KEP-Dienste

Können Lieferdienste stadtverträglicher werden?

| Autor: Bernd Maienschein

Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke: „Das übergeordnete Ziel dieses Projektes ist es, den Wirtschaftsverkehr der KEP-Dienstleister stadtverträglicher abzuwickeln.“
Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke: „Das übergeordnete Ziel dieses Projektes ist es, den Wirtschaftsverkehr der KEP-Dienstleister stadtverträglicher abzuwickeln.“ (Bild: Stefanie Kösling)

„Wirtschaftsverkehre 2.0“ heißt ein Projekt der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS). Analysiert werden aktuelle und geplante Belieferungsstrategien der KEP-Dienstleister, um diese noch effizienter gestalten zu können.

Waren zu kaufen war noch nie so einfach wie heute: Mit ein paar wenigen Klicks kann man sich Kleidung, Bücher, Elektrogeräte und Lebensmittel bequem nach Hause bestellen, am liebsten schon „same day“. Diese veränderten Einkaufsgewohnheiten stellen die Kurier-Express-Paket-(KEP-)Dienste vor bisher unbekannte Herausforderungen – der ansteigende Warenverkehr muss möglichst effizient abgewickelt werden, um die Lieferzeiten niedrig halten zu können. Das Projekt „Wirtschaftsverkehre 2.0“ der Frankfurt UAS analysiert aktuelle und geplante Belieferungsstrategien der KEP-Branche. Das Projektteam arbeitet dabei mit verschiedenen großen Unternehmen aus der Branche zusammen. Träger des Projektes ist das HOLM (House of Logistics and Mobility) am Frankfurter Flughafen, gefördert wird es außerdem vom Land Hessen.

Verschiedene Disziplinen wirken zusammen

„Die Besonderheit unseres Projekts liegt in seinem interdisziplinären Ansatz“, betont Prof. Dr. Kai-Oliver Schocke, Professor für Logistik an der Frankfurt UAS. Zusammen mit Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung an der Frankfurt UAS, leitet er das Projekt. Auch Schäfer unterstreicht, wie wichtig unterschiedliche Perspektiven auf das Thema sind: „Erst die Kombination von Verkehrsplanung und Logistik ermöglicht uns eine umfassende Analyse der verschiedenen Belieferungskonzepte. Außergewöhnlich bei unserem Projekt ist es auch, dass die führenden konkurrierenden KEP-Unternehmen gemeinsam mit uns an Lösungen arbeiten.“

Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer: „Erst die Kombination von Verkehrsplanung und Logistik ermöglicht uns eine umfassende Analyse der verschiedenen Belieferungskonzepte.“
Prof. Dr.-Ing. Petra K. Schäfer: „Erst die Kombination von Verkehrsplanung und Logistik ermöglicht uns eine umfassende Analyse der verschiedenen Belieferungskonzepte.“ (Bild: Stefanie Kösling)

Belieferungskonzepte von KEP-Dienstleistern bestimmen z. B. die Auslieferungszeiten, die Auswahl der Beförderungsmittel (Transporter, kleinere Autos, Lastwagen) oder auch die zu befahrende Strecke. Das Projekt untersucht anhand von Experteninterviews und begleiteten Belieferungstouren Möglichkeiten, die vorhandenen und geplanten Belieferungskonzepte effizienter zu gestalten. Spezifische Auslieferungsstrategien für bestimmte Stadtteiltypen sollen flüssigere und umweltverträglichere Verkehrsabläufe ermöglichen. So könnte es sinnvoll sein, dass Wohngebiete früh morgens und abends angefahren werden, um die Anwohner optimal zu erreichen und unproduktive Wege zu vermeiden; im Gegensatz dazu würde es sich anbieten, Industriegebiete tagsüber zu beliefern.

Interessante Ergebnisse aus der Stadtteiltypisierung

„Gerade die Stadtteiltypisierung ist aus Sicht der Logistikbranche eine neue Vorgehensweise und verspricht spannende Ergebnisse“, bekräftigt Schocke. „Das übergeordnete Ziel dieses Projekts ist es, den Wirtschaftsverkehr der KEP-Dienstleister stadtverträglicher abzuwickeln. Darum arbeiten wir in diesem Projekt mit den Dienstleistern, aber auch mit den Kommunen zusammen“, so Schäfer. „Die Ergebnisse des Projekts sollen den beteiligten KEP-Dienstleistern ermöglichen, ihre Auslieferungsstrategien effizienter und wirtschaftlicher zu gestalten und damit ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen“, ergänzt Schocke.

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