Suchen

Gefahrgut-Regeln Mineralwasser und brennbares Propan stellen gleiche Gefahr dar?

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Von unterschiedlichen Gefahrenpotenzialen lassen sich starre internationale Gefahr-Vorschriften nicht beeindrucken und stellen Gase wie Kohlensäure für Mineralwassersprudler und brennbares Propan auf ein und dieselbe Ebene. Deshalb verlangen Dekra-Gefahrgutexperten eine stärkere Differenzierung.

Firmen zum Thema

Was ist eine ausreichende Belüftung beim Transport von Gasen in gewerblich genutzten Fahrzeugen?
Was ist eine ausreichende Belüftung beim Transport von Gasen in gewerblich genutzten Fahrzeugen?
(Bild: Dekra)

Beim Transport von Gasen in gewerblich genutzten Fahrzeugen muss der Transporteur laut Gefahrgut-Vorschriften (ADR) für „ausreichende Belüftung“ sorgen. So weit, so einleuchtend. Doch die Vorgaben, wie diese internationale Vorschrift in Deutschland auszulegen ist, sind starr und lassen das unterschiedliche Gefahrenpotenzial verschiedener Gase außer Acht. Die Gefahrgut-Experten der Sachverständigenorganisation Dekra fordern deshalb mehr Differenzierung – im Interesse einer sicheren und zugleich verhältnismäßigen Lösung.

Das Problem: Zur Frage, was ausreichende Belüftung ist, verweist die Durchführungsrichtlinie Gefahrgut (RSEB ) aus dem Bundesverkehrsministerium ausschließlich auf ein Merkblatt des Deutschen Verbandes Schweißtechnik (DVS-Merkblatt 0211). Darin werden 2 × 100 cm2 als Mindestgröße von Lüftungsquerschnitten in den Fahrzeugen fest vorgegeben.

Egal ob eine Gasflasche oder Sattelzug voll – Vorgaben bleiben gleich

„Durch diesen starren Verweis auf das DVS-Merkblatt gelten dessen Vorgaben für jeglichen Transport von Gasen im gewerblichen Bereich“, so Thomas Schneider, Gefahrgut-Experte bei Dekra „Sie gelten also für alle Mengen von Gas, ganz egal ob ein Heizungsmonteur eine einzelne Gasflasche für seine Lötlampe transportiert oder ob ein ganzer Sattelzug voller Gasflaschen unterwegs ist. Und – noch viel wichtiger – sie gelten auch für alle Arten von Gas. Das lässt allerdings völlig außer Acht, dass von unterschiedlichen Gasen im Fall einer Leckage teilweise auch sehr unterschiedliche Gefährdungen ausgehen können.“

Ein konkretes Beispiel macht deutlich, wie groß die Bandbreite ist: Die geltenden Regeln fordern etwa für den Transport von Kohlensäurebehältern für Mineralwassersprudler die gleiche Art der Entlüftung wie für den Transport von Propangasflaschen.

„Kohlensäure als ein erstickendes Gas, das aber weder giftig ist, noch Brand- oder Explosionsgefahr auslöst, muss aus unserer Sicht beim Thema Belüftung eben anders betrachtet werden als brennbares Flüssiggas“, so Schneider. „Für das Beispiel des Kohlensäure-Transports wäre die normale Fahrzeuglüftung im Grunde völlig ausreichend; für den Transport von Propan natürlich bei weitem nicht.“

Bloße Abmessung der Entlüftungseinrichtung unzureichend

In aktuellen Versuchen haben Dekra-Experten im übrigen festgestellt, dass es konkrete Leckage-Situationen gibt, bei denen die absolute Größe des Lüftungsquerschnitts überhaupt nicht der entscheidende Faktor für die Entlüftung ist. „Bei Fahrzeugen mit Innenausbau zum Beispiel kann die Entlüftung wesentlich mehr durch Form und Größe der Innenausstattung beeinflusst werden, als durch die bloßen Abmessungen der Entlüftungseinrichtung selbst“, so der Dekra-Sachverständige Rudolf Sander.

In den Versuchen war außerdem in einem Fahrzeug ohne Innenausbau zwischen einem Szenario mit 100 cm2 Lüftungsquerschnitt und einem zweiten Szenario mit 57 cm2 praktisch kein Unterschied in der Entlüftung festzustellen. „Die Entlüftung mit kleinerem Querschnitt ist für geringe Leckagen augenscheinlich geeignet, eine ausreichende Entlüftung des Fahrzeugs im Fahrbetrieb zu gewährleisten“, so Sander.

(ID:42615759)