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Supply-Chain-Management Lieferketten-Risiken einkalkulieren

| Redakteur: Franz Graser

Ein Ingenieur, der ein Baugruppendesign entwirft, wüsste natürlich gerne, ob er Teile einplant, die in den nächsten zwölf Monaten abgekündigt werden. Diese Teile würde er dann selbstverständlich meiden.

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Howard Heppelmann: verantwortet als General Manager das Segment Supply Chain bei PTC.
Howard Heppelmann: verantwortet als General Manager das Segment Supply Chain bei PTC.
(Bild: PTC)

Die Lieferkette birgt viele Risiken für Elektronikfertiger. Damit ist nicht das Risiko gemeint, dass die Transporter mit den Bauteilen nicht zur rechten Zeit in der Fabrik auftauchen. Gemeint sind vielmehr andere Risiken für die Fertiger.

Product Obsolescence ist beispielsweise ein großes Problem, das viele unterschiedliche Facetten aufweist. Viele unserer Kunden haben eine Lösung für das sogenannte Supply-Risk-Management im Einsatz. Ein Beispiel wären Umstände, die dazu führen, dass Bauteile nicht mehr zur Verfügung stehen. Denken Sie etwa an die REACH-Verordnung der EU (Registration, Evaluation, Authorization and Restriction of Chemicals). Es gibt darin eine Liste von etwa 150 Substanzen, die stark reguliert sind. Darüber hinaus gibt es Vorschläge, weitere 200 Substanzen darin aufzunehmen.

Unternehmen, die vorausdenken, überlegen sich natürlich: Was passiert, wenn die anderen 200 Substanzen ebenfalls aus der Lieferkette verschwinden? Wie wirkt sich das auf unsere Produkte aus und welchen Redesign-Aufwand würde es bedeuten?

Kauft der Platzhirsch Nachschub auf?

Ein weiteres Beispiel: Denken Sie an die Materialien, die für Touchscreens von Smartphones benötigt werden. Als Apple und Samsung sich vor ein paar Jahren entschlossen, in den Markt für Smartphones und Tablets einzusteigen, wurde der Zugriff auf diese Materialien für andere Unternehmen sehr schwierig.

Diese Verknappung hat zwar nichts mit staatlicher Regulierung zu tun, aber Unternehmen möchten natürlich wissen, ob solche Rohstoffe in der Lieferkette vorkommen und ob die Zulieferer Bocksprünge und Redesigns machen müssen, um Alternative zu finden, weil ein paar große Platzhirsche praktisch den ganzen Nachschub aufkaufen.

Und noch ein Beispiel: Viele Elektronikfirmen oder Unternehmen aus dem Luft- und Raumfahrtsektor kaufen Daten von Marktbeobachtern, die die Obsoleszenz von Bauteilen vorhersagen. Und diese Informationen werden normalerweise in einer Excel-Tabelle gespeichert.

Das bedeutet, dass diese Daten für die Ingenieure nur schwer einsehbar sind. Wenn ich jetzt Ingenieur wäre und ein Baugruppendesign entwürfe, dann möchte ich natürlich gerne wissen, ob ich Teile einplane, die in den nächsten zwölf Monaten abgekündigt werden. Denn dann würde ich es natürlich vermeiden, diese Teile zu verwenden.

Obsoleszenz-Risiken für Ingenieure sichtbar machen

Es gibt also eine Reihe von Gründen, die zur Obsoleszenz führen können. Unsere Aufgabe ist es, den Kunden die Möglichkeit zu geben, diese Gründe zu finden und – noch wichtiger – die Risiken für die Ingenieure sichtbar zu machen. Denn es ist sehr ungünstig, wenn diese Informationen nicht schon während des Design-Prozesses zur Verfügung stehen. Denn sonst müssen sie ein Design unter Umständen sofort wieder ändern, weil bestimmte Bauteile eingeplant sind, die möglicherweise bald abgekündigt werden.

Ein anderer Aspekt sind die Kosten für bestimmte Rohstoffe – zum Beispiel Neodym, ein Metall aus der Gruppe der seltenen Erden. Wir haben einige Kunden, die Neodym brauchen, weil es in Lautsprechern eingesetzt wird. Diese Unternehmen haben beobachtet, dass der Preis für eine Gewichtseinheit von Neodym innerhalb von zwölf Monaten von 50 auf 430 Dollar gestiegen ist. Wenn die Leute erst bei der Fertigung sehen, dass ihre Materialkosten aus dem Ruder laufen, ist es zu spät. Sie sollten bereits im Design-Prozess die Risiken abwägen können, um teure Redesigns zu vermeiden.

Compliance-Lösung für Konfliktmineralien

Seit 2010 gibt es in den USA auch ein Gesetz, wonach Unternehmen die Herkunft von Zinn, Tantal und Wolfram offenlegen müssen, die in ihren Produkten enthalten sind. Diese sogenannten Konfliktmineralien stammen nämlich oft aus Bürgerkriegsgebieten im Kongo.

In unserer Applikation Product Analytics gibt es eine Compliance-Lösung für solche Materialien. Firmen, die diese Fähigkeit nutzen, können sehr schnell entscheiden, wie sie mit diesem Problem und anderen Lieferkettenrisiken umgehen.

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