arbeitsverhältnisse bringe, und dass derjenige, der sich regelmäßig fortbilde, länger arbeiten könne.

Bei der Weiterbildung arbeiten viele gegeineinander

Deshalb kann ein Satz von Manfred Kremer, Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BiBB), Bonn, nur verwundern: „Wenn der beruflichen Weiterbildung nicht von allen Beteiligten – Staat, Wirtschaft und Privatpersonen – größere Bedeutung beigemessen wird, verspielt Deutschland seine Zukunftschancen“, sagte er auf dem 2. Deutschen Weiterbildungstag.

Die Zahlen geben Kremer recht. Mehr noch: Sie decken einen Widerspruch auf, der sich so extrem nur in Deutschland auftut. So lassen die Ergebnisse der europäischen Erhebung über berufliche Weiterbildung in Unternehmen (CVTS – Continual Vocational Training Survey) den Schluss zu, dass sich die Deutschen trotz anders lautender Bekenntnisse ziemlich lernfaul geben.

Zwar bieten hierzulande über 50% der Unternehmen betriebliche Weiterbildungskurse an. Aber es nehmen weitaus weniger Mitarbeiter daran teil als im EU-Durchschnitt von 33% üblich.

Weiterbildung in Deutschland nicht genügend vernetzt

Dick Moraal, wissenschaftlicher Mitarbeiter im BiBB, sieht in der hiesigen Weiterbildungs-Infrastruktur einen Grund für die widersprüchlichen Umfrageergebnisse und das schleppende Fortkommen: „In Deutschland ist das Prinzip der Subsidiarität sehr stark entwickelt. Das heißt, der Staat übernimmt die Weiterbildung der Arbeitslosen und der von Arbeitslosigkeit bedrohten Personen, die Unternehmen zeichnen für die betriebliche und die Individuen für die eigene Weiterbildung verantwortlich.“ Meist grenzen sich die Gruppen strikt gegeneinander ab – Hineinreden gilt nicht – und bremsen den Erfolg von Qualifizierungsangeboten und -aktivitäten aus.

Die skandinavischen Länder gehen einen anderen Weg. „Dort sind die Gruppen viel besser miteinander vernetzt“, weiß Moraal. Dass diese integrierte Arbeitsmarkt- und Qualifizierungspolitik die Rahmenbedingungen für „lebensbegleitendes Lernen“ merklich verbessert, den Schluss lässt das gute Abschneiden der Länder bei den einschlägigen Umfragen zu.

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