Kommissionieren Massive Leistungssteigerung mit Pick-by-Light

Redakteur: Volker Unruh

Für den Vertrieb seiner hochwertigen Fashion-Produkte unterhält das amerikanische Unternehmen Fossil ein Zentrallager am Chiemsee. In einem Erweiterungsbau wurde im Jahr 2006 ein hochflexibler Kommissionierbereich mit Pick-by-Light realisiert, der sowohl in Spitzenzeiten als auch in ruhigen Phasen effizient betrieben werden kann.

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Uhren, Brillen, Schmuck und Kleinlederwaren der Marke Fossil werden in Warenhäusern und im Fachhandel auf der ganzen Welt verkauft. Das amerikanische Unternehmen erwirtschaftet rund 35% seines Umsatzes in Europa. Seit September 2003 betreibt Fossil am Chiemsee das sogenannte Eurodome I, ein Zentrallager für die Belieferung der europäischen Kunden.

Bereits im Sommer 2005 zeichnete sich wegen des starken Wachstums die Notwendigkeit einer Lagererweiterung ab. Für die Planung des Eurodome II, eine weitere Lagerhalle mit 12800 m² Lagerfläche holte Fossil im August 2005 das Hamburger Beratungs- und Softwarehaus KDL Logistiksysteme GmbH ins Boot, das sich mit seinem Konzept unter neun Wettbewerbern durchgesetzt hatte.

In seinen Grundforderungen verlangte Fossil nach einer sehr flexiblen Lösung, die sowohl in Spitzenzeiten als auch an schwachen Tagen effizient zu nutzen sein sollte. Bei den Mengen, die bei Fossil – meist in kleinen Losgrößen – umgeschlagen werden, ist ein stabiles und hochverfügbares System absolut wichtig. Und da das Weihnachtsgeschäft 2006 bereits im neuen Lager abgewickelt werden sollte, musste die Einführung deutlich davor liegen. Zur Realisierung des Eurodome II standen weniger als sieben Monate zur Verfügung, wodurch alle Beteiligten unter enormen Zeitdruck gerieten.

Der Kommissionierbereich spielt bei Fossil eine Schlüsselrolle

KDL begann das Projekt mit einer Bestandsanalyse. Anhand der Ergebnisse wurden mehrere Lösungsansätze entwickelt und auf ihre Praxis-tauglichkeit überprüft.

Auf Empfehlung von KDL wurde Ende Februar 2006 die Swisslog AG, Buchs, als Generalunternehmer für den Bau des Eurodome II verpflichtet, die auch den Part Fördertechnik und speicherprogrammierbare Steuerung (SPS) verantwortete. KDL übernahm die Projektleitung und die Realisierung aller Funktionalitäten des Materialflussrechners (MFR).

Eine Schlüsselrolle in der Anlagenplanung spielte der Kommissionierbereich. „Für uns war die Wahl der richtigen Kommissionierstrategie absolut wichtig“, betont Josef Otter, Geschäftsführer des Fossil-Zentrallagers. „Wir brauchen eine hochflexible, skalierbare Lösung, mit der wir sowohl in Spitzenzeiten als auch in schwachen Phasen ohne lange Rüstzeiten arbeiten können.“

In einer Mengenermittlung während der Bestandsanalyse hatte KDL festgestellt, dass 20% aller Artikel rund 80% der Lieferpositionen ausmachen. Daher war eine Unterscheidung in A- sowie B- und C-Artikel sinnvoll, wonach auch die Kommissionierbereiche gegliedert wurden.

Auf Grundlage aller detaillierten Analysen und Bewertungen der Lösungsmöglichkeiten entschied sich das Projektteam aus Mitarbeitern von Fossil und KDL im Einvernehmen mit der amerikanischen Fossil-Mutter zur Realisierung einer Pick-by-Light-Lösung für die Kommissionierung der A-Artikel. Alternativ hatte noch ein vollautomatisches Hochleistungskommissioniersystem nach dem Ware-zu-Mann-Prinzip zur Diskussion gestanden.

Alle Zentrallagerbereiche sind fördertechnisch verbunden

Mehrere Argumente sprachen für die Pick-by-Light-Lösung: Bei deutlich geringerem Invest ist die Technik prädestiniert für schnelles und genaues Kommissionieren von kleinen Produkten. In Spitzenzeiten können mehrere Mitarbeiter an einer Station parallel an denselben Aufträgen arbeiten, während in ruhigen Phasen ein Mitarbeiter auch an mehreren Stationen eingesetzt werden kann.

Die A-Artikel werden im Erdgeschoss aus mit Lichtanlagen ausgestatteten Durchlauf- und Fachbodenregalen gepickt, wobei separat noch einmal zwei Stationen für Super-A-Artikel vorgesehen sind, die direkt von Paletten entnommen werden. Die insgesamt 28 Kommissionierstationen haben Regallängen von rund 12 m, so dass kurze Laufwege für die Mitarbeiter garantiert sind.

Pick-by-Light eignet sich auch für wenig geschultes Personal

Für die B- und C-Artikel beließ man es bei der Datenfunk-Kommissionierung aus Fachboden mit Hand-Scannern. Vier Stationen mit insgesamt 8000 Fachboden Plätzen stehen dafür zur Verfügung, die im „Obergeschoss“, einer Bühneanlage, untergebracht sind. Alle Kommissionierbereiche sind fördertechnisch miteinander verbunden.

Die Arbeitsabläufe im Fossil-Zentrallager sind wie folgt organisiert: Im Wareneingang wird die Ware erfasst, ins System eingebucht und ihre von SAP reservierten Plätze eingelagert. Nun wird von SAP ein Prozess angestoßen, in dem der eingelagerte Bestand mit den anstehenden Aufträgen und Kundenbestellungen abgeglichen wird. Ein zweiter Prozess nimmt parallel dazu eine Einzelbetrachtung der Kundenbestellungen vor und prüft, ob zu den festgesetzten Lieferterminen genügend Ware zur Verfügung steht. Ist dies der Fall, werden die Lieferscheine generiert.

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Investition amortisiert sich in weniger als zwei JahrenMit der Frühschicht um 2 Uhr beginnen die Auftragsbearbeitung und der Nachschub für den Kommissionierbereich. Je nach Saison werden 500 bis 1000 Fächer aufgefüllt. Dieser Prozess ist meist bis 7 Uhr abgeschlossen, wenn die Normalschicht mit dem Kommissionieren beginnt. Die anstehenden Aufträge werden auf Monitoren an Computer-Arbeitsplätzen angezeigt.

Im August 2006, also nur knapp fünf Monate nach Planungsbeginn, erfolgte die Inbetriebnahme des Eurodome II. Und die Ergebnisse sind mehr als zufriedenstellend. Bereits vier Wochen nach dem Start konnte Fossil seine Auslieferleistung um mehr als 40% steigern. „In Spitzenzeiten“, so Josef Otter, „sind wir beim Kommissionieren um den Faktor 3,5 bis 5 schneller geworden. Dabei ist das System so einfach zu bedienen, dass auch wenig geschultes Personal ohne Qualitätsverlust eingesetzt werden kann.“ Und schließlich durfte sich Fossil auch noch über einen Return on Investment (ROI) von weniger als zwei Jahren freuen.

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