VDMA Maschinenbauer erwarten 7% Produktionsrückgang im Jahr 2009

Redakteur: Stéphane Itasse

Der VDMA erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang der Produktion von durchschnittlich 7%. Allerdings rechnet der Verband mit einer extremen Spreizung innerhalb der Branchen, wie VDMA-Präsident Dr.-Ing. E.h. Manfred Wittenstein am Dienstag in Frankfurt am Main vor der Presse erklärte.

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VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein musste bei der Jahrespressekonferenz des Maschinenbau-Verbandes den schlechtesten Auftragseingang seit 1958 verkünden. Bild: MM-Archiv
VDMA-Präsident Dr. Manfred Wittenstein musste bei der Jahrespressekonferenz des Maschinenbau-Verbandes den schlechtesten Auftragseingang seit 1958 verkünden. Bild: MM-Archiv
( Archiv: Vogel Business Media )

Mit einem gewaltigen Paukenschlag endete das Jahr 2008 für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau. Nachdem der Auftragseingang schon in Vormonaten immer deutlicher geschwächelt hatte, geriet der Dezember 2008 vollends zum Fiasko. Die Aufträge brachen auf breiter Front weg. Mit einem Rückgang um 40% sagen sich Unternehmen konfrontiert, wobei das Inlandsbestellungen im Vorjahresvergleich um 39% schrumpften, die Auslandsorders sogar um 41%.

Maschinenbau-Auftragseingang so schlecht wie noch nie

Im Dreimonatsvergleich Oktober bis Dezember 2008 ergibt sich summa summarum insgesamt ein Auftragsminus von 29% zum Vorjahr. Damit war „das vierte Quartal 2008 das schlechteste seit 1958“, wie VDMA-Präsident Wittenstein betonte. Wesentliche Bedingungen, an die der Verband seine Stagnationsprognose vom Oktober 2008 geknüpft hatte, hätten sich nicht erfüllt, so der Verbands-Präsident. „Viele Kunden im In- und Ausland reagierten mit wachsender Verunsicherung und verhängten weitreichende Investitions- und Ausgabenstopps“, erläuterte Wittenstein.

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Bilanz der Maschinenbauer für 2008 insgesamt positiv

Dabei war 2008 für den deutschen Maschinen- und Anlagenbau insgesamt ein weiteres gutes Jahr in einer Reihe mehrerer guter Jahre gewesen – trotz des extrem schwachen vierten Quartals. „Die deutsche Maschinenproduktion wuchs 2008 real um 5,4% auf 194 Mrd. Euro“, teilte Wittenstein mit. „Der Branchenumsatz konnte um nominal 8% um 15 Mrd. Euro auf 205 Mrd. Euro gesteigert werden.“ Besonders erfolgreich waren die Teilbranchen Verfahrenstechnik und Landtechnik mit Umsatzzuwächsen von mehr als 30%. Die Kapazitätsauslastung der Branche lag zur Jahreswende im Schnitt bei 88,9% (Ende 2007: 92%).

Auch das Exportgeschäft florierte im Berichtsjahr. Die Exporte kletterten nominal um 8% auf 147 Mrd. Euro (2007: 136 Mrd. Euro). „Die höchsten Steigerungsraten auf bedeutenden Exportmärkten konnten wir von Stand Januar bis November 2008 in den BRIC-Ländern erzielen“, sagte Wittenstein.

Schwellenländer kaufen Maschinen aus Deutschland

Die Exporte nach Brasilien wuchsen um 29,4%, gefolgt von Russland mit 26,5%, Indien mit plus 19% und China plus 14,3%. Unter Vorjahresniveau lagen die Maschinenlieferungen in die USA sowie Großbritannien, die Türkei und Südkorea.

Davon habe auch der Arbeitsmarkt profitiert, wie Wittenstein berichtete: „Die Stammbelegschaft wurde 2008 abermals aufgestockt. Wir rechnen mit einer Gesamtbeschäftigung zur Jahreswende 2008/2009 von geschätzt 975000 Personen.“ Gemessen am letzten Tiefpunkt im Juni 2005 (Stand: 857000) seien es sogar fast 120000 neue Stellen.

VDMA fordert Wachstumspolitik statt Konjunkturprogrammen

Wittenstein betonte, dass die Branche auch jetzt in der Krise alles daran setze, den Beschäftigungsstand zu verteidigen. „Gleichwohl müssen wir allein schon wegen der zunehmenden Insolvenzen in diesem Jahr mit einem Verlust von zehntausend Arbeitsplätzen rechnen“, räumte er ein. Insgesamt schätzt der VDMA, dass die Kernbelegschaften um 25000 Mitarbeiter schrumpfen werden. „Das ist wohlgemerkt weniger als die 2008 vom Maschinenbau geschaffenen 40000 zusätzlichen Arbeitsplätze“, so Wittenstein, „Aber es muss auch klar sein, dass wir nicht jede Belastung schultern können.“

Wittenstein appellierte in diesem Zusammenhang an die Bundesregierung, die Standortqualität in Deutschland zu verbessern und kritisierte Maßnahmen, die die Konjunkturentwicklung von der Konsumseite her stabilsieren sollen: „Wir fordern keine klassische Konjunkturpolitik, sondern eine konjunkturgerechte Wachstumspolitik. So ist es nicht nachhaltig, mit leichter Hand bei den künftigen Generationen Anleihen für den Konsum von heute zu machen, verpackt als Kinderbonus, als Steuerbefreiung beim Pkw-Kauf oder als Beitragssenkung bei der Krankenversicherung.“

Stabilisierung des Bankensektors hat oberste Priorität

Schon vor der Krise sei in Deutschland eine massive Investitionslücke und ein viel zu geringes Wachstum des Produktionspotenzials zu beklagen, sagte der VDMA-Präsident. Heute komme es entscheidend darauf an, „die Basis für mehr Produktion in Deutschland zu stärken. Dazu müssen wir unsere Strukturen noch entscheidender erneuern und unsere Leistungsfähigkeit noch gezielter verbessern.“

In diesem Zusammenhang forderte der VDMA-Präsident die Wiedereinführung der Verlustverrechnung und eine nachhaltige Verbesserung der Abschreibungsbedingungen. „Die Wiedereinführung der degressiven AfA geht in die richtige Richtung. Die Befristung dieser Maßnahme auf zwei Jahre nicht“, sagte Wittenstein.

Zudem müsse alles unternehmen werden, was dazu beiträgt, den Bankensektor wieder zu stabilisieren und die Gefahren, die nach wir vor von den „toxischen“ Wertpapieren ausgehen, zu bannen. Nur dann, so Wittenstein, werde auch die so genannte reale Wirtschaft wieder Fuß fassen können. „Vor allem sind hier internationale Lösungen notwendig, um den Interbankenmarkt wieder in Schwung zu bringen, damit Konsortialfinanzierungen wieder möglich werden und sich der internationale Zahlungsverkehr wieder normalisiert.“

Deutscher Maschinenbau bleibt Enabler für ressourcenschonendes Produzieren

Grundsätzlich sieht Wittenstein den deutschen Maschinenbau auf einer Expedition mit ungewissem Ausgang, für die man aber gut gerüstet sei. „Der Maschinenbau hat nach wie vor die allerbesten Voraussetzungen, auf seinen langfristigen Wachstumspfad zurückzukehren. Die gegenwärtigen und zukünftigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen verlangen nach Lösungen.“

Die aktuelle Krise setze diese zentralen Herausforderungen nicht außer Kraft. So bleibe der Maschinenbau beim Auf- und Ausbau einer ressourcenschonenden industriellen Infrastruktur weiterhin Technologieintegrator und Enabler für alle Industriebereiche. „Deshalb ist uns“, wie Wittenstein betonte, was die mittel- und langfristige Zukunft des Maschinen- und Anlagenbaus angeht, nicht bange. Wir sind gut aufgestellt.“

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