Supply Chain Visibility Integrierte Lieferkette erhöht Transparenz bei Migros

Autor / Redakteur: Sandra Meyer / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Dank einer neuen, RFID-fähigen Integrationsinfrastruktur und der Auszeichnung der Transportgebinde für Fleisch- und Wurstwaren mit elektronischen Produkt-Codes kann die Migros Ostschweiz den Weg ihrer Waren jetzt bis ins Detail rückverfolgen und ihre Lieferabläufe schnell und flexibel optimieren.

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Dem Handelsriesen Migros Ostschweiz gehen mithilfe von GS1 Consult und Quibiq keine Daten mehr entlang der Lieferkette verloren.
Dem Handelsriesen Migros Ostschweiz gehen mithilfe von GS1 Consult und Quibiq keine Daten mehr entlang der Lieferkette verloren.
(Bild: Quibiq)

Die Genossenschaft Migros Ostschweiz ist mit über 2,3 Mrd. CHF Umsatz ein eidgenössischer Handelsriese. In der Logistik bewegt sie tagtäglich rund 135.000 Bestelleinheiten – davon 75.000 gekühlt – auf über 4000 Paletten. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, wie hoch der logistische Aufwand ist, den die Migros Ostschweiz zu bewältigen hat, um ihren hohen Ansprüchen an die Sortimentsbreite, -verfügbarkeit und -frische zu gewährleisten. Zur Sicherstellung der vollständigen Transparenz in ihrer Lieferkette hat die Genossenschaft in den vergangenen Monaten ein strategisches Projekt zur Optimierung der Supply Chain Visibility angestoßen: Das Zusammenspiel von RFID-Technologie, elektronischem Produktcode (EPC) und einem zentralen System für EPC Information Services (EPCIS) ermöglicht es nunmehr, sämtliche Ereignisse in den Warenflüssen automatisch zu erfassen und zentral zu verarbeiten. Es entsteht dadurch ein lückenloses und granulares Netz von Informationen über alle Warenbewegungen und Prozessstufen hinweg, auf welche in der Zentrale bedarfsgerecht zugegriffen werden kann.

Automatisierte Logistikprozesse mit wenig Handlungsspielraum

Bereits in der Vergangenheit hatte der Schweizer Handelskonzern konsequent in die Automatisierung seiner Logistikprozesse investiert. So konnte beispielsweise jeder Versandbehälter bei Migros eindeutig per RFID identifiziert werden. Beim Verladen auf eine Palette jedoch verschwand diese Identifikation zugunsten der Palettennummer. Sichtbar blieb lediglich, dass eine Palette mit bestimmten Warengruppen mit bestimmtem Zielort auf den entsprechenden Lkw zur Verladung wartet. Die genutzten Systeme sorgten damit also zwar für verhältnismäßig transparente Logistikprozesse, jedoch waren die Informationsflüsse weder durchgängig noch boten sie die nötige Granularität bei der Synchronisierung mit der tatsächlichen Warenbewegung. Die Folge: Einmal festgelegte Touren und Pläne boten wenig Handlungs- und Reaktionsspielraum, spontane Änderungen aufgrund von besonderem Bedarf oder logistischem Optimierungspotenzial konnten nur schwierig realisiert werden.

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Bei dem Genossenschaftsbund entschloss man sich daher zunächst für den Bereich der Wurst- und Fleischwaren, sämtliche Gebinde mit RFID-Tags oder einem elektronischen Produktcode (EPC) auszustatten, um die Supply Chain Visibility zu erhöhen. Auf der Suche nach einem kompetenten IT-Infrastruktur-Dienstleister entschied man sich schließlich für die Zusammenarbeit mit zwei Implementierungspartnern: der GS1 Consult und der Stuttgarter Quibiq GmbH. Letztere entwickelte für Migros eine EPCIS-konforme zentrale Datendrehscheibe auf Basis des Microsoft-Biztalk-Servers und Microsoft-SQL-Servers. Auf dem Biztalk-Server werden alle RFID-Events, die von Lesegeräten bei der Bewegung einer Ware erzeugt werden – zum Beispiel bei der Kommissionierung oder der Verladung –, zentral abgelegt und in einem EPCIS-konformen Repository auf Basis von SQL bereitgestellt. So können auch die Umsysteme, wie beispielsweise die Logistik- und die Business-Intelligence-Tools der Migros Ostschweiz, jederzeit mit den für sie relevanten Informationen versorgt werden, indem sie diese einfach aus dem Repository auslesen. Durch den Einsatz von EPC/RFID und die eindeutige Identifikation jeder einzelnen logistischen Einheit erreicht das Unternehmen somit die durchgängige Verfügbarkeit aller Warenflussinformationen – es gehen keine Daten mehr entlang der Lieferkette verloren. Jedes beliebige Ereignis kann geschrieben, ausgewertet und mit auftragsbezogenen oder Prozessdaten verknüpft werden.

Die neue Infrastruktur ist eine Investition, die sich gelohnt hat. „Wir können wesentlich flexibler mit Warenbewegungen umgehen – und in der Folge viel feiner kommissionieren”, erläutert Beat Huber, Bereichsleiter Warenlogistik der Genossenschaft Migros Ostschweiz. EPCIS liefert dazu dem automatischen Bestellsystem die nötigen aktuellen und genauen Informationen und sorgt für lieferabhängige Buchungen der Bestände, zum Beispiel bei Eintreffen der Ware in der Filiale.

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Und: Die Echtzeitinformationen über den von Quibiq implementierten Biztalk-Server gewährleisten die lückenlose Rückverfolgbarkeit von Produkten. Dank EPCIS weiß die Migros Ostschweiz jederzeit genau, welches Objekt sich wo und wann zu welchem Zweck befindet, und kann die Prozesse in der Supply Chain entsprechend exakt und optimiert aussteuern. Dies hilft zum einen dabei, Lieferdifferenzen zu vermeiden, Fehl- und Falschlieferungen sowie Mengenschwankungen zu erkennen und das Fehlerhandling zu verbessern. „Damit erzielen wir eine optimierte Auslastung unserer automatischen Anlagen und Lkw-Kapazitäten“, ergänzt Daniel Balmer, Bereichsleiter Transportlogistik, den Nutzen der neuen Lösung. Zum anderen schaffen die stets verfügbaren Daten über den Waren-, Belieferungs- und Palettenstatus Vertrauen und Sicherheit entlang der ganzen Wertschöpfungskette – ein Aspekt, der nicht nur dem Händler und seinen Lieferanten, sondern letztlich natürlich auch den Endkunden zugutekommt.

Nationales Roll-out in der nahen Zukunft geplant

Die Entscheidung des Migros-Genossenschaftsbundes zur Erhöhung der Supply Chain Visibility erweist sich daher im Rückblick als zukunftssichere Investition – und soll in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden. Wurde das neue Warennachverfolgungssystem zunächst für das Segment Fleisch und Wurst implementiert, wird in einem nächsten Schritt nun auch die gekühlte Kommissionierung – zum Beispiel Joghurt, Milch und Käse – in die EPCIS-Plattform integriert.

Gleiches gilt für die täglich frischen Convenience-Produkte. Der volle Mehrwert des Systems ergibt sich jedoch erst, wenn die durchgängig vernetzte Supply Chain über die Grenzen der Migros Ostschweiz auch auf nationaler Ebene und damit für alle Partner der Migros-Gemeinschaft und darüber hinaus nutzbar wird. Ein eigenes Kompetenzcenter soll dabei helfen, das mittelfristige Ziel zu erreichen: eine die gesamte Migros-Supply-Chain umfassende Transparenz – von der Industrie über die Verteilzentren bis in die Genossenschaften – über Mengen und Warenbewegungen. Quibiq wird dabei weiterhin als Implementierungspartner zur Seite stehen und die zugrunde liegende Biztalk-Server-Architektur robust und administrationsfreundlich auf den neuen Bedarf ausrichten. ■

* Sandra Meyer ist IT-Journalistin für die Wordfinder Ltd. & Co. KG in 22869 Schenefeld. Weitere Informationen: Quibiq GmbH in 70565 Stuttgart, Tel. (07 11) 9 97 65-0, stuttgart@quibiq.de

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