Luftfrachtimmobilien Luftfrachtumschlag im Hochsicherheitstrakt

Autor / Redakteur: Markus Wolf und Christian Jung / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Verschärfte Sicherheitsbestimmungen bei der Luftfracht stellen alle Beteiligten vor Probleme. Luftfrachtimmobilien müssen baulich höchste Sicherheitsstandards erfüllen, um den größtmöglichen Schutz von Personal und Fracht zu gewährleisten.

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Das World-Cargo-Center (WCC) am Flughafen Leipzig/Halle zählt als Flugvorfeldgebäude bereits zum Sicherheitsbereich des Flughafens und ist integraler Bestandteil der Außenbegrenzung des Airport-Geländes.Bild: Airport Leipzig/Halle
Das World-Cargo-Center (WCC) am Flughafen Leipzig/Halle zählt als Flugvorfeldgebäude bereits zum Sicherheitsbereich des Flughafens und ist integraler Bestandteil der Außenbegrenzung des Airport-Geländes.Bild: Airport Leipzig/Halle
( Archiv: Vogel Business Media )

Die Sicherheitsbestimmungen in der Luftfracht nehmen kontinuierlich an Schärfe zu. Vor allem die USA reagieren mit immer neuen Vorschriften und Verordnungen auf das erhöhte Gefahrenpotenzial. Jüngstes Beispiel ist der sogenannte Röntgenerlass. Er sieht vor, dass seit dem 1. Februar dieses Jahres die Hälfte aller Sendungen, die an Bord von Passagiermaschinen in die Vereinigten Staaten oder aus dem Land geflogen werden, vor dem Start durchleuchtet werden muss. Von August 2010 an werden noch schärfere Bestimmungen gelten: Dann müssen 100% der Beiladefracht geröntgt werden.

Das macht die Luftfracht nicht nur teurer, sondern stellt Spediteure, Bodenabfertigungsunternehmen und Airlines auch vor Probleme. 24% der Logistikdienstleister und 39% der Verlader halten die Überwachungstechnik in den Frachtzentren für unzureichend. Darüber hinaus bemängeln 28% der Logistikdienstleister und 56% der Verlader die Zutrittskontrollen zu den Frachtzentren.

Sensibler Bereich beginnt am Verladetor

Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie des International Transfer Center for Logistics in Berlin, die die Garbe World Cargo Center GmbH in Auftrag gegeben hat. Das Unternehmen, ein Joint Venture der Hamburger Garbe Logistic AG und der niederländischen Geomar B.V., ist auf die Entwicklung von hochmodernen Luftfrachtzentren in Europa spezialisiert. Sie erfüllen baulich höchste Sicherheitsstandards zum größtmöglichen Schutz von Personal und Fracht.

Beispiel Leipzig/Halle: Das World-Cargo-Center (WCC) im Frachtbereich Süd, nur wenige hundert Meter vom neuen Drehkreuz der Posttochter DHL entfernt, zählt als Flugvorfeldgebäude bereits zum Sicherheitsbereich des Flughafens und ist integraler Bestandteil der Außenbegrenzung des Airport-Geländes. Die 240 m lange und 70 m breite Immobilie schafft eine perfekte Verbindung zwischen der Luft- und der Landseite.

Die Rückseite des Gebäudes fügt sich nahtlos in den Sicherheitszaun ein und schirmt das Gelände nach außen ab. Das heißt: Der sensible Bereich beginnt sozusagen am Verladetor. Alles, was sich dahinter abspielt, ist für Unbefugte tabu. Fahrer haben keine Chance, ins Innere des WCC zu gelangen.

In allen sensiblen Bereichen sind Überwachungskameras

Dafür sorgen an den Verladerampen in erster Linie die 38 Rolltore, die sich nur von innen öffnen lassen. Ausschließlich mit Luftfracht beladene Lastkraftwagen eines sogenannten „reglementierten Beauftragten“ dürfen an den Verladetoren andocken. Er muss sicherstellen, dass Unbefugte keinen Kontakt zu der von ihm übergebenen Fracht haben. Fahrzeuge von Speditionen, die diesen Sonderstatus nicht erfüllen, werden an die Zollstation im Bürokomplex des WCC verwiesen.

In allen sensiblen Bereichen der Immobilie befinden sich Überwachungskameras. Sie dienen nicht nur der Gefahrenabwehr, sondern auch dem Schutz vor Diebstahl. Zwar werden nur 1 bis 2% des Welthandelsvolumens überhaupt als Luftfracht mit Flugzeugen befördert, doch was den Wert der Waren angeht, machen die im Flugzeug transportierten Güter knapp 40% des gesamten Frachtaufkommens aus.

Im Inneren des WCC wird die Fracht geröntgt und nach Destinationen auf Luftfrachtpaletten gepackt oder in Luftfrachtcontainer umgeschlagen. Die Vorderseite der Halle liegt direkt am Flugvorfeld, das bis zu sechs großen Frachtmaschinen Platz bietet und über separate Rollwege an die Start- und Landebahn Süd angeschlossen ist. Die erforderliche Sicherheit entsteht durch die Zuordnung der Personen und Fracht in die jeweiligen Funktionsbereiche. Das bedeutet in der Praxis, dass die Flugzeuge nur mit Gütern aus dem dafür vorgesehenen Hallensegment beladen werden beziehungsweise ankommende Paletten und Container nur in dem Gebäudebereich umgeschlagen werden, für den sie bestimmt sind.

Hallensegmente der einzelnen Luftfrachtspeditionen baulich klar voneinander getrennt

Die Hallensegmente der einzelnen Luftfrachtspeditionen, die das WCC nutzen, sind baulich klar voneinander getrennt. Ein Durchgang ist nicht möglich. Der Bürokomplex ist von der Verladezone nur über Schleusen zu betreten. Fremdpersonal hat weder Zutritt zur Umschlaghalle noch zum Verwaltungsbereich. Die Frachtpapiere werden in einer gesonderten Sicherheitszelle kontrolliert.

30 Mio. Euro hat Garbe bislang in den Bau des modernen Luftfrachtzentrums investiert. Ausschlaggebend für die Standortwahl war die wachsende Bedeutung des sächsischen Drehkreuzes. Mit einem Umschlag von 442 000 t im vergangenen Jahr hat sich Leipzig/Halle zum drittgrößten Frachtflughafen Deutschlands entwickelt. Prominentester Mieter ist Lufthansa Cargo, die Ende April offiziell in das WCC umgezogen ist. Die Kranich-Tochter, die zu den weltweit führenden Unternehmen im Transport von Luftfracht zählt, nutzt 8000 der insgesamt 20 200 m² Hallenfläche. Weitere Mieter sind unter anderen die beiden auf Frachtabfertigung spezialisierten Unternehmen Swissport und Portground sowie der Zoll.

Das WCC verfügt derzeit über eine Umschlagkapazität von 300 000 t pro Jahr. Geplant ist, die Immobilie bis Ende 2010 um weitere 23 000 m² auszubauen. Nach der Erweiterung, in die 35 Mio. Euro investiert werden sollen, könnten bis zu 750 000 t pro Jahr umgeschlagen werden.

Weltweit entsteht gerade ein Netz aus Luftfrachtzentren

Das Hightech-Gebäude am Flughafen Leipzig/Halle ist Teil des Netzwerkes hochmoderner Luftfrachtimmobilien, das die Garbe-Tochter an nationalen und internationalen Flughäfen aufbaut. Nach gleichem Konzept wurden bereits ein WCC am Drehkreuz Frankfurt/Main mit 14 000 m² Hallenfläche und eines am Flughafen Hamburg in Norderstedt mit 21 000 m² Hallenfläche entwickelt. Dank besonderer Ausstattungsmerkmale wie Palettenauf- und -abbaustationen mit hydraulisch ausfahr- und versenkbaren Bühnen lassen sich an allen Standorten pro Quadratmeter Hallenfläche 15 bis 18 t jährlich umschlagen.

Der Durchschnitt an europäischen Flughäfen liegt zwischen 8 und 10 t. Um teure Fläche zu sparen und die Verkehre sauber zu trennen, werden die Pkw-Stellplätze für die Mitarbeiter auf das Dach verlegt. In der Auffahrt-Schnecke dahin stehen 1 Mio. l Löschwasser für den Brandfall bereit.

Bau eines WCC am Flughafen Hannover vor dem Start

In Kürze soll mit dem Bau eines WCC am Flughafen Hannover begonnen werden. Garbe rechnet täglich mit der Baugenehmigung, um endlich losgelegen zu können. Der 26 000 m² große Neubau soll das 10 000 m² umfassende Frachtzentrum ergänzen, das Garbe vom Flughafen übernommen hat. Der Fertigstellungstermin ist für Anfang nächsten Jahres geplant. 42 Mio. Euro lässt sich das Unternehmen sein Engagement in Hannover kosten – kein Pappenstil für eine Branche, die derzeit unter einem massiven Einbruch des weltweiten Frachtvolumens leidet.

Logistikimmobilien-Entwickler spüren als Erste die Krise, profitieren aber auch als Erste vom Aufschwung. Und der wird kommen, sind sich die Experten einig: Der Flugzeugbauer Boeing geht in seiner Langzeitprognose davon aus, dass sich das weltweite Luftfrachtgeschäft bis 2027 verdreifachen wird.

Markus Wolf ist geschäftsführender Gesellschafter der Garbe World Cargo Center GmbH in Hamburg.

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