Mediengeschichte

MM – 120 Jahre Anwalt des technischen Fortschritts

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Die Konkurrenz nahm das neue Vertriebssystem von Anfang an ernst, denn es war vom Fleck weg ein voller Erfolg. Die Auflage des Maschinenmarkt stieg rasch, von anfänglich 6000 Exemplaren auf rund 20.000 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 erreichten pro Woche 120.000 „Maschinenmärkte“ gut 350.000 Adressaten.

Wissenschaftliche Belehrung allein war nicht mehr gefragt

Aber rasten (und dabei rosten) war der Vogels Sache nicht. Denn angesichts des rasanten technischen Fortschritts wurde die Zeit reif für Zeitschriften, die mehr enthielten als nur „Offerten“, die in allgemeinverständlicher Form über technische Neuheiten und Trends berichteten und auch die kaufmännischen Aspekte des Geschäftslebens nicht außen vor ließen.

Die stark wachsende deutsche Industrie brauchte in dieser Zeit nicht allein wissenschaftliche Belehrung, sondern gierte nach schneller Information über technische Innovationen und Märkte. Die anzeigenlastigen Offertenblätter konnten das nicht leisten.

Für Arthur Gustav Vogel, den ältesten Sohn des Verlagsgründers Carl Gustav Vogel, der zusammen mit seinem Bruder Ludwig schon früh aktiv in die Geschäftsleitung des Pößnecker Verlagshauses eingestiegen war, stand fest: Der Maschinenmarkt und die anderen Zeitschriften des Verlags mussten mit redaktionellen Inhalten aufgewertet werden. Doch weil sich über Europa zu dieser Zeit jene „Stahlgewitter“ zusammenbrauten, die der Schriftsteller Ernst Jünger später in seinen Kriegserinnerungen schilderte, musste dieses Vorhaben zunächst aufgeschoben werden.

Der technische Redakteur – das unbekannte Wesen

Doch gleich nach Kriegsende griff Arthur Gustav Vogel die Idee wieder auf und machte sich auf die Suche nach qualifizierten Redaktionsmitarbeitern. Aber das war leichter gesagt als getan: Nur wenige Ingenieure interessierten sich damals für das journalistische Handwerk und viele Unternehmen gaben sich ziemlich zugeknöpft und waren nicht bereit, ihr Know-how mit einer breiteren Leserschaft zu teilen.

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Trotzdem: Nach reichlich Schweiß und Mühe hatte Arthur Gustav Vogel 1921 sein Redaktionsteam komplett. In regelmäßig wiederkehrenden Rubriken und verschiedenen journalistischen Darstellungsformen wurde über alles Wissenswerte aus dem Maschinen- und Anlagenbau berichtet. Neben wirtschaftspolitischen Leitartikeln, technischen Berichten und Marktanalysen veröffentlichte der Maschinenmarkt auch Börsennachrichten.

Zeitweilig erschien das Blatt sogar täglich – bis die Weltwirtschaftskrise für eine scharfe Zäsur sorgte. Die Erholung kam dann eher schleppend voran, wenngleich den Vogel-Verlag die in den 1930er-Jahren erlassenen gesetzlichen Auflagen, wonach „Marktzeitschriften“ neben Anzeigen auch einen redaktionellen Teil enthalten mussten, anders als so manchen Wettbewerber nicht unvorbereitet trafen. Schließlich war der Maschinenmarkt schon seit Langem ein echtes Fachblatt im Sinne des Gesetzes.

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