Messe Hamburg Heimathafen für Themen - Messe Hamburg baut aus

Redakteur: Helmut Klemm

Bis Ende 2008 vergrößert die Hamburg Messe und Congress GmbH (HMC) ihre Ausstellungskapazität und erweitert das Kongresszentrum. Wir wollten vom Geschäftsführer Bernd Aufderheide wissen, auf welchen Strategien der Aus- und Neubau basiert.

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Bernd Aufderheide, Messechef Hamburg: „Inzwischen hat sich so etwas wie eine Community entwickelt, die sich bei uns darstellt.“
Bernd Aufderheide, Messechef Hamburg: „Inzwischen hat sich so etwas wie eine Community entwickelt, die sich bei uns darstellt.“
( Archiv: Vogel Business Media )

MM: Herr Aufderheide, seit Anfang April dieses Jahres sind Sie alleiniger Vorsitzender der Geschäftsführung der HMC und für die gemeinsame Entwicklung des Messe- und Kongressgeschäfts verantwortlich. Was haben Sie verändert?

Aufderheide: Bislang hatten wir einen Geschäftsbereich „Messe“ und einen Geschäftsbereich „Kongress“ und darin integriert unsere Auslandsaktivitäten. Nun gibt es einen operativen Teil, der das Messe-, das Kongress- und das Auslandsgeschäft sowie die Services zusammenfasst. Außerdem haben wir einen administrativ-technisch-kaufmännisch orientierten Bereich, der die Rahmenbedingungen schafft, die eine Messe- und Kongressgesellschaft braucht. Mit der Struktur sehen wir uns in unserem Markt bestens aufgestellt, um langfristig nachhaltig wachsen zu können.

MM: Dass Sie wachsen wollen, kann man auf dem Gelände deutlich erkennen. Für die Neue Messe werden bis Ende 2008 rund 400 Mio. Euro verbaut, davon rund 360 Mio. Euro für die Messehallen und rund 40 Mio. Euro für das CCH – das Congress Center Hamburg. Was beabsichtigen Sie mit diesem Ausbau?

Aufderheide: Um eines deutlich zu machen – trotz aller Neubauten wird Hamburg kein großer Messeplatz werden. Das heißt, bestimmte Veranstaltungstypen wird es hier nicht geben, weil die Flächenkapazität von rund 84 000 m2 dafür nicht ausreicht. Aber das halten wir nicht für dramatisch. Wir wollen in Hamburg nicht einfach nur Ausstellungsfläche produzieren. Davon haben wir in Deutschland genug. Unser Schwerpunkt liegt vielmehr auf der Kombination von Kongressen und Fachveranstaltungen mit begleitenden Messen oder Ausstellungen. Das hat auch die Art des Ausbaus beeinflusst.

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MM: In welcher Weise?

Aufderheide: Wenn Sie sich unser Gelände anschauen, erkennen Sie unterschiedliche Messe- und Veranstaltungsfacilitäten. Da ist auf der einen Seite das erweiterte CCH – eines der größten Kongresszentren Europas. Ganz bewusst haben wir direkt daneben eine Ausstellungshalle bauen lassen, ohne Stützen, wie man es heute braucht, mit 7000 m² Bruttofläche. Das ist für kongressbegleitende Veranstaltungen eine ideale Größe. Damit bieten wir der Industrie, die einen Kongress begleitet, die gleichen guten Bedingungen wie in einer Messehalle.

Auf der anderen Seite haben wir das neue, hallenseitig geprägte Messegelände, das ebenfalls Konferenzmöglichkeiten bietet, und zwar mit fest installierter Technik – allerdings nicht in der Größe wie im CCH, wo 16000 Konferenzteilnehmer Platz finden. Auf dem Messegelände können es 1800 sein. Mit diesem Konzept bieten wir unseren Kunden für unterschiedliche Veranstaltungen die optimale Präsentationsgröße an: nicht zu groß und nicht zu klein. Deshalb haben wir die beiden flexiblen Einheiten, in denen sich Flächen problemlos zusammenführen lassen.

MM: Wie sind Ihre bisherigen Erfahrungen mit diesem Konzept?

Aufderheide: Das funktioniert sehr gut, wie sich bereits nach der Eröffnung der ersten Hallen auf dem neuen Gelände bestätigt hat. Nebenbei bemerkt, ermöglicht diese Flexibilität eine hohe Auslastung des Geländes. Bisher haben wir den Umschlag der Kapazitäten richtig eingeschätzt – und das soll so bleiben. Das ist uns sehr wichtig, weil wir ja über 365 Tage im Jahr und auf Jahre hinaus unsere Hallenkapazitäten in Stand halten müssen. Instandhaltungskosten für Überkapazitäten können einem Messemanager schon den Schlaf rauben.

MM: Zurück zu Ihren Zukunftsstrategien: Wie soll das künftige Ausstellungsprogramm aussehen, mit dem Sie gezielt Fachbesucher ansprechen wollen?

Aufderheide: Wir bewegen uns schwerpunktmäßig in dem für Hamburg, Norddeutschland und Nord-europa klassischen Spektrum. Dazu zählen die maritimen Industrien, dazu zählt die Luftfahrt, Neue Energien, die Medizin oder die sogenannten Life Sciences. Diese Branchencluster wollen wir gezielt ausbauen. Idealerweise deckt sich das mit dem Programm der „wachsenden Stadt“, das der Senat aufgelegt hat. Er fördert die gleichen Branchencluster.

MM: Sollen irgendwann weitere Cluster dazukommen?

Aufderheide: Es kommen sicherlich neue dazu. Aber zuvor sollte man sich veranschaulichen, was in einem Cluster alles steckt. Ich darf dazu als Beispiel das maritime Thema aufgreifen: Unser Flaggschiff ist die internationale Schiffsbaumesse SMM, eine ausgewiesene Fachmesse. Mit der Messe Hanseboot haben wir die Sportvariante hier auf dem Gelände, die sich auf der Grenze zwischen Fach- und Publikumsmesse bewegt.

Das Thema Kreuzfahrt decken wir mit der internationalen Kongressmesse Seatrade Europe ab. Dazu kooperieren wir mit einem Partner, mit dem wir weitere Veranstaltungen zum Thema in Miami, Dubai und Tokio organisieren. Inzwischen hat sich so etwas wie eine Community entwickelt, die sich bei uns darstellt. Das ist ein wichtiger Punkt: Wir wollen, dass es heißt, Hamburg ist so etwas wie ein natürlicher Heimathafen für unser Thema.

MM: Wie sieht es mit der Nortec aus. Ist ein ähnlicher Ausbau des Programms rund um die Messe ge-plant?

Aufderheide: Gerade letzte Woche haben wir mit dem Fachbeirat der Nortec über deren Weiterentwicklung gesprochen. Auch da setzen wir auf Partner, die hier vor Ort sind. Wir haben sie beispielsweise mit den technischen Universitäten, aber auch mit Unternehmen. Es ist schon interessant, wenn man einmal zusammenträgt, wie viele innovative Firmen in und um Hamburg produzieren. Sie sind in ihrer Branche wohl bekannt und hoch innovativ, und wir wollen sie dazu bringen, wo es sinnvoll ist, mit uns hier Veranstaltungen zu machen.

MM: Heißt das, Sie wollen idealerweise eine Branche mit Messen und Kongressen komplett abdecken?

Aufderheide: Ja. Dazu werden wir unter anderem auch das tun, was unsere Wettbewerber machen. Wir schauen an andere Plätze. Ich bin jetzt seit über 20 Jahren im Messegeschäft. Es ist durchaus üblich, dass Branchen oder Messeveranstalter sagen, wir wollen an einen anderen Messestandort. Die suchen nach den besten Rahmenbedingungen und fordern von den Messegesellschaften ein Angebot an.

Aber eines ist ganz klar: Um als Messegesellschaft konkurrenzfähig zu sein, muss man zunächst die Infrastruktur haben, denn wenn Sie diejenigen, die verantwortlich für eine Branche, eine Industrie oder ein Thema sind, gewinnen wollen, dann helfen Ihnen keine schönen Skizzen und Computersimulationen. Die Infrastruktur muss dann schon da sein: in Glas, Stein, Stahl, Beton und allem, was dazu gehört.

Das Interview führte Claudia Teffert, freie Journalistin.

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