Konjunktur Lage gut, Zukunft schlecht?

Redakteur: Robert Weber

Die Stimmung in der Logistikwirtschaft hat sich eingetrübt. Die jüngste Erhebung des Logistikindikators vom Institut für Weltwirtschaft aus Kiel verzeichnet einen kräftigen Rückgang. Die aktuelle Lage wird weiterhin sehr positiv gesehen.

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Es geht abwärts: Die Aussichten der Logistiker sind nicht rosig. Die Branche wird nächstes Jahr kämpfen müssen. (Bild: BVL/Institut für Weltwirtschaft, Kiel)
Es geht abwärts: Die Aussichten der Logistiker sind nicht rosig. Die Branche wird nächstes Jahr kämpfen müssen. (Bild: BVL/Institut für Weltwirtschaft, Kiel)

Maßgeblich für den Rückgang des Klimawertes um 20 auf 126 Punkte ist ein kräftiger Einbruch der Geschäftserwartungen, die um 32 Zähler nachgaben und nunmehr nur noch 8,2 Punkte von der neutralen 100er-Marke entfernt sind, schreiben die Wissenschaftler, die im Auftrag der Bundesvereinigung Logistik e.V., Bremen, forschen.

Demgegenüber wird die Geschäftslage im vierten Quartal trotz eines leichten Rückgangs um 7 auf 145,3 Punkte weiterhin sehr positiv beurteilt. Das derzeitige Konjunkturmuster – kräftiger Erwartungseinbruch bei guter Lagebeurteilung – verläuft auf beiden Marktseiten (Anwender und Anbieter) nahezu synchron.

Kapazitätsauslastung leicht gestiegen

Die Lageeinschätzung der Anbieterseite (Logistikdienstleister) gab um 8 Punkte nach und liegt mit 143,2 Zählen praktisch auf dem Niveau, das zum Jahresauftakt gemessen wurde. Per Saldo beurteilen 46,7% der Befragten ihre Geschäftslage weiterhin als gut (im Vorquartal waren es noch 61%).

Während die Kapazitätsauslastung sogar noch leicht anstieg, wird die Auftragslage nicht mehr ganz so glänzend beurteilt wie noch vor drei Monaten, so die Autoren. Hierfür dürfte vor allem ein weniger lebhafter Auftragseingang aus dem Inland verantwortlich sein, während die grenzüberschreitenden Bestellungen stabil blieben.

Bereitschaft zu Neueinstellungen hat nachgelassen

Für die kommenden 12 Monate rechnen die Logistikdienstleister mit einer leichten Verschlechterung der Geschäfts- und Auftragslage, nachdem im Vorquartal noch ganz überwiegend mit einer weiteren Verbesserung gerechnet wurde. Indes schlägt sich der massive Swing bei den Geschäftserwartungen noch nicht in spürbaren Einschnitten bei der Investitionsplanung nieder.

Die Bereitschaft zu Neueineinstellungen gab indessen deutlicher nach, ist aber weiterhin aufwärts gerichtet. Dies deutet darauf darauf hin, dass sich die Abschwungerwartungen noch nicht so weit verfestigt haben, dass insgesamt mit einer spürbaren Kontraktion der logistischen Aktivität gerechnet wird. Die Erwartungskomponente des Anwenderklimas liegt daher mit einem Wert von 107,2 Zählern immer noch leicht im expansiven Bereich (Rückgang um 33 Punkte).

Konzentration auf das Ausland

Ein ganz ähnliches Konjunkturbild zeigen die Einschätzungen der Logistikanwender in Industrie und Handel. Auch hier deuten die Umfrageergebnisse auf ein leicht gedämpftes, insgesamt aber immer noch sehr starkes Schlussquartal hin (Rückgang der Lageeinschätzung um 6 auf 147,4 Punkte). Während die Auslastung der Eigenlogistik nachgab, hat sich die Kapazitätsverfügbarkeit im Markt sogar noch etwas verknappt, was die korrespondierenden Angaben der Dienstleister bestätigt.

Demgegenüber haben sich – analog zu den Ergebnissen auf der Anbieterseite – alle Erwartungskomponenten verschlechtert. Positive Impulse werden in den nächsten zwölf Monaten am ehesten noch von grenzüberschreitenden Logistikbedarfen erwartet, während das Inlandsgeschäft nahezu stagnieren dürfte.

Trotz deutlicher Abschläge halten die Befragten per Saldo immer noch an ihren Kapazitätsausbauplänen und der Aufstockung des Personalbestandes fest. Auch die leichte Tendenz zum Outsourcing von Logistikleistungen ist weiterhin intakt.

Eurokrise erreicht Logistiker

Der scharfe Einbruch der Geschäftserwartungen dürfte auch von der Verunsicherung über die weitere Entwicklung im Euroraum herrühren. Darauf deuten die Ergebnisse der Sonderfrage hin. Rund 60% der Befragten sehen die ökonomische Stabilität Deutschlands durch den Prozess der fortwährenden Aufstockung von Rettungspaketen und den sich daraus ergebenden Garantiepflichten gefährdet.

Eine erkennbar tragfähige Lösung für überschuldete Mitgliedsländer ist somit eine zentrale Voraussetzung dafür, dass die öffentlichen Haushaltskrisen der betroffenen Länder nicht stärker auf die Realwirtschaft in Deutschland durchschlagen.

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