Suchen

Friedhelm Loh im Interview Industrie 4.0 – von der Vision zur Revolution

Redakteur: Claudia Otto

Nicht Meilensteine, sondern Mosaiksteine sind es, die die Nachhaltigkeitsstrategie der Rittal GmbH & Co. KG in Herborn ausmachen. Wir sprachen mit Friedhelm Loh, Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung, über künftige Herausforderungen und Hebel für mehr Ressourceneffizienz in der Produktion.

Firma zum Thema

Innovative Produkte aus den Bereichen Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur sind in der Plattform Rittal – Das System vereint.
Innovative Produkte aus den Bereichen Schaltschränke, Stromverteilung, Klimatisierung und IT-Infrastruktur sind in der Plattform Rittal – Das System vereint.
(Bild: Rittal)

Herr Loh, was sind Ihrer Einschätzung nach die größten Herausforderungen der Zukunft, denen sich die produzierende Industrie stellen muss?

Die globalisierte Wirtschaft mit ihren neuen Wissenszentren jenseits von Europa und Nordamerika hat die Innovationszyklen drastisch verkürzt. In wenigen Jahren können so ganze Industriezweige zerstört werden. Dazu nur ein Beispiel: Die Kathodenstrahltechnologie der Fernsehapparate wurde in kürzester Zeit durch die Plasma- und LCD-Technologie abgelöst – das Ergebnis für die TV-Produktion in Deutschland kennen wir alle.

Wir müssen also schneller und besser sein als die ständig ansteigende Zahl der Herausforderer. Die deutsche Elektroindustrie und der Maschinenbau mit ihren 1,8 Mio. Mitarbeitern haben im vergangenen Jahr 32 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung investiert. Das Ergebnis sind über 100.000 Patente in den letzten zehn Jahren. Auf diesen starken Zahlen dürfen wir uns nicht ausruhen. Gegenwärtig wachsen in Deutschland Industrie und IT immer mehr zusammen.

Industrie 4.0 ist nicht einfach ein trendiges Schlagwort, sondern steht für eine Revolution. Früher gab es visionäre Vorstellungen, aber keinen konkreten Ansatz, wie Maschinen, Werkstücke und Bauteile Informationen in Echtzeit austauschen können. Das ermöglicht heute die Entwicklung von Embedded Software – integrierter, intelligenter Software zur Vernetzung von Produktionsprozessen.

Die Chancen sind riesig und die Anstrengungen lohnen: Mit Industrie 4.0 lassen sich – so jedenfalls die Erwartung – Produktivitätssteigerungen von bis zu 30 % ermöglichen. Industrie 4.0 ist meiner Ansicht nach von größter Bedeutung, um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie zu sichern und auszubauen.

Inwieweit kann die Politik Unternehmen bei der Bewältigung dieser Herausforderungen unterstützen?

Manchmal genügt es schon, wenn die Politik Unternehmen den Gestaltungsspielraum gibt, den sie brauchen. Bei Industrie 4.0 hat die Bundesregierung zum Beispiel den drei Industrieverbänden ZVEI, VDMA und Bitkom die Verantwortung für die Weiterentwicklung der Technologie übertragen. Diese werden jetzt gemeinsam das ursprünglich von der Bundesregierung initiierte Zukunftsprojekt weiterentwickeln. Es muss uns gelingen, zum Leitmarkt und Leitanbieter innovativer internetbasierter Produktionstechnologien zu werden.

(ID:42279912)