Baustellenlogistik

Logistik 4.0 - Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

| Autor / Redakteur: Thomas Roithmeier / Jonas Scherf

Digitalisierung kann sich erst mittelfristig rentieren.
Digitalisierung kann sich erst mittelfristig rentieren. (Bild: pixabay)

Logistik 4.0 – auf sie setzen Unternehmen große Hoffnungen, doch die Entwicklung dorthin ist träge. Wie schafft man also die digitale Transformation?

Digitalisierung hält bereits in zahlreichen Bereichen Einzug und ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Gerade in der klassischen Distributionslogistik zum Endkunden ist der Digitalisierungsgrad enorm und gelebter Standard. Entsprechend ist der Anspruch der Auftraggeber an Anlagenbauer, die Digitalisierung im Unternehmen noch deutlich zu steigern. Es wird angenommen, so die Bauphase zu verkürzen und die -kosten zu reduzieren.

Anlagenbauer ihrerseits sehen den Vorteil der Digitalisierung vor allem in der Effizienzsteigerung: Bessere Planbarkeit, optimiertes Logistik- und Sitemanagement und zentrale Datenverwaltung unter Einbindung der Subfirmen. Ein transparenter Prozess mit automatisierten Schritten ist hier gewünscht.

Logistik 4.0 birgt neue Herausforderungen

Jedoch: Die traditionellen, oftmals starren Strukturen von ehrwürdigen Unternehmen erschweren es, den digitalen Prozess neu aufzusetzen. Oft scheitert es nicht am Willen, sondern an komplizierten firmeninternen Gegebenheiten, die eine rasche Implementierung von digitalen Tools unmöglich machen. Durch mangelnde Flexibilität in diversen Unternehmensgeflechten wird verstärkt nach Kooperationen mit jungen, innovativen Start-Ups gesucht. So erhalten etablierte Firmen Zugang zu externem Know-how und können schneller auf sich bietende Marktchancen und Veränderungen reagieren. Dieses Umdenken ist ein notwendiger Zwischenschritt, um Zeit zu gewinnen. Viele Firmen sind aktuell noch nicht soweit, die digitalen Möglichkeiten, wie die Analyse großer Datenmengen oder Augmented Reality zu nutzen. Aber der Druck zur Transformation ist hoch, ein Umdenken in den Unternehmen hat eingesetzt, Industrie 4.0 findet statt.

Wer bezahlt diese Änderungen? Wer hat hier einen Mehrwert? Für Anlagenbauer ist Industrie 4.0 schwer kalkulierbar. Schlagwörter wie Big-Data und andere Megatrends stehen laufend im Raum und versprechen das Gelbe vom Ei – in der Theorie. 

Kein Bauwerk ohne Fundament!

Ob man es wahrhaben will oder nicht. Die größte Herausforderung bei Industrie 4.0 Projekten liegt in sauberen Prozessen – dem Fundament von Veränderungen. Diverse Abteilungskaiser, die verschiedensten Arbeitswege, diverse Eigenlösungen und die „das-machen -wir-schon-immer-so“-Mentalität sind meist die wahren Hemmschuhe von Digitalisierungsprojekten. 

Eine Software kann Prozesse unterstützen und gute Unternehmen zwar besser machen. Eine App alleine löst aber noch kein grundlegendes Problem. Das plakativ blinkende 3D-Modell einer Anlage mit Live-Statusupdates ist lobenswert, aber ohne saubere Prozesse – beginnend bei Engineering, Stücklisten, Einkauf und Versand bis zur Montage auf der Baustelle – schwer umzusetzen.

Der erste Schritt ist der Wichtigste

Zuallererst muss „Industrie 4.0“ vom Schlagwort zum konkreten Nutzen für das jeweilige Unternehmen transformiert werden. Auch wenn es schwerfällt – vergessen Sie die eierlegende Wollmilchsau. Durch die Definition von kleinen Schritten, einem raschen Prototyp („Proof of Concept“) und schnellen ersten Erfolgen kann sofort mit entsprechendem Rückenwind an einer ganzheitlichen Umsetzung gearbeitet und Vertrauen in die neue Lösung aufgebaut werden.

Das wesentliche Kapital von Anlagenbauern sind Know-how und Mitarbeiter. Letztendlich entscheiden diese über den Erfolg oder Misserfolg von neuen Softwareprojekten. Klare Vorteile für den Anwender, wesentliche Arbeitserleichterung sowie eine moderne und einfache Bedienung sind somit Pflicht.

Die Zusammenarbeit mit innovativen und spezialisierten Partnern ist eine gute Variante, in der virtuellen Welt von morgen Fuß zu fassen und sich einen Wettbewerbsvorteil zu schaffen. Ob dies einen sofortigen finanziellen Vorteil bieten mag, sei vorerst dahingestellt. Wie bei vielen Investitionen werden die Früchte erst mittelfristig zu ernten sein.

Eine Transformation hin zu digitalen Prozessen ist für Anlagenbauer in den verschiedensten Bereichen nötig. Stillstand führt zu einem langfristigen Wettbewerbsnachteil. Sich dem technologischen Wandel komplett zu verschließen, wird wohl dauerhaft keine Lösung sein.

Denn: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

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