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E-Commerce Mit der Zalando-App gegen Retouren?

| Redakteur: Robert Weber

Zalando-Logistikchef David Schröder hatte es im Gespräch mit MM Logistik im neuen Distributionszentrum in Erfurt im Dezember bereits angekündigt: Das Unternehmen arbeite an neuen Techniken, um den Kunden die Auswahl der Produkte zu erleichtern. Ob dazu auch die neue App zählt, die den Kunden im stationären Handel unterstützen soll, ist offen.

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(Bild: Zalando)

Die Idee des E-Commerce-Riesen: Der Kunde speichert das Programm auf sein Smartphone, geht damit in den Laden in der Fußgängerzone, schaut sich um, probiert aus, scannt den Barcode des Produkts und sucht oder bestellt am Ende bei Zalando. Der stationäre Einzelhandel dürfte vor Wut schäumen.

Zalando-App kein Retourentool?

„Preisvergleichs-Apps sind keine neue Entwicklung. Viele sind schon seit einiger Zeit auf dem Markt“, erklärt Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland (HDE). Seine Empfehlung: „Stationärer und Onlinehandel dürfen nicht gegeneinander agieren. Wir empfehlen unseren Mitgliedern, auf allen Kanälen präsent zu sein und die Kunden dort auch abzuholen.“

Zalando schafft sich mit der App einen künstlichen stationären Handel, in dem die Kunden testen und probieren können und dem Onlineversender vielleicht am Ende den Zuschlag geben. Der Vorteil für das Unternehmen ist wohl: Die Kunden bestellen gezielter. Retouren könnten vermieden werden, denn wenn der Schuh passt, dann schicken ihn die Kunden nicht so schnell wieder zurück. Die Logistikabteilung wird entlastet. „Das App ist kein ausschließliches Retourentool“, erklärte eine Zalando-Sprecherin gegenüber MM Logistik. Man wolle dem Kunden das „bestmögliche Shoppingserlebnis“ bieten. Wenn man dadurch auch Retouren minimieren könne, freue das das Unternehmen, heißt es weiter.

In einem Pressegespräch erklärte Schröder, die Retourenquote von Zalando liege in Deutschland bei etwa 50 %. Dieser Wert entspreche damit dem Branchendurchschnitt.

Die Frage, die sich wohl viele Verbraucher stellen, ist: Wenn der Schuh im Laden passt, warum sollte der Kunde ihn online ordern? Die Antwort: Der Preis und die Verfügbarkeit des Produkts wird wohl bei den meisten entscheiden.

Macht der Händler vom Hausrecht Gebrauch?

Stephanie Schmidt, Justiziarin beim Bundesverband des Deutschen Versandhandels e.V. (BVH): „Aus unserer Sicht ist eine solche App rechtlich unproblematisch. Theoretisch könnte der Händler vor Ort von seinem Hausrecht Gebrauch machen und dem Kunden das Einscannen der Ware untersagen. Allerdings stellt sich dabei die Frage: Wie kann das überwacht werden?“

Für den HDE ist klar: „Entscheidend ist aus unserer Sicht der Service und die Anforderungen des Kunden an den Händler – sei es stationär oder online.“

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