Krantechnik

Hochmoderne Technologie mit Denkmalschutz

| Redakteur: Benedikt Hofmann

Die SBB hat in Zürich-Altstetten jetzt eines der modernsten Reparaturcenter seiner Art in Europa, das zudem unter Denkmalschutz steht.
Die SBB hat in Zürich-Altstetten jetzt eines der modernsten Reparaturcenter seiner Art in Europa, das zudem unter Denkmalschutz steht. (Bild: Konecranes)

Einzelwagons, Lokomotiven und Triebzüge können die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) jetzt effizienter und schneller denn je reparieren. Möglich macht dies das neue rundum modernisierte Reparaturcenter der SBB in Zürich-Altstetten. Konecranes hat dafür das Krankonzept maßgeschneidert – inklusive sieben CXT Neo Kranen.

Zeit spielt bei der Bahn immer eine Rolle. Eine echte Herausforderung bei 442 Mio. Menschen, die 2015 mit der SBB fuhren. Zeit spielt beim mit rund 33.000 Mitarbeitern größten Schweizer Transportunternehmen auch bei der Wartung von gut 3400 Personenzügen eine immense Rolle. Deshalb hat die SBB ihr lange ungenutztes Reparaturcenter mit 177.000 m² Fläche am Bahnhof Zürich-Altstetten komplett saniert. 250 SBB Mitarbeiter reparieren dort Einzelwagen, Lokomotiven und Triebzüge – mit Unterstützung von hochmodernen Krananlagen. Konecranes hat als einer der weltweit führenden Kranhersteller die SBB bei den Planungen des neuen Reparaturcenters intensiv beraten. Ergebnis ist ein Konzept mit insgesamt zwölf Kranen, davon neun Einträgerbrücken- und ein Zweiträgerbrückenkran sowie zwei Leichtkransysteme.

Modernstes Reparaturcenter unter Denkmalschutz

Sein Alter sieht man dem Reparaturcenter nur noch von außen an: Hinter der denkmalgeschützten Backsteinfassade des zwischen 1905 und 1911 errichteten Gebäudekomplexes befindet sich jetzt ein hochmodernes Reparaturcenter. Wo sich früher der schwarze Ruß der alten Dampfloks im Hallendach sammelte, leuchten heute die Stahlträger der Brückenkrane. „Wie modern das neue Reparaturcenter ist, zeigen auch die sieben CXT Neo Krane. Sie sind die innovativsten Brückenkrane ihrer Art“, erläutert Fredy Albisser, Vertriebsleiter bei Konecranes Schweiz. „Die sieben CXT Neo Krane sind mit ihren Features wie lastabhängiger Hubgeschwindigkeit und Truconnect-Datenferndiagnose quasi Industrie 4.0 in Perfektion. Das macht die Wartungsarbeiten natürlich sicherer, produktiver und schneller.“

Stufenloses Heben für effiziente Reparaturstraßen

Um die ursprüngliche Lage der 13 Gleise, nach der sich die gesamte Gebäudestruktur bereits in der Entstehung orientiert hat, erhalten zu können, wurde ein Hallenschiff abgebrochen. Mit einer eigens für die SBB entwickelten Dreh- und Transportvorrichtung können Waggons nun quer zur Halle aufgenommen, abgedreht und anschließend an das vorgesehene Reparaturgleis zugeführt werden. Über den ersten sechs Gleispaaren kommt jeweils ein CXT Neo Einträgerbrückenkran zum Einsatz, mit 3,2 t Tragkraft, 12 m Spannweite und Hubhöhe von 6,89 m. Damit tauschen die SBB-Mitarbeiter Komponenten wie Kühlgeräte, Fenster und Aggregate in den Zügen.

„Die CXT Neo Krane haben eine Hubwerkssteuerung mit Frequenzumrichter“, sagt Albisser. „Das ist ein enormer Vorteil, weil sie damit die Aggregate und Wagenfenster stufenlos heben und bewegen können.“ Die Zugbauteile lassen sich somit einfacher und präziser positionieren. „Der Kran misst, wie schwer das Bauteil ist und richtet die maximale Geschwindigkeit entsprechend daran aus. Dem Kranführer erleichtert diese adaptive Hubgeschwindigkeit natürlich seine Arbeit.“ Komponenten mit geringerem Gewicht lassen sich schneller und zeitsparender transportieren, schwere Bauteile sanfter und sicherer. Die Reparaturarbeiten sind damit deutlich effizienter. Zudem mindert es die Stoßbelastung – Wartungskosten sinken und die Stillstandszeiten verringern sich. Das macht die Brückenkrane langlebiger bei zugleich höherer Verfügbarkeit.

Über dem siebten Gleispaar sind ein Einträger- und ein CXT Neo Zweiträgerbrückenkran mit jeweils 12 m Spannweite installiert – für besondere Aufgaben. „Der Einträgerbrückenkran hat einen Kette¬zug mit 2 t Tragkraft. Damit werden zum Beispiel die Frontscheiben der Lokomotiven und Triebwagen eingesetzt“, erläutert Fredy Albisser. „Der CXT Neo Zweiträgerbrückenkran verfügt ebenfalls über einen Frequenzumrichter. Er hebt 10 t stufenlos und ist für schwere Bauteile wie Drehgestelle und Nebenaggregate vorgesehen.“ Alle Brückenkrane in der Halle sind mit Truconnect Remote Services und damit integrierter Datenferndiagnose ausgerüstet. Bei Bedarf ist jederzeit der Zustand der Krane über Web einsehbar. Wartungsarbeiten lassen sich somit optimaler planen.

Leichtkransysteme für Schweißarbeiten

In den Holz- und Metallwerkstätten des SBB-Reparaturcenters kommen jeweils ein Einträgerbrückenkran mit 0,5 t Tragkraft und Elektrokettenzug zum Einsatz. „Diese Arbeitsplatzkrane sind ebenfalls mit Frequenzumrichtern ausgestattet“, sagt Fredy Albisser. „Damit können die SBB-Mitarbeiter auch in den Werkstätten stufenlos Lasten transportieren.“ Wie alle Brückenkrane des Reparaturcenters lassen sich auch die Werkstattkrane einfach über den Minijoystick der Funkfernsteuerung bedienen.

Darüber hinaus sind zwei Leichtkransysteme im Reparaturcenter der SBB installiert. Mit jeweils 0,5 t Tragkraft und 3,1 m Hubhöhe nutzen die SBB-Mitarbeiter sie für Hebeprozesse bei Schweißarbeiten. „Dank der neuen Krananlagen mit Hubumrichter und Fernbedienungen können wir bei uns im Reparaturcenter jetzt deutlich produktiver arbeiten“, sagt Walter Bucheli, Projektleiter bei der SBB, und ergänzt: „Mit den nun effizienteren Prozessen bringen wir Züge und Wagen schneller wieder zurück in den Verkehr.“ Das neue Reparaturcenter samt Krananlagen spart der SBB somit effektiv Zeit.

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