Lagerliftsysteme Lagerliftsysteme sind vielseitig, stark und sicher

Autor / Redakteur: Reinhard Irrgang / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Lagerliftsysteme bieten vielfältige Vorteile: Flächen- und Raumeinsparungen bei hohen Volumen- und Gewichtskapazitäten, flexible Installationsmöglichkeiten als Standalone- oder integrierte Anlage, ergonomische Zugriffsmöglichkeiten sowie hohe Pickraten. Zudem ein breites Varianten- und branchenübergreifendes Einsatzspektrum.

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Maßgeschneiderte Kapazitäten und Performance: Lagerliftsysteme lassen sich für die unterschiedlichsten intralogistischen Anforderungsprofile exakt dimensionieren und steuerungs- wie sicherheitstechnisch entsprechend ausstatten.
Maßgeschneiderte Kapazitäten und Performance: Lagerliftsysteme lassen sich für die unterschiedlichsten intralogistischen Anforderungsprofile exakt dimensionieren und steuerungs- wie sicherheitstechnisch entsprechend ausstatten.
(Bild: SSI Schäfer)

Auf der diesjährigen Fachmesse Logimat in Stuttgart präsentierte Kardex Remstar seine Innovation „Parts-4-You“ live. Das System kombiniert auf der Basis einer intelligenten Lagerverwaltungssoftware die Vorteile des dynamischen Lagerpaternoster-Prinzips mit Multi-Order-Picking für „schnelle und fehlerfreie Kommissionierprozesse“. Wie Manfred Schleicher, Geschäftsführer von Kardex Deutschland, betont, „beschleunigt die halbautomatische Lösung vor allem bei Unternehmen, die Kleinaufträge mit geringen Stückzahlen aus einem großen Sortiment kommissionieren müssen, die Prozesse“.

Zudem hilft das System, Kosten zu sparen, denn es bietet „einen hohen Return on Investment, da die Investition wesentlich geringer ist als bei einem herkömmlichen automatischen Kleinteilelager“, und benötigt bis zu 60 % weniger Energie.

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Lagerpaternoster-Prinzip kombiniert mit Multi-Order-Picking

Mit seiner Leistung von 350 Picks pro Stunde aus bis zu 10.000 Artikel umfassenden Sortimenten eignet sich Parts-4-You besonders für Einsätze in den Bereichen E-Commerce, Retail, Ersatzteilhandel, in der Pharma- und Gesundheitsbranche sowie in der Instandhaltung. Als Garant für die hohen Leistungen fungiert das von Kardex Remstar selbst entwickelte Lagerverwaltungssystem Power Pick Global. Mit dem nach dem Ware-zum-Mann-Kommissionierprinzip arbeitenden System lassen sich Ein- und Auslagerprozesse wegezeiten- und ressourcensparend parallel abwickeln und optional beispielsweise mehrere mit Ersatzteilen gefüllte Behälter zeitgleich entnehmen.

Für spezielle Anwendungsumgebungen in unterschiedlichen Branchen hat Kardex Remstar vier auf Lagerpaternostern und Lagerliften basierte Lösungen konzipiert: für die Lagerung bei definierten Temperaturen, für Reinräume, für Trockenräume und sowie für den Brandschutz.

Lagerliftsysteme auch für Tiefkühl- oder Reinraumeinsatz-Umgebungen

Die speziellen Systeme sind vor allem in den Bereichen Halbleiterindustrie, Pharma, Medizin, Optik, Chemie, Automotive, Flugzeugbau und Lebensmittel gefragt: „Diese Branchen benötigen für die Lagerung ihrer Produkte spezielle Umgebungsbedingungen“, so Manfred Schleicher. „Durch unsere jahrzehntelange Erfahrung und die von uns weltweit rund 144.000 installierten Systeme kennen wir die Prozesse und Anforderungen unserer Kunden genau und können passende Lösungen entwickeln.“

Für temperaturgeführte Güter wie Tiefkühl-(TK-)Lebensmittel und Medikamente bietet Kardex Remstar den Lagerlift Shuttle XP und das Umlaufregal Megamat RS mit Klimafunktion für Temperaturen von -25 bis 60 °C an.

Die Reinraumlösungen, etwa für Halbleiterhersteller, die Flugzeugindustrie, für Krankenhäuser oder Unternehmen aus den Bereichen Pharmazie und Optik, sind auf Basis der Norm ISO 14644 konzipiert. Für die möglichst geringe Partikelmenge in der Luft werden beispielsweise beim Lagerlift Shuttle XP von Kardex Remstar Rollentablare anstelle von Kufentablaren verwendet. Beim Lagerlift und beim Umlaufregal sorgt zudem eine kontrollierte Luftführung, die durch an den gelochten Seitenteilen angebrachte Luftkanäle erreicht wird, für Reinraumbedingungen im Inneren der Anlage.

Nur 84 m² Flächenbedarf für Lagerliftsystem bei einer Lagerfläche von 1000 m²

Knorr-Bremse, weltweit der führende Hersteller von Bremssystemen für Schienen- und Nutzfahrzeuge, hatte vormals am Standort in München die zur Montage benötigten Bauteile dezentral bevorratet. Um den Flächenbedarf wie die Quote an Falschbeständen zu reduzieren, wurden mit einer von Kardex Remstar realisierten Anlage die Bauteilbestände in einem zentralen Puffer zusammengefasst.

Die überwiegend in Kunststoffboxen vorgehaltenen mehr als 210.000 Bauteile lagern in acht Shuttle-XP-500-Systemen von Kardex Remstar. Die jeweils 3050 mm breiten, 864 mm tiefen und 7350 mm hohen Türme sind in zwei Vierereinheiten installiert und bieten insgesamt 1000 m² Lagerfläche auf einer Grundfläche von nur 84 m². Kommissionierer sortieren die Bauteile auf Trolleys und bringen sie zu den Montageplätzen.

Für die Lagerliftsysteme gibt es einen innovativen Brandschutz

Als Brandschutz wird die innovative Kardex-Fire-Solution eingesetzt. Bei dieser Lösung sind über die gesamte Höhe der Lagereinheiten im Abstand von 5 cm Düsen installiert, die rückstandsfreies Inertgas mit dem geringen, die Lagersysteme wie die eingelagerten Bauteile schonenden Druck von etwa 4 bar direkt in die Shuttles leiten. So kann sich das Gas schnell verteilen, der Sauerstoffgehalt sinkt rasch unter 8,8 % und der Brand wird in kürzester Zeit gelöscht.

Als Meldesystem fungieren bei Knorr-Bremse Kunststoffrohre, die konstant Luft aus dem Shuttle-Inneren ansaugen und auf Rauchpartikel untersuchen; beim Überschreiten eines bestimmten Grenzwerts wird das Alarmsignal ausgelöst. Ausgestattetet ist die Gaslöschanlage mit speziellen Feuerlöschsystemen mit 18 Gasflaschen Inergengas für die sogenannte Hauptflutung und 16 Gasflaschen Stickstoff für die Halteflutung.

Bis zu 90 % Lagerflächen können eingespart werden

Beim „Logimat“ genannten Lagerlift von SSI Schäfer handelt es sich um ein platzsparendes Vertikallager für das Lagern und Bereitstellen von Kleinteilen mit hoher Kommissioniergeschwindigkeit. Vom Prinzip vergleichbar ist das System mit einem überdimensionalen Schubladenschrank mit einer vorderen und hinteren Tablarreihe; der zwischen ihnen integrierte Lift zieht die einzelnen Tablare heraus und fährt zur jeweiligen Position der Bedienungsöffnung.

Der modular und flexibel konzipierte Logimat lässt sich als autonomes System einsetzen oder in eine automatische Anwendung zum Lagern, Bereitstellen und Kommissionieren von Kleinteilen integrieren. Die Nutzlasten von 250 bis 900 kg und die große Auswahl an unterschiedlichen Tablardimensionen eröffnen ein breites Einsatzspektrum. So reichen bei den insgesamt zehn Gerätetypen die Nominalmaße der Tablare von 1650 mm × 650 mm und somit 1,07 m² Lagerfläche beim Typ L1 bis zu 4000 mm × 820 mm (3,28 m² Lagerfläche) beim Typ L10.

Große Variantenvielfalt für eine hohe Einsatzflexibilität

Im Vergleich zu herkömmlichen, statischen Lagerlösungen lassen sich laut Unternehmensangaben 90 % Lagerfläche sparen. An weiteren Vorteilen werden die um mehr als 70 % verringerten Wegezeiten, die durch Prozessautomatisierung „um das Sechs- bis Zehnfache erhöhten Kommissioniergeschwindigkeit“ sowie die aufgrund der kompakten Bauweise reduzierten Energie- und Lagerkosten genannt.

Eine Reihe von Optionen ist verfügbar: So kann der Logimat in der Variante „Logi-Pointer“ mit einem Laserpointersystem ausgestattet werden. „Der „Logi-Lift“ sorgt als stufenlos höhenverstellbare Bedienöffnung für die ergonomisch korrekte Entnahmeöffnung und mit dem „Logi-Turbo“ steht eine zusätzliche Tablarposition in der Bedienöffnung für erhöhte Pickfrequenzen zur Verfügung. Für eine höhere Sicherheit bietet der „Logi-Safe“ ein elektrisch angetriebenes Schließtor zum Schutz bei wertvollen Gütern und „Logi-Guard“ ermöglicht die Absicherung der Bedienöffnung durch Lichtschranken.

Steuerungskomplettlösungen für unterschiedliche Anforderungsprofile an Lagerliftsysteme

SSI Schäfer bietet unterschiedliche Softwarepakete für die Steuerung des Logimat an, die bis zum systemeigenen Lagerverwaltungssystem ausgebaut werden können. So lassen sich mit „Logi-Soft Basic“ Tablare über ihre Kennnummern ein- und auslagern, die Benutzerverwaltung ist mit drei Sicherheitsstufen ausgestattet.

Mit „Logi-Soft Advanced“, der erweiterten Lösung für kleine Standorte, die nicht in ein Host-System integriert werden müssen, werden ein bis drei der Lagersysteme in einer Zone unterstützt. Das Programm, mit dem die jeweils optimal positionierten Tablare über die Artikelnummer ein- und ausgelagert werden, umfasst die Verwaltung und Platzierung der Artikel und kann mit Host-Schnittstelle und Auftragsverwaltung erweitert werden. Die Zugriffssicherheit ist durch Sperrung der Position für einzelne Tablare, Artikeldatenimport aus der Datei sowie Passwortschutz für individuelle Tablare gewährleistet.

„Schwerstgewichtler“ – Lagerliftsysteme für mehrere 100 t Nutzlast

Und während die für kleine Lager oder für die Integration in andere Warenwirtschaftssysteme konzipierte PC-Lösung „Logi-Soft Connect“ ein bis drei Logimat-Anlagen in einer einzelnen Zone steuert, unterstützt die Warenwirtschaftslösung „Logi-Soft Enterprise“ mit Client-Server-Architektur die Einrichtung mehrerer Zonen mit einer flexiblen Struktur.

Die 1967 gegründete Intertex Maschinenbau mit dem Hauptwerk in Eislingen sowie Zweigwerken in Heiningen und in Pineville im US-Bundesstaat North Carolina ist auf dynamische Lagersysteme spezialisiert. Wie das Unternehmen meldet, führte die Präsenz auf dem US-amerikanischen Markt mit rund 5000 realisierten Umlaufregalanlagen 1994 zur Gründung einer Tochtergesellschaft in Pineville.

Aufsehenerregender Einsatz des Lagersystems Typ Tower-Mat

Zudem hat Intertex Ende 2001 das Lizenzrecht des Lagerliftes des US-Unternehmens Siload übernommen: Über eine dritte Achse kann dieser Lagerlift – gegenüber den Einzelliften – „ein Vielfaches an Lagerfläche“ verwalten. Heute können diese Lifte Blechstapel oder Langgutkassetten mit mehr als 3 t Kassettenbeladung aufnehmen; und mit fahrbaren Regalbediengeräten können diese Lifte mit der Typbezeichnung „Tower-Mat“ Gesamtbeladungen von mehreren Hundert Tonnen bewältigen.

Ein aktuelles Einsatzbeispiel für die Performance des Tower-Mat sind die im Jahr 2012 bei der Paul Henke Möbelbeschlagfabrik, Bad Oeynhausen, von Intertex realisierten drei Lagersysteme des Typs Tower-Mat TM-FE2.1: Jeder der für die Werkzeuglagerung eingesetzten Lagertürme ist 20.465 mm hoch, 5400 mm breit sowie 3400 mm tief und bietet Platz für 61 Kassetten mit den Maßen 3500 mm × 830 mm × 160 mm, die jeweils für bis zu 5 t Nutzlast ausgelegt sind. Wie Philipp Hofer, Vertrieb und Auftragsabwicklung bei Intertex, erläutert, können zudem „als Besonderheit das Kassettenraster oder die Kassettennutzhöhe im Rastermaß von 160 mm geändert werden“. Gigantisch ist vor allem die Nutzmasse pro Tower-Mat-Lagersystem: Es trägt bei 355.215 kg Gesamtmasse pro Anlage 305.000 kg; somit „stemmen“ die insgesamt 183 Kassetten der drei Systeme bei Paul Henke sage und schreibe 915 t Nutzlast.

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