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Behälter Mit einem Evolutionssprung mehr Qualität in die Lieferkette bringen

Autor / Redakteur: Axel Breitkreuz / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Die QX-Behälterserie von SSI Schäfer erfüllt jetzt die hohen Qualitätsanforderungen des Volkswagen-Konzerns. Die neuen Behälter lassen sich automatisieren, sorgen für Sauberkeit und einen deutlich besseren Schutz der empfindlichen Motorenbauteile. Zusätzlich können geringere Logistikkosten realisiert werden.

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(Bild: SSI Schäfer)

In der modernen industriellen Fertigung steigen die Qualitätsansprüche der Produkte immer weiter. Dies trifft besonders auf die Automobilindustrie zu. Sauberkeit, schlanke Produktionsprozesse und Maßhaltigkeit spielen hier eine entscheidende Rolle. Als größter Automobilproduzent Europas und einer der führenden Automobilhersteller weltweit stellt der Volkswagen-Konzern hier hohe Ansprüche. Vor allem, wenn es um die Bauteile der Motoren für die diversen Automarken der Volkswagen AG geht. Denn diese stehen maßgeblich für die Qualität der Fahrzeuge. Bestehen hier Schwächen in der Produktions- und Logistikkette, wirkt sich das auf die gesamte Qualität der Fertigung aus. Dessen ist sich der Automobilhersteller bewusst.

Die Sauberkeit ist unabdingbar für die Motorenqualität

Der Volkswagen-Konzern betreibt in 18 Ländern Europas und in acht Ländern Amerikas, Asiens und Afrikas 94 Fertigungsstätten. Mit über einer halben Million Beschäftigten produziert der Automotive-Riese an jedem Arbeitstag rund um den Globus circa 34.500 Fahrzeuge, die er in 153 Ländern anbietet. Ein Volkswagen-Standort, der weltweit zu den größten Motorenwerken zählt, befindet sich in Salzgitter.

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Dort produziert das Werk mit rund 6000 Mitarbeitern auf einer Fläche von über 2.800.000 m² Motoren für den gesamten Volkswagen-Konzern. Rund 7000 Otto- und Dieselmotoren in über 370 Varianten werden dabei täglich gefertigt. Außerdem stellt das Werk Bootsmotoren, Industriemotoren und verschiedene Komponenten für die eigene Produktion sowie externe Kunden her. Darüber hinaus werden in Salzgitter auch Blockheizkraftwerke gefertigt.

Die Sauberkeit der Bauteile ist für das Werk von ganz entscheidender Bedeutung, denn sie ist unabdingbar für die Qualität der Motoren. Laut Torsten Fellenberg, Logistikplaner im Volkswagen-Werk Salzgitter, sind die Ansprüche hier in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Darüber hinaus spielen auch die Automation und schnelle effiziente Prozesse eine immer größere Rolle. Das erfordert jedoch Produktionsmittel, welche den hohen Anforderungen des Automobilherstellers gerecht werden.

Behälter der neuen Generation sorgen für Schutz und Sauberkeit

Volkswagen tätigt hier jetzt einen entscheidenden Schritt und setzt unter anderem auf Transportbehältnisse einer neuen Generation: die brandneu entwickelte Behälterserie QX von SSI Schäfer. Bisher sorgen insgesamt 30.000 der neuartigen Behälter in Salzgitter für den Schutz und die erforderliche Sauberkeit der empfindlichen Motorenbauteile. Und das auch bei vollständig automatischen Prozessen. Der Weg zu den neuen Behältern gestaltete sich jedoch ein wenig ungewöhnlich.

Behälter für vereinfachte Prozesse gesucht

Mit dem speziellen Behältergrundmaß von 600 mm × 500 mm und 1000 mm × 600 mm gab es bisher nur wenige Anbieter auf dem Markt. Im Zuge der gestiegenen Ansprüche an Automation und Sauberkeit wiesen die bestehenden Behälter jedoch zunehmend Mängel im Prozess auf. Formstabilität, Teileschutz, Reinigungsfreundlichkeit sowie Passgenauigkeit waren nicht mehr befriedigend. Sollten die Industriepaletten in Verbindung mit Automation zum Einsatz kommen, benötigte Volkswagen zusätzliche Adapterplatten. Die Behälter erfüllten schlichtweg nicht mehr alle Anforderungen des Automobilherstellers. Vor allem dann nicht, wenn es um Neuprojekte ging. Beispielsweise wurden neue Bauteile wie Kurbelwellen in offenen Stahlgestellen verpackt und zum Schutz mit einer Plane abgedeckt. Sofern die Kurbelwellen extern versendet wurden, war für den Transport ein zweites Umpacken der Ware in Behälter erforderlich. Dieser Vorgang erfolgte manuell durch Mitarbeiter. Ein umständlicher Prozess, den es auch hinsichtlich Sauberkeit zu optimieren galt. Als Volkswagen das Problem schließlich an SSI Schäfer kommunizierte, reagierte der Intralogistikspezialist prompt.

Neue Behälterserie wird gestiegenen Automotive-Ansprüchen gerecht

Ohne bestehenden Auftrag oder feste Zusage machte sich SSI Schäfer, Neunkirchen, gemeinsam mit Volkswagen an die Entwicklung einer neuen Behälterserie für den Automotive-Bereich. Diese Behälter sollten den gestiegenen Ansprüchen des Automobilherstellers gerecht werden. Die größte Herausforderung bestand darin, alle Anforderungen von Volkswagen in nur einem Behälter umzusetzen. Die Kompetenz von SSI Schäfer in der Entwicklung von Behältern basiert jedoch auf jahrelanger Erfahrung. Daher wusste das Unternehmen, dass es möglich ist, und aus diesem Grund wurde bei SSI Schäfer die neue Behälterserie QX ohne konkreten Auftrag entwickelt. Denn der Bedarf bestand. Die Investitionsbereitschaft des Intralogistikspezialisten führte zu einem wahren Evolutionssprung in der Behälterentwicklung. Sauberkeit, Automatisierbarkeit, Stabilität, optimale Volumennutzung, Waschbarkeit und Passgenauigkeit – der QX-Behälter hat alle Tests des Volkswagen-Werks Salzgitter bestanden und die Verantwortlichen dort überzeugt. Als die ersten Serienbehälter produziert waren, folgten Aufträge über bisher 30.000 Behälter.

Doch so ein Behälter entsteht nicht über Nacht. Rund ein Jahr Entwicklung und viel Herzblut stecken in dem neuen Transportbehältnis. Um die angestrebten Eigenschaften zu erzielen, ging SSI Schäfer dabei neue Wege. Mit Erfolg, denn der QX vereint alle Vorteile der Behälterentwicklung der letzten Jahre. So ist der Kunststoffbehälter mit den Grundmaßen 1000 mm × 600 mm und 600 mm × 500 mm genau auf das Industrie-Palettengrundmaß 1200 mm × 1000 mm abgestimmt. Auf Adapterplatten kann Volkswagen damit in den meisten Fällen verzichten. Dabei dient der QX momentan vor allem dem Transport neuer anspruchsvoller Motorenbauteile: Kurbelwellen, Zylinderkopfmodule und Nebenaggregathalter.

Glatte Innenwände der Behälter erleichtern den Waschprozess erheblich

Um den Reinheitsanforderungen einer modernen industriellen Fertigung gerecht zu werden, haben sich die Ingenieure von dem traditionellen Behälterdesign mit vielen Rippen verabschiedet. Stattdessen verfügt das Transportbehältnis, das in erster Linie für den Einsatz von Tiefziehformteilen konzipiert wurde, über glatte Innenwände, die den Waschprozess erheblich erleichtern. Zudem können die Seitenwände des Behälters bei Bedarf mit einer Einrastvorrichtung ausgestattet werden, die als Fixierung von Tiefziehfolien oder anderen Bauteilaufnahmen im Behälter dient. Darüber hinaus sorgt der innovative Abtropfrand/Stapelrand im Werk dafür, dass weder Spritzwasser noch Fremdkörper (Durchmesser > 1 mm) in den Behälter eindringen können.

Die Zwischenräume sind vollständig verschlossen. Dies hat ein unabhängiges Institut überprüft und den Behälter dafür mit der Klassifizierung IP44 ausgezeichnet. Dies erfüllt die Ansprüche von Volkswagen an die Sauberkeit vollkommen zufriedenstellend.

Neuartige Behälter sind vollständig automatisierbar

Ein weiterer entscheidender Aspekt für Volkswagen: Die Behälterserie QX ist voll automatisierbar. Mit Hubschächten und einer geradlinigen Ausführung der tragenden Elemente bietet der Behälter zahlreiche Flächen für Greifvorrichtungen.

Besonders vorteilhaft ist dies für den Prozessablauf der Kurbelwellen. Denn ein Roboter belädt die Behälter jetzt direkt mit den zuvor gründlich gereinigten Bauteilen. Die Beladung erfolgt in drei nebeneinander liegenden Stapelboxen nach chaotischem System. Jeweils drei Kurbelwellen finden in einem Behälter Platz. Sind acht Behälter in einer Stapelbox beladen, erscheint ein Lichtsignal. In Folge dessen entnimmt ein Mitarbeiter das auf einem Transportwagen stehende Gebinde, versieht es mit einem Etikett und verschließt den obersten Behälter zum Staub- und Spritzwasserschutz zusätzlich mit einem Deckel. Die nach dem Kanban-Prinzip gefertigten und verpackten Kurbelwellen werden in einer Pufferzone zwischengelagert und anschließend mit einem Elektroschlepper-Routenzug zur Montagelinie abtransportiert.

Damit kann Volkswagen auf die zuvor eingesetzten Transportgestelle komplett verzichten. Der Ablauf ist nun sauberer, schneller und effizienter. Und alle Bauteile sind jetzt ohne Zuhilfenahme von zusätzlichem Verpackungsmaterial gut geschützt. Durch höheres nutzbares Volumen bei gleichen Außenmaßen bieten die neuen Behälter mehr Kapazität als die alten. Das kann die Logistikkosten um bis zu 30 % senken.

Behälter bieten Platz für Kennzeichnungen durch Prägung, Etikett oder RFID-Tag

Um auch das manuelle Handling zu erleichtern, welches bei einem Teil der Haubenmodule und Nebenaggregathalter erfolgt, hat SSI Schäfer Unterfassgriffe an den Stirnseiten des QX in den Stapelrand integriert. Die Greifvorrichtungen erleichtern den Mitarbeitern das manuelle Stapeln der Behälter erheblich.

Zwei VDA-Kartentaschen sind dabei obligatorisch. Und es gibt hier ausreichend Platz für weitere Kennzeichnungen mittels Prägung, Etiketten oder RFID-Tags. Als intelligenten Zusatz hat SSI Schäfer den Behälterrand zusätzlich mit einer farbigen Blende versehen. Damit erkennt Volkswagen selbst im gestapelten Zustand unmittelbar, welche Bauteile sich im Behälter befinden und ob diese entsprechend der farbigen Richtungskennzeichnung korrekt gelagert werden. Dies verschafft dem Automobilhersteller zusätzliche Sicherheit in seinen Prozessen.

Spezielle Hohlwandtechnik verschafft dem Behälter die notwendige Stabilität

Unterdessen sorgt die speziell eingesetzte Hohlwandtechnik für die notwendige Stabilität des Behälters, während doppelwandige Eckholme und Verstärkungen auf den Längsseiten dafür garantieren, dass das Einfallen der Längswände der Vergangenheit angehört. Auch die Tragfähigkeit des Behältnisses kommt Volkswagen entgegen. Denn mit der Ausführung der vibrationsgeschweißten Bodenplatte bietet der QX eine Inhaltslast von circa 70 kg. So können auch schwere Bauteile problemlos und sicher transportiert werden. Dabei wird der Behälter standardmäßig mit glattem Boden und einer Inhaltslast von circa 20 kg angeboten.

Mit dem Ergebnis ist Logistikplaner Fellenberg sehr zufrieden. Mit der QX-Serie werden die derzeitigen Anforderungen von Volkswagen erfüllt. SSI Schäfer hat immer schnell, zuverlässig und vor allem innovativ gehandelt. Volkswagen hat dabei nur gewonnen und die Verantwortlichen dort freuen sich auf die weitere Zusammenarbeit.

* Axel Breitkreuz ist Produktmanager bei SSI Schäfer Fritz Schäfer GmbH in 57290 Neunkirchen

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