MDE Mobilcomputer beschleunigen Arbeitsabläufe im Lager

Autor / Redakteur: Reiner Szech / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Je mehr Bewegung, desto größer die Herausforderung, im Lager den Überblick zu behalten. Dem sah sich auch die Siemens AG gegenüber. Am Standort Nürnberg wollte man die Lagerprozesse flexibilisieren, um den Zeitaufwand zu reduzieren und unnötige Zusatzkosten zu vermeiden. Hierzu kommen die Entwicklungsumgebung Raptool und die Mobilcomputer Memor zum Einsatz.

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Nicht nur am Nürnberger Siemens-Standort müssen die Lagerplätze korrekt verwaltet und die zu lagernden Produkte und Komponenten einwandfrei ein- und ausgebucht werden.
Nicht nur am Nürnberger Siemens-Standort müssen die Lagerplätze korrekt verwaltet und die zu lagernden Produkte und Komponenten einwandfrei ein- und ausgebucht werden.
(Bild: Datalogic)

Die Siemens AG suchte für die Lagerverwaltung am Standort in Nürnberg nach einer Lösung, um die Arbeitsprozesse beim Ein- und Ausbuchen von Fertigungsaufträgen sowie bei der Organisation des Bereitstellungslagers zu vereinfachen. Bislang mussten die Mitarbeiter in SAP die Lagerplätze manuell den Fertigungsaufträgen zuordnen, was auch von der Dateneingabe her nur über mehrere Arbeitsschritte möglich war. Hier galt es, die Arbeitsschritte für die Mitarbeiter zu vereinfachen und vor allem über den Barcodeleser eine bessere Erfassung zu gewährleisten.

Basierend auf dieser Aufgabenstellung setzte sich der Leiter der Auftragsabwicklung, Michael Powell, mit dem Systemhaus SA.S.S. Datentechnik AG als Spezialist für Druck- und Identifikationslösungen in Verbindung. Anhand der sehr detaillierten und ausführlichen Projektvorbereitung wurde von SA.S.S. die Hardwareempfehlung für den Memor-Mobilcomputer aus dem Hause Datalogic ausgesprochen. Dieser kann hinsichtlich seiner Bedienung mit der Entwicklungsplattform des schwedischen IT-Spezialisten Raptool einfach und problemlos individuell programmiert werden, sodass eine schnelle Umsetzung der Applikation möglich war. In einer dreimonatigen Testphase wurde zur Vereinfachung der Arbeit mit SAP/Atlas zunächst mit einem Excel-Tool gearbeitet. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Testphase wurde die Excel-Tabelle in eine Access-Datenbank integriert, um weitere Features einbauen zu können, wie etwa die Filterung nach Materialnummer, Lagerplatz oder Auftragsnummer.

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Alle bekannten Barcodetypen werden erfasst

Um die Eingabe der einzelnen Daten zu jedem Fertigungsauftrag und jeder Komponente zu beschleunigen, verwendet Siemens Mobilcomputer der Memor-Serie von Datalogic. Diese mobilen Computer sind mit einem Windows-Betriebssystem ausgestattet. Der 2D-Imager des Scanners erfasst alle bekannten Barcodetypen wie Linear-, Stapel- und 2D-Codes inklusive GS1 Databar. Der Vorteil dieser mobilen Computer liegt in der einfachen Installation und ihrer kompakten Größe. Der Memor passt in jede Hemd- beziehungsweise Hosentasche und ist dabei voll ausgestattet: Touchscreen, Wi-Fi-Anbindung, Imager, Windows-Betriebssystem und vieles mehr.

Die einfache Bedienung reduziert den Zeitaufwand

Auf den mobilen Geräten wird für die Eingabe und Verbuchung der Daten wie bei jedem Windows-Rechner eine passende Applikation benötigt. Gerade in den Bereichen Lager, Logistik und Produktion sind dazu häufig individuelle, auf die speziellen Anforderungen der Anwender zugeschnittene Softwareanwendungen nötig. Die Entwicklung solcher Anwendungen mit herkömmlichen Technologien und Plattformen ist zumeist sehr zeit- und damit auch extrem kostenintensiv.

Die Raptool-Anwendungsentwicklungsplattform ist speziell für die Anwendung mobiler Geräte wie Smartphones, Tablets oder mobile Computer ausgelegt, die mit Betriebssystemen wie Windows CE, Android oder iOS laufen. Mit ihr lassen sich in kurzer Zeit mit sehr geringem Aufwand sowie ohne Programmierkenntnisse Applikationen entwickeln, wodurch Arbeitsprozesse beschleunigt und vereinfacht werden.

Dies war auch der wesentliche Grund für Siemens und dessen Systemlieferanten SA.S.S. Datentechnik AG, sich gegen eine herkömmliche Technologie und für diese schnelle Umgebung zu entscheiden. Das Projekt konnte so in sehr kurzer Zeit realisiert, implementiert, getestet und danach in den Echtbetrieb übernommen werden. Spätere gegebenenfalls notwendige Anpassungen und Erweiterungen sind dann ebenfalls mit geringstem Aufwand in kürzester Zeit möglich. Über USB können die Mobilcomputer an jeden PC oder Laptop angeschlossen und so von Raptool automatisch erkannt werden. Die Software installiert dann automatisch, ohne dass der Anwender eingreifen muss, alle notwendigen Treiber. Zusätzlich kann die Verbindung auch über WLAN hergestellt werden.

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Intuitiv durch den Prozess

Um zum Beispiel eine Komponente mit dem Datalogic-Mobilcomputer und Raptool einzubuchen, wählt der Siemens-Mitarbeiter über den Touchscreen des Gerätes sein User-Profil sowie das Lager und das Lagerfach aus. Danach loggt er sich ein und wählt am Memor die Funktion „Erfassung“. Mit einem Tippen auf dem Bildschirm wechselt er zwischen der Erfassung für einen Fertigungsauftrag und einer Komponente. Am PC wählt der Mitarbeiter die entsprechende Eingabemaske des Tools aus und klickt dort auf den Button „Freier Lagerplatz“. Anschließend scannt er vom Warenentnahmeschein die Barcodes der Felder „Fertigungsauftrag“ und „Materialnummer“ ein. Alle weiteren Daten, wie die Komponentenbezeichnung, Auftragsnummer, Gewicht oder Menge, werden automatisch von der Raptool-Anwendung ergänzt.

Über den Mobilcomputer erhält der Mitarbeiter zudem eine Übersicht über alle eingescannten Komponenten und Fertigungsaufträge. Hier besteht die Möglichkeit, fehlerhaft oder zu viel eingescannte Felder zu löschen. Unter dem Menüpunkt „Config“ können im Nachhinein der User, der Lagerort und das Lagerfach eingesehen und geändert werden.

Prozesse beschleunigt, Zeit und Kosten gespart

Mit Raptool und den Memor-Mobilcomputern von Datalogic konnte Siemens sein Lagermanagement flexibilisieren. Aufträge und Komponenten lassen sich nun in weniger Arbeitsschritten und vor allem schneller finden. Besonders wichtig war für Siemens die Möglichkeit, neue Anwendungen ohne Programmierkenntnisse erstellen zu können, da die Lagerverwaltung ständig um neue Funktionen erweitert wird. Dank ihrer großen Speicherkapazität bieten die Memor-Mobilcomputer für derartige Erweiterungen genügend Speicherkapazität. Dank Raptool und Datalogic verfügt Siemens in Nürnberg nun in kürzester Zeit und mit nur geringen Investitionskosten über die notwendige Flexibilität in der Lagerverwaltung seines Bereitstellungslagers für die Fertigung. Aufgrund der positiven Erfahrung wurde die gleiche Lösung auch noch an einem anderen Standort eingeführt – weitere Standorte werden dem Best-Practice-Beispiel sicher folgen. ■

* Reiner Szech ist Country Manager bei Datalogic ADC Germany in 64291 Darmstadt, Tel. (0 61 51) 93 58-0, germany.scanning@datalogic.com

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