Fördertechnik Integrierte Materiaflusslösung für nachhaltige Logistikprozesse

Autor / Redakteur: Dipl. Ing. Jörg Pichler / Robert Weber

Das Recycling von Altpapier für die Dämmstoffproduktion ist aufwendig. Doch auch der nachgelagerte Logistikprozesse erfordert moderne Materialflusstechnik, denn die Baustoffindustrie will punktgenau versorgt werden. Eine neue Verteiler-Fördertechnik für die kundeneigenen Wechselbrücken optimierte die Prozesse.

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Die Produkte werden über zwei übereinanderliegenden Abwurfstrecken transportiert. Gliedkettenförderer sorgen für den schonenden Transport.
Die Produkte werden über zwei übereinanderliegenden Abwurfstrecken transportiert. Gliedkettenförderer sorgen für den schonenden Transport.
(Bild: Haro)

Energiewende hin oder her – die Wärmedämmung von Wohngebäuden ist nicht nur ein ökologischer Vorteil, sondern für viele Hauseigentümern auch ein ökonomischer, denn die Preise für Gas, Öl und Strom zeigen seit Monaten. Seit 25 Jahren verdienen die Ingenieure und Techniker von Isofloc mit dem Thema Dämmung ihr Geld. Ihre Idee: Aus Altapier Zellulosedämmstoffe zu fertigen.

Endprodukt wird in Großballen abgesackt

Isofloc produziert im hessischen Kassel und in Bütschwil in der Schweiz. Recycling von Altpapier und die damit verbundene Verarbeitung zu einem hochwertigen und ökologisch Produkt ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Rohware wird in aufwendiger Verfahrenstechnik gereinigt, von Fremdkörpern befreit und für die Weiterverarbeitung entsprechend zerkleinert. In modernen Produktionsanlagen unter ständiger Qualitätsüberwachung wird mit schonenden und umweltverträglichen Zusatzstoffen imprägniert, um den Ansprüchen der Bauwirtschaft zu genügen.

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Am Ende dieses Fertigungsprozesses wird das Endprodukt in Großballen oder in für den Anwender leicht zu handhabenden Größen abgesackt. An diesem Punkt war die Herausforderung, eine neue Verteiler-Fördertechnik für die kundeneigenen Wechselbrücken sowie eine automatische Palettierung zu integrieren, der Aufbau einer voll automatischen und zukunftsweisenden Logistikstruktur. Isofloc hat sich für Haro entschieden.

Das Unternehmen war den Verantwortlichen schon aus gemeinsamen Projekten und Anlagen in Lohfelden und auch in Bütschwill schon seit Jahren bekannt. Man habe von Anfang an vertrauensvoll zusammen gearbeitet. Es war den Ingenieuren wichtig, mit einem Partner zu kooperieren, der noch eine tiefe Fertigungsstruktur hat und der Qualität in Deutschland produziert.

Schnellverteiler sorgen für effiziente Materialflüsse

Besonders die gewachsene Gebäude- und Maschinenstruktur, sowie enge Platzverhältnisse am Standort waren bei uns eine große Herausforderung. Isofloc wusste, dass Haro flexibel reagiert und in der Planungsphase mit Rat und Erfahrung unterstützt.

Von den Produktionsanlagen wird die Sackware nach einer Verwiegung vereinzelt von der Fördertechnik aufgenommen und mit dem Taragewicht bedruckt. Robuste, geschwindigkeitsangepasste Gliederkettenförderer transportieren das Gut schonend zu einem zentralen Verteiler.Per Display an der zentralen SPS lassen sich je nach Bedarf zwei Linien für die Wechselbrückenbeschickung und eine Linie für die Palettierung mittels Krokodilweichen und Winkelschieber unabhängig von der Zuführlinie einstellen.

Stellflächen sind wertvoll, so wurde für den Verteiler die Hallenhöhe ausgenutzt. Anschließend erreichen die Produkte zwei übereinanderliegende Abwurfstrecken. Die Abweiser für die Beschickung der Rollrutschen können von den Bedienern manuell aktiviert werden. Hierfür wird an den vier Rollrutschen die Zugangsmöglichkeit durch gesicherter Steigleitern erreicht. Der Clou – die Rollrutschen lassen sich manuell verschieben, womit jede gewünschte Wechselbehälterposition erreicht wird.

Dabei werden Bodenunebenheiten durch die Konstruktion selbstständig ausgeglichen. Jeweils zwei Rutschen lassen sich unabhängig und zeitlich parallel für die beiden Abwurflinien bewegen. Letztendlich erreichen die Fördergüter mittels Scherenrollenbahnen den Bediener im Wechselcontainer.

Palettierer verringert Handlingaufwand in den Prozessen

Ein logistischer Höhepunkt ist der integrierte Haro-Palettierer. Durch die beengten Platzverhältnisse war eine kompakte Bauweise notwendig. Die Lagenbildung mittels Drehschieber erfolgt in der zweiten Etage, ebenso schließt sich hier der Lagenabschieber an. In der unteren Etage bedient ein Gabelstapler einen automatischen Separator mit Leerpalettenspeicher, der den Arbeitsvorrat erheblich erhöht.

Die Aufpalettierung erfolgt mittels des Vertikalsystems VF10 sukzessive von „oben“ her, wobei die Lagenanzahl vom Bediener am zentralen Panel flexibel vorgegeben werden kann. Die fertige Paletteneinheit wird umwickelt und anschließend durch eine Staustrecke zur Abnahme verbracht.

Die Palettiereinheit ist mit umfangreichen Personenschutzmassnahmen gesichert. Eine spezielle Diagnose-Software vermindert Ausfallzeiten. Gute Zugänglichkeit wird durch eine Wartungsbühne gewährleistet. Mit der flexiblen SPS wird die komplette Anlage zentral gesteuert und überwacht, sodass eine optimale Staufähigkeit immer gewährleistet ist. Auch die gesamte Elektrotechnik und Programmierung, inklusive einer Ferndiagnose via Modem, wurde durch Haro-Eigenleistung eingerichtet.

* Jörg Pichler ist Prokurist der Haro Anlagen- und Fördertechnik GmbH in 59602 Rüthen.

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