Supply-Chain-Optimierung

Lean Production kann auch den Sondermaschinenbau optimieren

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Darüber hinaus identifizierte das Team Komponenten und Teilprozesse, die sich auch in sehr speziellen Entwicklungen immer wiederholten. Sie konnten dann als Vormontage wie kleine Serienfertigungen und damit deutlich effizienter organisiert werden. Dies führte zu Möglichkeiten, Grundmaschinen bis zu einem bestimmten Punkt generisch aufzubauen und sie dann über Optionen projekt- und kundenbezogen zu individualisieren.

Lean Production zeigt zügig Erfolge

Nach knapp sechs Monaten hatte das Team aus Wassermann-Beratern und Bahmüller-Mitarbeitern die Voraussetzungen für eine Taktung geschaffen. Im Bereich der Achsenfertigung wird sogar mit Taktungszellen nahe einer vollwertigen Serienfertigung gearbeitet.

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Die anfängliche Skepsis der Mitarbeiter ist mit den schnellen Erfolgen echter Begeisterung gewichen. Ohne jede konstruktive Änderung an den Maschinen konnten die Montagezeiten bereits um 17% oder etwa 150 h reduziert werden. Mit kleineren konstruktiven Änderungen sieht man bei Bahmüller ein realistisches Potenzial von 23%. Die Gesamtdurchlaufzeit sinkt, je nach Projektart, um 24 bis 45%.

„Chance-Wunsch-Portfolio“ spannt Vertrieb und Marketing mit ein

Da die Gesamtnachfrage der Bahmüller-Kunden über der Kapazität der nur langfristig erweiterbaren Engpassfaktoren in Konstruktion und Montage liegt, muss das Unternehmen bei den Projekten eine Priorisierung vornehmen. Dies führte zur zweiten innovativen Verbesserung, dem „Chance-Wunsch-Portfolio“.

Das „Chance-Wunsch-Portfolio“ ist eine 9-Felder-Matrix, die Kundenprojekte nach der klassischen Abschlusswahrscheinlichkeit (Chance) auf der horizontalen Achse und dem Abschlusswunsch aus Sicht von Bahmüller und unter Berücksichtigung der Engpassfaktoren auf der vertikalen Achse einteilt. Als „erwünscht“ werden somit Projekte erachtet, die eine hohe Wiederholungswahrscheinlichkeit haben und damit einen hohen Deckungsbeitrag pro Engpassstunde aufweisen.

Die Bewertung für die traditionelle Chance-Achse der Matrix ist Sache des Vertriebs. Die Einteilung der Projekte auf der „Wunsch“-Achse wird von Geschäftsleitung, Controlling und Vertrieb gemeinsam vorgenommen.

Durch diese neue Perspektive verändert sich die Priorisierung in der Vertriebsarbeit. Statt sich im Vertrieb klassisch auf die umsatzstarken Projekte mit guten Chancen auf die Auftragsvergabe zu konzentrieren, gelangen bei Bahmüller jetzt ganz andere Aufträge in den Vertriebsfokus. Diese zeichnen sich nicht primär durch einen hohen Umsatz aus, sondern durch einen hohen Deckungsbeitrag pro Engpassstunde.

Aufwendige Einzelentwicklung darf Kapazitäten nicht blockieren

Basis für die Priorisierung der Aktivitäten ist eine Datenbank, in der der Vertrieb alle erforderlichen Informationen zu potenziellen Projekten sammelt. Je höher die Wahrscheinlichkeit, die Entwicklungsaufwände in anderen Projekten erneut nutzen zu können, desto höher klettert das Projekt auf der Wunschskala. Mit dieser Strategie verhindert Bahmüller, dass aufwendige Einzelentwicklungen die Kapazitäten blockieren.

* Christoph Hummel ist Consultant bei der Wassermann AG in 80686 München

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