Suchen

Brandschutz Mit der Physik gegen das Feuer

| Redakteur: Robert Weber

Feuer im Logistikzentrum ist ein Horrorszenario. Deshalb sprach MM-Logistik-Redakteur Robert Weber mit Markus Kock von der Wagner Group über das Brandschutzsystem Oxy-Reduct und wie die Niedersachsen ohne Sprinkler Brände vermeiden.

Markus Kock von der Wagner Group erklärt die Funktionsweise des Oxy-Reduct-Systems der Niedersachsen.
Markus Kock von der Wagner Group erklärt die Funktionsweise des Oxy-Reduct-Systems der Niedersachsen.
(Bild: Wagner Group)

MM Logistik: Wie verhindert Ihre Technik einen Brand?

Kock: Wir setzen auf die Brandprävention. Das heißt: Mit unserem System Oxy-Reduct soll eine offene Flamme erst gar nicht entstehen. Deshalb nutzen wir die Physik und entziehen der Luft den Sauerstoff.

Wie funktioniert das?

Kock: Feuer braucht Sauerstoff – klar. Wir installieren unser System in dem Lager und eine Stickstofferzeugung sorgt dafür, dass der Sauerstoffanteil in der Luft auf 17 % Restsauerstoff oder tiefer, je nach Brandlast, fällt und eine Entzündung nicht stattfindet. Normalerweise setzt sich Luft aus 21 % Sauerstoff und 78 % Stickstoff zusammen.

Belastet das nicht die Mitarbeiter?

Kock: Nein, die Mitarbeiter in dem gesicherten Bereich müssen sich lediglich ab 17 % Sauerstoffanteil einer Vorsorgeuntersuchung unterziehen. Dazu kommt: Die Berufsgenossenschaft erlaubt ein zeitlich begrenztes Arbeiten bis 13 % Sauerstoffanteil.

Zwischen 17 und 13 % liegt ein Unterschied. Wovon ist der Prozentsatz abhängig?

Kock: Vom Lagergut. Wir bedienen uns bei der Ermittlung der Entzündungsgrenze der Literatur oder ermitteln bei exotischen Produkten die Entzündungsgrenze selber in unserem Labor. So können wir errechnen, wie hoch der Rest-Sauerstoffanteil sein darf.

Sie brauchen für Ihr System eine geschlossene Hülle – oder?

Kock: Während der Planungen nehmen wir einen N50-Wert für die Dichtigkeit des Schutzbereiches an, den wir nach Fertigstellung des Lagers durch eine Blower-Door-Messung überprüfen. Dazu kommen noch Luftverluste durch die Beschickungen des Lagers, die wir ebenfalls berücksichtigen. Ist eine Schleuse zu lange offen, reagiert das System darauf und informiert die Techniker.

Sie nutzen Fernwartung?

Kock: Ja, wir merken sofort, wenn sich die Laufzeiten der Anlage verändern, und können darauf schnell reagieren. Ein bis zwei Mal im Jahr warten Mitarbeiter die Maschinen vor Ort beim Kunden.

(ID:38760490)