Mediengeschichte

MM – 120 Jahre Anwalt des technischen Fortschritts

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Fachzeitschriftenvielfalt schrumpft zum Einheitsblatt

Ab 1934 wurde der Maschinenmarkt stärker auf technische Themen hin ausgerichtet. Zum traditionellen wirtschaftspolitischen Aufmacher gesellte sich in jeder Ausgabe eine technische Topstory, die für Jahre Markenzeichen der Zeitschrift bleiben sollte. Mit Kriegsbeginn wurde die Situation für den Maschinenmarkt aber immer schwieriger.

Das erfolgreiche Prinzip des Wechselversandes musste wegen Papiermangels stark eingeschränkt, die Satzformate für Anzeigen mussten wesentlich verkleinert werden. Schließlich zog das NS-Regime zur Deckung des Kriegsbedarfes Material aus den Druckereien ab. Reihenweise ergingen Zeitschriften-Einstellungsverfügungen an die Verlage.

Im Jahr 1943 schließlich kam es im Fachzeitschriftenbereich „auf Geheiß von oben“ zu sogenannten Kriegsarbeitsgemeinschaften von Titeln mit ähnlichem thematischen Fokus. Ab 1944 erschien der Maschinenmarkt zusammen mit „Klepzigs Anzeiger für die Berg-, Hütten-, Metall- und Maschinenindustrie“, der Zeitschschrift „Maschine und Werkzeug“ (Ihl-Verlag) und dem „Essener Anzeiger“ (Girardet) unter dem Titel „Industriebedarf“. Aus den hochqualitativen Fachzeitschriften der Vorkriegszeit waren wieder Offertenblätter geworden, die im März 1945 die letzten Kaufgesuche einer kollabierenden Wirtschaft präsentierten.

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Als nach Kriegsende die 30. US-Infanteriedivision nach Pößneck einmarschierte und den Vogel-Verlag in Beschlag nahm, versuchte Arthur Gustav Vogel, den Verlag wieder aufzubauen. Aber ein sowjetischer Offizier nahm die Räumlichkeiten bereits in Augenschein, um die Demontage der Anlagen vorzubereiten. Arthur Gustav Vogel wurde verhaftet; doch gelang ihm die Flucht in das in der US-Zone gelegene Coburg.

Sein Bruder Ludwig, der sich vehement gegen die Enteignung des Verlags in Pößneck sträubte, hatte sogar einen „Maschinenmarkt Ost“ herausgebracht. Nach Einführung der Planwirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone musste er das Projekt aber wieder aufgeben. 1948 schließlich wurde der Vogel-Verlag in Pößneck nach einem Erlass des Ministerpräsidenten von Thüringen in sogenanntes Volkseigentum überführt.

1948 feiert der Maschinenmarkt in Coburg sein Comeback

Ohne Maschinenpark kam nur das Verlagsgeschäft infrage und als die Amerikaner im Juli 1947 die generelle Erlaubnis zur Publikation textloser Anzeigenblätter gaben, erhielt der Verlag von der Information Control Division (ICD) den begehrten Papierbezugsschein. Arthur Gustav Vogel hatte den Neustart des Verlages in einer 34 m² großen Baracke in Neuses bei Coburg vorbereitet. Gemeinsam mit seinem Bruder Ludwig und Sohn Karl Theodor, fünf kaufmännischen Angestellten, einer Stenotypistin, einem Stadtboten und zwei Lehrlingen gaben sie am 12. Februar 1948 den Haupttitel des Verlages, den Maschinenmarkt, wieder heraus.

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