Warehouse Management Lagerverwaltung per Mobilfunk erhöht die Servicequalität

Autor / Redakteur: Rudi Scheiner / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die Haas Logistic GmbH betreut als Kontraktlogistiker mehrere Industriekunden deutschlandweit. Neben Transporten und Lagerhaltung bietet das Unternehmen logistische Zusatzdienste mit einer breiten Servicepalette. Als eines der ersten Unternehmen setzt Haas dabei auf Cloud Computing im Lager.

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Mit Mobilfunk und Internet sowie der Unterstützung von Salt Mobile Systems hat der Kontraktlogistiker Haas die Bestände seiner Kunden jederzeit im Griff.
Mit Mobilfunk und Internet sowie der Unterstützung von Salt Mobile Systems hat der Kontraktlogistiker Haas die Bestände seiner Kunden jederzeit im Griff.
(Bild: Salt Mobile Systems)

Kontraktlogistik gilt schon seit mehr als zehn Jahren als Heilsbringer in der Branche: Bessere Kundenbindung, stabilere Auftragslage und vor allem höhere Margen soll das Zusatzgeschäft mit dem Auftraggeber bringen. Ernüchternd sind jedoch die Praxiserfahrungen speziell bei Mittelständlern, die versuchen, Kooperationen zur verladenden Industrie aufzubauen: Kontrakte werden zu kurzfristig ausgeschrieben, die Implementierungsphase der Prozesse ist zu kompliziert, um echte Gewinne abzuwerfen, und jeder Auftrag ist zu individuell für Skaleneffekte.

Der Einstieg in die Kontraktlogistik ist geglückt

Ein mittelständisch geprägtes Transportunternehmen, welches den Sprung zum Kontraktlogistiker geschafft hat, ist die Haas Logistic GmbH aus Baden-Württemberg. Der Hauptsitz von Haas in Dunningen – ein paar Kilometer östlich des Schwarzwalds – ist verkehrsgeografisch perfekt angebunden. Von hier erreicht man die Schweiz in etwa einer Stunde und Österreich in zwei Stunden. Die Fahrzeit in den Ballungsraum Stuttgart beträgt weniger als eine Stunde.

Aber nicht die Lagevorteile haben dazu geführt, dass viele Kunden ihre Logistik längerfristig an Haas ausgelagert haben. Laut Andreas Kampf, IT-Beauftragter bei Haas, bietet sein Unternehmen optimale Lager in klimatisierten, bewachten Räumen, kundenspezifische Kommissionierung, Verpackung und die Auslieferung weltweit durch speziell geschultes Personal. Der Dienstleister habe dazu seine Lagerfläche massiv ausgebaut und biete heute auf mehr als 15.000 m² verschiedene Flächen wie Palettenlager, Blocklager und Kragarmlager für Lang- und Schwergut.

IT unterstützt Überblick über Lagerbestände

Um die Bestände im Lager sicher im Griff zu haben, setzt Haas schon lange auf IT-Unterstützung. Das Lagerverwaltungssystem Cargobase wurde eingeführt und Bestände damit verwaltet. Das alte Warehousesystem stellte sich jedoch schnell als zu unflexibel heraus. Die Funktionen waren nicht oder nur unter intensivem Kostenaufwand anpassbar. Die manuelle Dokumentenkommissionierung – Mitarbeiter im Lager stellten die Sendungen über Listen zusammen – führte regelmäßig zu Differenzen in den Beständen. Wöchentlich mussten Inventuren durchgeführt werden. Um eine bessere Kontrolle zu erhalten, wurden Überlegungen für ein scannergestütztes System im Lager gestartet.

Die Lösung des Problems kam schnell und unerwartet. Statt die alte Lagerverwaltung in Funktion und Ausstattung zu erweitern, griff Haas auf eine Technologie zurück, die sich schon bei der Steuerung der eigenen Transportflotte bewährt hatte: die Kombination aus Mobilfunk und Internetplattform.

Der IT-Dienstleister Salt Mobile Systems, Vorreiter bei Cloud-Lösungen in der Logistik, hatte die Fahrzeuge des Kontraktlogistikers bereits 2008 mit einem Telematiksystem ausgestattet. Haas kann seitdem über einen einfachen Internetzugang die Touren seiner Flotte verfolgen, mit den Fahrern kommunizieren und eine Ablieferscannung sicherstellen.

Cloud-Ansatz macht Lagerverwaltungssystem deutlich flexibler

In einem Beratungsgespräch bot Salt Mobile Systems nun an, diese Technologie auch im Lager anzuwenden: Scanner werden per Mobilfunk mit dem Lagerverwaltungssystem verbunden, welches im gesicherten Rechenzentrum des IT-Partners gehostet wird. Haas greift per verschlüsselter Internetleitung auf das Warehouse-Management-System zu und kann auch seinen Kunden Einblick in das Lager gewähren. Alle Buchungen und Bestände werden dokumentiert, der IT-Dienstleister Salt übernimmt die Datensicherung und die Weiterentwicklung der Lösung.

Der Cloud-Ansatz bietet Haas ungeahnte Flexibilität. Beim „Lager aus der Steckdose“ lassen sich neue Mandanten leicht aktivieren und die Bestände sauber voneinander getrennt führen. Ein zweites Lagerverwaltungssystem muss nicht angeschafft werden.

Und ein weiteres Kostenargument überzeugte: Haas musste weder mit einem Server noch mit einer WLAN-Ausleuchtung seiner Lager in Vorleistung gehen; diese Ausstattung wird beim Cloud-Lager nicht benötigt.

Kupferproduzent ist erster Anwender von Lagerverwaltung per Mobilfunk

Als erster Kunde von Haas Logistic zog ein italienischer Konzern, weltweit größter Hersteller von Halbzeugen aus Kupfer und Kupferlegierungen, ein. Für den Produzenten lagert und kommissioniert Haas Rohre und Bunde und liefert diese europaweit aus. Haas beauftragte Ende 2010 Salt Mobile Systems mit der Umsetzung der „Lagerverwaltung on Demand“. Für das Cargorent-Lager wurde ein Pflichtenheft erstellt, um das alte LVS fehlerfrei abzulösen und die neu geforderten Funktionen eindeutig zu beschreiben. Mitte 2011 startete die Projektumsetzung zunächst als Individualentwicklung. Bestehende Bausteine wie die Kommunikation mit den Scannern über Mobilfunk und die Masken am Arbeitsplatz des Lagerleiters konnten aus der Telematiklösung übernommen werden. Lagerprinzipien, Verbrauchsfolgen und die Bestandsverwaltung wurden neu programmiert.

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Schon im September konnte die Lösung in ersten Tests ihre Leistungsfähigkeit beweisen. In diesem Stadium hat Salt das Lager auf die speziellen Anforderungen von Haas zugeschnitten. Anfängliche Probleme durch unterschiedliche Barcodeformate des italienischen Auftraggebers konnten ausgeräumt werden und das Lager wurde Mitte 2012 endgültig in Betrieb genommen.

„Lager aus der Steckdose“ kam auf der Logimat hervorragend an

Auf der Fachmesse Logimat im Jahr 2012 wurde das „Lager aus der Steckdose“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Mit überwältigendem Erfolg: Interessenten honorieren den konsequenten Einsatz von bewährten Technologien in einer völlig neuen Umgebung. Bisher werden Cloud-Ansätze auch im Lagerumfeld angegangen. Schlanke Lagerverwaltungslösungen mit Scanneranbindung, aber ohne eigne Serverlandschaften sucht man jedoch noch vergeblich.

Schon vor der Inbetriebnahme bei Haas wurde das Lager um weitere Funktionen wie den Stammdaten-Upload und die Inventur ergänzt. Heute arbeitet Salt an Erweiterungen der Lösung, die später in den Standard überführt werden. Eine „Warenkorbfunktion“ erlaubt einen individuellen Zugriff auf bestimmte Bestände im Lager, etwa gesperrte oder reservierte Ware. Aufträge können durch ein Priorisierungssystem bevorzugt abgearbeitet werden. Eine Fotofunktion am Scanner ermöglicht die Dokumentation von Vorbehalten. Individuelle Oberflächenerweiterungen im Lagerleitstand und an den Scannern runden die Anpassungen für Haas ab.

Weitere Kunden in Planung

Heute verwaltet Haas auf mehr als 300 Lagerplätzen die Artikel des Kupferproduzenten. Bei der Kommissionierung ist es möglich, viele verschiedene Artikel auf einer Palette zu bündeln und mit nur einem Label zu versehen. Auch die extrem unterschiedliche Länge der Artikel, zwischen wenigen Zentimetern und mehreren Metern sind die Kupferteile lang, stellt kein Problem dar. Im Cargorent-Lager kann der Kontraktlogistiker seinen Lagerspiegel individuell einstellen. Begleitpapiere und Barcodes druckt das System auf handelsüblichen Druckern aus.

Aufgrund der positiven Erfahrungen mit Cargorent prüft Haas aktuell den Einsatz bei weiteren Kunden. Mit einer deutlich geringeren Vorlaufzeit wird der Logistikdienstleister die „Hetal-Werke“ ins System aufnehmen. Der zur Grass-Gruppe gehörende Spezialist für Beschläge und Scharniere lagert bei Haas auf mehr als 6000 Lagerplätzen Systemlösungen für die Küchen-, Bad-, Büro- und Objektmöbelindustrie. Mit Cargorent hofft Haas, seine Logistikkontrakte in noch höhererer Qualität erfüllen zu können. Die Haas-Kunden haben jederzeit Einblick in ihre Bestände und bekommen durch die Scanner-gestützte Kommissionierung eine Fehlerquote nahe null geboten.

* Rudi Scheiner ist Geschäftsführer der Salt Mobile Systems GmbH in 97082 Würzburg

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