Werkzeugmaschinentransporte Mit der Werkzeugmaschine sicher auf Reisen

Redakteur: Robert Weber

Wer Werkzeugmaschinen durch ganz Deutschland transportiert, kann viel erzählen: zu niedrige Eisenbahnbrücken, marode Autobahnen und überforderte Spediteure. Manfred Schulz von der Hermle AG und der Transportdienstleister Holger Dechant berichten von den kleinen und großen Problemen.

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Hermle setzt Spezialstapler ein, um die schweren Werkzeugmaschinen auf den Lkw zu verladen. (Bild: Hermle)
Hermle setzt Spezialstapler ein, um die schweren Werkzeugmaschinen auf den Lkw zu verladen. (Bild: Hermle)

„Eine Werkzeugmaschine ist keine Nähmaschine“, scherzt Manfred Schulz, Logistikchef beim Maschinenbauer Hermle. Doch dem erfahrenen Profi ist manchmal das Lachen im Hals steckengeblieben, denn Schulz hat schon zahlreiche Spediteure auf den Hof fahren sehen, die sich nicht vorstellen konnten, was es heißt, eine Werkzeugmaschine von Baden-Württemberg bis zum Hamburger Hafen zu transportieren.

„Ungefähr ein Drittel unserer Kunden schickt seine eigene Spedition und da fängt das Problem häufig an“, weiß Schulz. Denn oft beauftragen die neuen Maschinenbesitzer unerfahrene Logistikdienstleister, die über keine genauen Informationen verfügen. Dann wird aus einer Werkzeugmaschine schnell eine Nähmaschine und die logistischen Probleme starten schon vor der Abfahrt.

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Das Schiff im Hafen wartet nicht auf jede Werkzeugmaschine

Das kann Holger Dechant vom Schwerlasttransportanbieter Universal bestätigen: „Oftmals ist der geplante Zeitablauf die größte Herausforderung. Der Dienstleister muss verschiedene Auflagen einhalten und bestimmte Strecken können abgelehnt werden“, berichtet Dechant. Der Hamburger Reeder nimmt darauf wenig Rücksicht. Das Schiff legt auch ohne Maschine gen China ab.

Damit das nicht so weit kommt, arbeiten Logistiker und Vertriebler beim Maschinenbauer Hermle eng zusammen. „Der Außendienstkollege spricht schon beim Verkaufsgespräch den Transport an und bietet dem Kunden eine Lieferung durch unseren Logistikdienstleister an“, erklärt Schulz. Er und sein Team arbeiten mit einem regionalen Partner schon seit mehreren Jahren erfolgreich zusammen. „Dieser kennt die Besonderheiten und verfügt über die nötigen Traversen und Verpackungsmittel“, lobt Schulz den Spediteur.

Transparenz beim Werkzeugmaschinentransport wichtig

Doch auch auf seine Prozesse ist der Transportmanager stolz. „Wir haben alle Daten, Informationen und Betriebsanweisungen zu unseren Maschinen in einem Portal hinterlegt. Auf dieses können Logistiker und Vertriebler jederzeit zugreifen“, berichtet der Schwabe.

Transparenz ist wichtig beim Schwertransport. Standards ebenso. „Gewisse Schritte sind standardisiert. Gerade im Bereich der Transportprozessplanung gemäß VDI 2700 Blatt 13 erwartet man diese Abläufe“, erklärt Spediteur Dechant. Flexibel müssen er und seine Fahrer dennoch sein, denn jeder noch so gut geplante Ablauf kann auch mal ins Stocken geraten. Von der Stange gibt es meistens wenig im Schwerlastverkehr.

Vor dem Werkzeugmaschinentransport kommt die Streckenerkundung

Die Hauptarbeit des Logistikdienstleisters fängt aber nicht erst an der Rampe des Maschinenbauers an, sondern schon einige Wochen früher. Das Einholen von Genehmigungen ist ebenso wichtig wie die Disposition und die täglichen Streckenerkundungen. Denn nicht alle deutschen Autobahnbrücken sind schwerlasttauglich. Das Gleiche gilt für den Schienenverkehr. Dort hapert es meistens an der Höhe der Tunnel in der Republik.

Bei Hermle kalkulieren die Verantwortlichen rund vier Wochen für die Planungen und die Genehmigungsverfahren für eine Verschickung einer C50 oder C60 ein. „Oftmals sind schon die Genehmigungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich“, wundert sich Schulz. Sein Arbeitgeber hat darauf schnell reagiert. Der Dienstleister erhält nach der Auftragsbestätigung sofort die Informationen über den anstehenden Auftrag. Die Planungen starten.

Güter werden immer größer und schwerer

Über weniger Aufträge kann sich Holger Dechant nicht beschweren. „Wir sind immer abhängig von der Weltkonjunktur. Allerdings werden die Transportgüter immer größer und schwerer. Ein natürliches Wachstum ist deshalb immer gegeben“, freut sich der Ostwestfale, der täglich Straßenbahnen und Windräder durch das Land chauffiert. In diesen Fällen war die Verladung des Transportguts wohl um ein Vielfaches schwieriger als bei einer Werkzeugmaschine, denn das reine Verladen auf den Lkw, bestätigt Schulz, ist nicht das große Problem. „Wir setzen Spezialstapler ein, die wenig Mühe haben, die Maschine auf den Auflieger zu hieven“, erklärt Schulz.

Zeitraubend sei das Ausrichten, das Verzurren und die Ladungssicherung, heißt es bei Hermle. Drei bis vier Mitarbeiter sind damit rund fünf Stunden beschäftigt, hat der Chef nachgerechnet. „Wichtig ist, dass die Folie um die Maschine nicht zerstört wird“, weist Schulz seine Mitarbeiter an.

Der Kunde erwartet höchste Qualität von Hermle und das erwarten die Süddeutschen auch von ihren Logistikdienstleistern und deren Prozessen. Deshalb ist ein Schwerlasttransport auch nicht zum Schnäppchenpreis zu haben. „Die Kosten für eine Fahrt nach Hamburg können schnell im fünfstelligen Bereich liegen“, sagt Schulz. Man transportiere ja keine Nähmaschinen.

Die Transportpreise sind in den letzten Jahren gesunken

Beim Preis kann auch Dechant keine genauen Zahlen nennen. Der Grund: „Der Preis ist abhängig von der Größe und dem Gewicht des Gutes. Oft ist es aber beispielsweise nicht möglich, den direkten Weg nach Hamburg zu nehmen, sondern wir müssen einen großen Umweg fahren. Das verteuert den Auftrag“, erklärt der Geschäftsmann. Trotzdem sind die Preise in den letzten Jahren gesunken. „Das ist nun einmal so. Wir müssen Alternativen suchen und Win-win-Situationen für den Kunden und den Spediteur finden. Deshalb sollten beide Partner miteinander reden“, fordert Dechant.

Der osteuropäischen Konkurrenz gibt er nicht die Schuld daran. „Wir haben selber Niederlassungen in Polen, Tschechien und Rumänien. Die Qualität steigt täglich. Wir leben in einem vereinten Europa, da könnte man auch über die Wettbewerber aus Westeuropa sprechen“, stellt Dechant klar. Trotzdem, zahlreiche Dienstleister suchen neue Umsatzquellen.

Hermle will vom Logistiker keinen zusätzlichen Service

Ein Added-Service wäre da für einige Logistikdienstleister sicherlich ein lohnenswertes Zusatzgeschäft, über das man reden könnte. Dem erteilt Schulz von Hermle eine klare Absage. „Ein Added-Service vom Spediteur kommt für uns nicht in Frage.“

Den Aufbau der angelieferten Maschine übernimmt der Hermle-Kundendienst. „Wir liefern unsere Produkte nicht demontiert. Der Service hilft dem Kunden beim Ausrichten und ergänzt die Maschine um Automatisierungsbestandteile“, erklärt Schulz.

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