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Flurförderzeuge Jungheinrich bringt Lithium vom Handy in den Stapler

Redakteur: Robert Weber

Jungheinrich setzt für die Zukunft auf Lithium-Ionen-Batterien. In Zürich wagten die Hamburger einen Blick in das Jahr 2020. Dann sollen auch Leistungsbereiche bis 100 kWh mit der Technik möglich sein. Bis dahin wird es aber wohl ein Nebeneinander von Blei und Lithium-Ionen geben.

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Mit einer Bleibatterie nicht vorstellbar. Die Lithium-Ionen-Batterie wiegt nur 14 kg. Eine Bleibatterie mehr als das Zehnfache. Ein Vorteil für die neue Technik. (Bild: Jungheinrich)
Mit einer Bleibatterie nicht vorstellbar. Die Lithium-Ionen-Batterie wiegt nur 14 kg. Eine Bleibatterie mehr als das Zehnfache. Ein Vorteil für die neue Technik. (Bild: Jungheinrich)

In der Automobilindustrie kann man heute nichts mehr werden, wenn man sich nicht irgendwie mit Elektromobilität beschäftigt oder eine ganz neue Antriebsform im Köcher hat. Das Thema E-Mobilität treibt die Branche um. Volkswagen, Daimler und Co. suchen nach leistungsfähigen Batterielösungen und manch vielversprechender Prototyp scheitert noch an der fehlenden Infrastruktur oder an den hohen Kosten.

Höhere Energieeffizienz und niedrigere Kosten sind das Ziel

Einige Staplerbauer sind da den großen OEM schon einen kleinen Schritt voraus, denn mittlerweile arbeiten die ersten Lithium-Ionen-Flurförderzeuge in den Logistikzentren dieser Welt im Alltagsbetrieb. Zugegeben, die Anforderungen an Stapler und Auto sind unterschiedlich, aber der Praxiseinsatz der Flurförderzeuge ist vielversprechend.

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Die Hamburger Jungheinrich AG versteht sich als Vorreiter bei der Lithium-Ionen-Technik und präsentierte auf der Jahresfachpressekonferenz in Zürich seine Konzepte für die Zukunft. Einige Hundert Elektro-Deichsel-Gabelhubwagen vom Typ EJE 112i mit Lithium-Ionen-Batterie habe man bereits im Einsatz.

Vor allem große Kunden würden sich für die Neuentwicklung interessieren und erste Erfahrungen sammeln. Die Entwickler um Peter Dibbern von der Jungheinrich-Grundlagenentwicklung versprechen ihren interessierten Kunden eine dreifache Energiedichte, eine Schnell- und Zwischenladefähigkeit, eine längere Haltbarkeit, wartungsfreies Arbeiten und höhere Energieeffizienz sowie niedrigere Energiekosten.

Kritische Kommentare zur Lithium-Ionen-Technik von Praktikern

Sparen tut not, wenn man die Zahlen von Jungheinrich zum Energieverbrauch von Elektro-Flurförderzeugen genauer analysiert. Rund 20% der Energie verbraucht ein Flurförderzeug fürs Ladegerät und nochmal 20% für die Batterie. Die hanseatischen Ingenieure sind deshalb überzeugt: Mit der Lithium-Ionen-Technik reduzieren sich die Verluste beim Laden und Entladen der Batterie.

Doch nicht nur der technische Vorteil spricht für die neuartige Batterie. Sie ist praktikabler als eine Bleibatterie, denn sie bringt nur 14 kg Gewicht auf die Waage und kommt mit weniger Platz im Logistikzentrum aus. Große Ladestationen gehören damit wohl der Vergangenheit an.

Das kann ein Mitglied unser Webplattform MM Logistik bestätigen. „Der Lithium-Ionen-Antrieb spart erheblichen Raum gegenüber üblichen Batterien“, schreibt ein Praktiker, der anscheinend bereits Erfahrungen mit der Technik sammeln durfte.

Im Alltagseinsatz zählt für ein Flurförderzeug die Leistungsdauer. Der Unterschied zwischen Blei- und Lithiumbatterie wird in diesem Bereich deutlich. Eine herkömmliche Batterie für einen Elektro-Deichsel-Gabelhubwagen kommt bei einem Gewicht von rund 150 kg auf eine verfügbare Kapazität von 120 Ah (Amperstunde). Da kann die Lithiumvariante (noch) nicht mithalten. Sie kommt auf 38 Ah. Bis zu 4 Lkw könnten damit be- und entladen werden, sagen die Entwickler und man könne ja schnell zwischenladen oder wechseln, heißt es.

Berater rechnen mit geringeren Kosten für Lithium-Ionen-Batterien

Dank des geringen Gewichts der Lithium-Ionen-Batterie konnte Jungheinrich den EJE 112i auch im Gewicht reduzieren und die Fahrzeuglänge verkürzen. Minus 69 mm verkündeten die Hamburger stolz. Das sorgt für noch mehr Wendigkeit in engen Lagern.

Doch die Reduzierung des Gewichts bei großen Staplern mit Lithium-Ionen-Antrieb bereitet den Usern in unserer MM-Logistik-Fachgruppe auf Xing auch Kopfzerbrechen, denn bisher sorgte die schwere Bleibatterie dafür, dass der Stapler bei großen Lasten auch am Boden blieb, wie es ein Mitglied flapsig kommentiert.

Die Entwickler sind sich des Problems wohl bewusst, rechnen aber mit einem Durchbruch der Technik auch in größeren Leistungsbereichen. Bis etwa 2020 peilen die Techniker Werte um 100 kWh Leistung an. In naher Zukunft sind auch schon 10 kWh drin, ist Dibbern von Jungheinrich überzeugt.

Kommissionierfahrzeuge mit Lithium-Ionen-Batterie dürften bald kommen

Als nächstes könnten also Kommissionierfahrzeuge auf Lithium-Ionen-Basis anstehen. Der Markt ist gespannt. Die Entwicklung der Kosten für eine Kilowattstunde gibt Jungheinrich bei seinen Prognosen recht. 2010 lagen sie bei knapp über 500 Euro. Bis 2020 rechnet die Unternehmensberatung Roland Berger mit Kosten zwischen 100 und 200 Euro pro Kilowattstunde. Die industrielle Fertigung senkt die Batteriekosten, prophezeien die Berater.

Die Euphorie ist deshalb groß – in der Automobilbranche und bei manchen Staplerbauern. Doch es melden sich auch kritische Stimmen: „Die Umstellung auf Lithium-Ionen wäre schon was, aber ich denke, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass diese Umstellung in naher Zukunft umgesetzt wird. Ich tendiere eher dazu, dass der herkömmliche Bleiakku noch eine geraume Zeit Verwendung findet, da dieses Konzept bewährt und in der Relation gesehen kosteneffizient genug ist“, schreibt ein Gruppenmitglied in unserem Netzwerk.